Geschäftsführer Fredi Bobic hat bei der Neuausrichtung des kriselnden Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Geduld gefordert und ist hart mit einigen ehemaligen Profis der Berliner ins Gericht gegangen.
"Mein Auftrag ist es, Dinge zu verändern. Aber das braucht Zeit. Das war 2016 in Frankfurt nicht anders", sagte der 49-Jährige im Interview mit dem "kicker": "Es geht darum, eine neue Kultur zu schaffen, ein gewisses Selbstvertrauen zu entwickeln, Schärfe auch im Handeln, wie man Ziele erreichen möchte - und die Mitarbeiter zu begeistern, dafür an ihre Leistungsgrenzen zu gehen: jeder in seinem Bereich."
Mit vier Niederlagen nach sechs Spielen sind die Berliner enttäuschend in die Saison gestartet. Am Samstag gab es bei RB Leipzig eine 0:6-Niederlage. "Wir sind gerade dabei, eine neue Entwicklung anzustoßen. Das geht nicht mit Fingerschnipsen, das braucht Zeit", sagte Bobic.
Kritik, dass auch die teils überraschenden Transferaktivitäten der Berliner im Sommer - Hertha BSC ließ mit Dodi Lukebakio, Jhon Córdoba, Javairô Dilrosun und Matheus Cunha quasi die komplette Offensivabteilung ziehen - Anteil am Horror-Start in die neue Saison hat, lässt Bobic nicht gelten.
Heftiger Seitenhieb gegen Ex-Stars von Hertha BSC
"Wie befriedigend waren die letzte Saison und die davor? Wie weit haben diese Spieler Hertha gebracht?", fragte der Sportchef der Alten Dame und schob nach: "Genau das ist doch der Punkt: Du kommst hierhin, siehst eine Mannschaft, in der etwas Grundlegendes nicht zu funktionieren scheint, und fragst dich, was das größte Problem ist." Ein heftiger Seitenhieb gegen die Ex-Hertha-Stars.
In den vorherigen Spielzeiten hätten "Mentalität", "Leadership", "totale Hingabe und die Bereitschaft, ihre individuelle Qualität ins Team zu investieren" gefehlt, polterte Bobic.
Mit den Sommertransfers habe man versucht, "eine Mannschaft zu bauen, in der die Spieler gern unser Trikot tragen und Hertha als Chance begreifen", so Bobic.
Fredi Bobic glaubt an Ende der 50+1-Regel
Die Zukunft von Trainer Pál Dárdai ließ der Europameister von 1996 offen. "Ich habe es ihm persönlich gesagt, und ich sage es jetzt auch öffentlich: Es liegt an Pál Dárdai selbst, wie lange er Trainer ist. Das können sogar zehn Jahre werden. Es liegt letztlich immer an der Arbeit, die jemand macht", sagte Bobic.
Ein dickes Fragezeichen stellt Bobic auch hinter die in Deutschland gültige 50+1-Regel, die die Übernahme der Klubs durch Investoren verhindern soll. "Ich stehe zu 50+1, wir hier bei Hertha stehen zu 50+1. Aber ich bin Realist. Und ich bin überzeugt, dass 50+1 in Deutschland auf Dauer nicht überleben, sondern irgendwann fallen wird", so Bobic.
Mit Lars Windhorst hat Hertha einen finanzkräftigen Investor im Rücken, der bereits über 370 Millionen Euro in en Hauptstadtklub butterte und zuletzt im Gespräch mit dem "Spiegel" unterstrich, er wünsche sich mehr Einfluss.






























