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Sommer-Neuzugang ist auf Anhieb Stammkraft

Frankfurt-Juwel N'Dicka: Von Risikofaktor keine Spur

Neuzugang Evan N'Dicka schlug bei Eintracht Frankfurt voll ein
Neuzugang Evan N'Dicka schlug bei Eintracht Frankfurt voll ein
Foto: © getty, Alex Grimm
25. Oktober 2018, 10:55
sport.de
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Jung, unerfahren und obendrein für eigene Verhältnisse sündhaft teuer: Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt ging bei der Verpflichtung von Evan N'Dicka im Sommer ein hohes Risiko ein. Der Mut von Sportdirektor Fredi Bobic, den 19 Jahre alten Abwehrspieler in die hessische Metropole zu lotsen, hat sich aber längst ausgezahlt.

Etwas mehr als fünf Millionen Euro musste Eintracht Frankfurt vor der Saison an AJ Auxerre überweisen, um Evan N'Dicka zu verpflichten.

Ein Millionenbetrag für einen Verteidiger, der bis dahin lediglich etwas mehr als ein Dutzend Profi-Spiele bestritten hatte - in der zweiten französischen Liga. Ein Millionenbetrag für ein Talent, das der runderneuerten Eintracht eher perspektivisch helfen sollte.

Doch es kam alles anders. Frankfurts neuer Trainer Adi Hütter schenkte dem Neuzugang schon am ersten Bundesliga-Spieltag das Vertrauen und stellte ihn in die Anfangsformation.

Er gab N'Dicka sogar den Vorzug gegenüber Routinier Marco Russ, auch weil er als Linksfuß besser ins System passte.

Der U20-Nationalspieler Frankreichs mit den kamerunischen Wurzeln zahlte das Vertrauen beim Auswärtssieg gegen den SC Freiburg prompt zurück.

Vor allem in der Schlussphase verzweifelten die Breisgauer am 1,92 Meter großen Abwehrmann, der in der Viererkette den Laden dicht machte. Ein Unsicherheitsfaktor sieht anders aus.

Frankfurt gewann das Spiel mit 2:0, Hütter zeigte sich begeistert von N'Dicka: "Ich habe seine Leistung als hervorragend gesehen."

"Ich denke, es war ein sehr gelungenes Debüt für mich", urteilte auch der Franzose selbst und schob bescheiden hinterher: "Meine Mannschaftskollegen haben mich sehr gut unterstützt."

Evan N'Dicka bei Eintracht Frankfurt auf Anhieb ein Aktivposten

Selbst als Hütter nach Niederlagen gegen Werder Bremen (1:2), Borussia Dortmund (1:3) oder Mönchengladbach (1:3) sein System auf eine Dreierkette umstellte, war N'Dicka stets in der Startaufstellung des DFB-Pokalsiegers zu finden.

Frankfurts erfahrene Ü30-Abteilung um Russ, David Abraham und Makoto Hasebe komplettiert neben N'Dicka abwechselnd die Abwehrzentrale.

Die Entscheidung Hütters, voll und ganz auf N'Dicka zu setzen, lässt sich nach dem Saisonstart anhand der Statistiken nachvollziehen.

Evan N'Dicka (l.) hat bei Eintracht Frankfurt voll eingeschlagen
Evan N'Dicka (l.) hat bei Eintracht Frankfurt voll eingeschlagen

Mannschaftsintern verzeichnet das Juwel die zweitmeisten Ballkontakte pro Spiel (49) und spielt zudem die meisten Pässe - auch wenn die Präzision angesichts einer Erfolgsquote von knapp 82 Prozent durchaus noch ausbaufähig ist.

N'Dicka präsentierte sich in seinen ersten acht Spielen im deutschen Oberhaus insgesamt auffällig unbekümmert. Seine Rolle im Team scheint er trotz seines jungen Alters bereits gefunden zu haben. Immer wieder forderte er von seinen Kollegen Bälle, um sich in das Aufbauspiel einzuschalten.

Evan N'Dicka: Abwehrspieler mit viel Offensivdrang

Für N'Dickas offensive Qualitäten gibt es aus seinen ersten Wochen in Deutschland bereits zahlreiche Belege.

Bei der 7:1-Gala gegen Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag bescherten zwar in erster Linie die beiden Stürmer Luka Jovic und Sébastien Haller mit ihren Treffern der Eintracht ein historisches Spektakel. Doch ehe der Torreigen begann, sorgte auch N'Dicka für Aufsehen.

In der 18. Minute gewann er einen wichtigen Zweikampf am eigenen Sechzehner. Der zurückgeeilte Mijat Gacinovic konnte umgehend in den Vorwärtsgang schalten.

N'Dicka lief mit, erhielt den Ball kurz vor der Mittellinie zurück. Nach einigen Metern auf der linken Seite behielt er die Übersicht und bediente Jovic mit einem mustergültigen Pass in die Schnittstelle. Der spätere Fünferverpacker vergab die folgende hundertprozentige Torchance freistehend.

Beim 4:1-Sieg gegen Hannover 96 am sechsten Spieltag erzielte N'Dicka sein erstes Bundesligator, als er nach einem Eckstoß auf die zweite Angriffswelle wartete und volley abschloss.

Hat Evan N'Dicka sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft?

Ob der Youngster seine starke Form jedoch über die gesamte Dauer der Saison bestätigen wird, bleibt abzuwarten.

Luft nach oben hat der Innenverteidiger vor allem in Sachen Zweikampfstärke. N'Dicka konnte bislang weniger als die Hälfte seiner direkten Duelle für sich entscheiden. Seine routinierten Kollegen in der Verteidigung schneiden in dieser Statistik allesamt besser ab.

Außerdem zeigt sich der Jungspund bisweilen ein wenig unbeholfen im Zweikampf. Noch zu häufig muss er deswegen zum Foulspiel als letztes Mittel greifen.

Möglich, dass der Millionen-Transfer die Unsicherheiten im Laufe der Saison abstellen kann. Weitere Einsätze in der Bundesliga sowie internationale Erfahrung werden N'Dicka dabei helfen.

Auch beim Heimspiel in der Europa League gegen Apollon Limassol am Donnerstag (ab 21:00 Uhr im Liveticker) dürfte Hütter seinen Rohdiamanten wieder in die Startformation beordern.

Ein Risiko, wie vor der Saison von manch einem Frankfurter befürchtet, geht der Coach damit nicht ein.

Gerrit Kleiböhmer

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