Vizemeister SG Flensburg-Handewitt hat sich im Titelrennen der Handball-Bundesliga (HBL) einen Ausrutscher geleistet. Die Mannschaft von Trainer Maik Machulla ließ beim 26:26 (11:16) gegen die Rhein-Neckar Löwen einen wertvollen Punkt liegen und verliert Tabellenführer THW Kiel etwas aus den Augen. Der Titelverteidiger setzte sich vor 1000 Zuschauern 33:26 (18:14) beim SC DHfK Leipzig durch.
Sieben Spieltage vor dem Saisonende deutet vieles auf eine erneute Meisterschaft von Rekordchampion Kiel hin: Der THW (57:5 Punkte) liegt einen Minuspunkt vor den Flensburgern (54:6), die noch ein Spiel in der Hinterhand haben. Den in dieser Spielzeit ausschlaggebenden direkten Vergleich hat der THW gegenüber Flensburg bereits für sich entschieden.
Die SG erwischte gegen die Löwen, mit drei Bundesliga-Niederlagen in Folge nach Schleswig-Holstein gereist, einen schlechten Start. Nach zwischenzeitlichem Sieben-Tore-Rückstand kämpften sich die Flensburger aber zurück in die Partie.
Letztlich halfen auch neun Tore des besten SG-Werfers Mads Mensah Larsen dabei, die erste Bundesliga-Niederlage nach zweieinhalb Jahren in der "Hölle Nord" zu verhindern.
THW Kiel und DHfK Leipzig vor Fans
In Leipzig, wo dank des Modellprojektes "Sportveranstaltungen mit Zuschauern in Leipzig" erstmals seit Monaten wieder Zuschauer ein HBL-Spiel in der Halle verfolgten, war Rechtsaußen Niclas Ekberg mit neun Toren der erfolgreichste Werfer des THW.
Der SC Magdeburg quälte sich vier Tage nach dem Triumph in der European League zu außerdem einem Arbeitssieg. Gegen den Tabellenvorletzten TuSEM Essen gewann das Team von Coach Bennet Wiegert nach langem Rückstand 31:26 (12:16).
Auch die MT Melsungen musste beim 25:23 (13:14) gegen Abstiegskandidat Eulen Ludwigshafen schwer kämpfen. Die Füchse Berlin untermauerten durch ein 30:24 (14:13) gegen den TBV Lemgo Lippe seriös den sechsten Tabellenplatz.
SG Flensburg-Handewitt - Rhein-Neckar Löwen 26:26 (11:16). - Tore: Larsen (9), Golla (4), Gottfridsson (3/2), Rod (3), Hald Jensen (2), Svan (2), Wanne (2), Steinhäuser (1) für Flensburg - Kirkelokke (7), Schmid (7), Tollbring (5), Kohlbacher (2), Lagergren (2), Gislason (1), Nilsson (1), Veigel (1) für Rhein-Neckar. - Zuschauer: keine
DHfK Leipzig - THW Kiel 26:33 (14:18). - Tore: Gebala (7), Krzkalla (7/5), Binder (3), Weber (3), Larsen (2), Meyer-Siebert (2), Gansau (1), Mamic (1) für Leipzig - Ekberg (9/5), Pekeler (5), Weinhold (4), Zarabec (4), Dahmke (3), Sagosen (3), Ciudad Benitez (2), Duvnjak (2), Jacobsen (1) für Kiel. - Zuschauer: 1000
Stimmen zur HBL bei "Sky":
Maik Machulla (Trainer SG Flensburg Handewitt) ...
... zum Spiel: "Wir besitzen Charakter und unheimlich tolle Mentalitätsspieler, die niemals aufgeben. Das zeigt, dass alles möglich ist in diesem Sport. Man kann hohe Rückstände auch in kürzester Zeit aufholen und dadurch bietet der Sport sehr viele Emotionen. Ich sehe keine großen Probleme im Angriff, nur in der Chancenverwertung. Wir kommen zu guten Abschlüssen, aber dadurch, dass wir diese Chancen nicht genutzt haben, haben wir das Tempospiel der Löwen nicht in den Griff bekommen. Das darf uns so nicht passieren. Aber wie wir dann zurückgekommen sind, ist sehr stark. Fakt ist, dass sich nicht viel geändert hat. Der Punkt war sehr wichtig, also sind wir nach wie vor in der Verfolgerposition. Wir wollen weiter Gas geben und unsere Spiele gewinnen. Dann schauen wir erst, was die Konkurrenz macht."
Andreas Palicka (Torhüter Rhein-Neckar Löwen) ...
... zum Spiel: "Es war ein geiles Handball Spiel. Ich finde, in der ersten Halbzeit hat man deutlich gesehen, dass eine Mannschaft viel mehr unter Druck stand als die Andere. Wir als Löwen konnten da einfacher aufspielen. Wir haben auch eine tolle Leistung gezeigt. Die zweite Halbzeit spiegelt so ein bisschen wider, wie unsere Saison bisher gelaufen ist. Eigentlich waren wir das bessere Team. Wir hätten auch den Sieg holen können, aber ein Unentschieden in Flensburg ist auch in Ordnung. Man kann sagen, dass die Spiele zwischen den Löwen und Flensburg einfach geil sind, denn man kann einen sieben Tore Rückstand innerhalb von drei Minuten aufholen und das zeigt, wie grandios dieser Sport ist. Flensburg ist eine tolle Mannschaft, aber wir haben auch gezeigt, was in unserer Mannschaft steckt. Wir arbeiten seit Wochen daran, unsere Leistung und Lockerheit zu finden."
Filip Jicha (Trainer THW Kiel) ...
... zum Spiel: "Es war ein sehr souveräner und gelungener Auftritt meiner Mannschaft. Sie waren sehr konzentriert, aber es war sehr schön, wieder vor Zuschauern zu spielen, auch wenn es die gegnerischen waren. Sie haben ordentlich Stimmung gemacht und das gibt uns was zurück. Dadurch waren die Leipziger natürlich enorm motiviert. Wir haben etwas Zeit benötigt, um ins Spiel zu finden, aber das ist bei der aktuellen Belastung völlig normal. Wir müssen weiter machen und nur auf uns schauen. Es reicht nämlich schon, wenn man nur eine Partie verliert, dann ist bereits alles wieder anders."
Hendrik Pekeler (THW Kiel) ...
... zum Spiel: "Für uns hat sich nichts geändert. Wir haben die Meisterschaft immer noch selbst in der Hand. Wir sind nur einen Punkt vorne und das bringt uns auch nicht viel, denn wir müssen weiterhin alle Spiele gewinnen. Natürlich wäre es schön, wenn wir ein zwei Punkte Polster hätten, denn dann könnte man sich einen Ausrutscher leisten. Das wollen wir aber natürlich nicht, denn wir wollen alle Spiele gewinnen."
Bennet Wiegert (Trainer SC Magdeburg) ...
... über den Gewinn des Europapokals (vor dem Spiel): "Positiver kann es eigentlich gar nicht laufen. Wir sollten nun auch die notwendige Lockerheit haben, sowohl auf dem Feld als auch daneben, um den Rest der Saison zu genießen und maximal viel gewinnen zu wollen. Was wir uns auf die Fahne geschrieben haben, was auch ganz wichtig ist, ist nicht den Ausgang der Liga zu beeinflussen. Wir wollen Spiele gewinnen. Wir kommen nicht in die Hallen, um die großen Danksagungen und Glückwünsche entgegenzunehmen, sondern wollen maximal professionell die Spiele bestreiten."
Dominik Mappes (Eulen Ludwigshafen) ...
... zum Spiel: "Es ist sehr schwer zu sagen, wieso wir verloren haben. Klar wissen wir selber, wenn wir in den letzten neun Minuten mit zwei Toren führen, dass wir uns hinterfragen müssen, ob wir alles in den letzten Wurf gelegt haben. Wir sind immer zu unseren Chancen gekommen, allerdings sind wir in der zweiten Hälfte nicht mehr ganz so aufs Tempo gegangen, wie in der Ersten. Da müssen wir uns auch hinterfragen, wieso wir das im zweiten Abschnitt nicht mehr getan haben. Im Großen und Ganzen ist es einfach bitter und es schmerzt. Aber es geht nun weiter. Wir haben in den letzten Minuten nicht mehr so die Lösungen gefunden. Es soll keine Kritik sein, aber es hat das letzte Glück und die letzten Prozente gefehlt. Wenn man 51 Minuten führt und dann verliert, kann man sich nichts davon kaufen. Wir versuchen immer das Positive rauszufiltern, aber müssen auch das Negative ansprechen. Wir sind schon jetzt heiß auf die nächste Partie."























