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Videobeweis-Drama: "Fast wie beim Fußball"

Der Videobeweis im Handball wird seit 2015 eingesetzt
Der Videobeweis im Handball wird seit 2015 eingesetzt
Foto: © getty, Simon Hofmann
16. Januar 2018, 10:10

Im Fußball ist er längst ein Politikum - und nach dem dramatischen Finish beim deutschen Remis gegen Slowenien hat auch der Handball seine Diskussion um den Videobeweis, der in Kroatien seine EM-Premiere feiert.

Die einen hofften, die anderen bangten - doch die litauischen Schiedsrichter ließen sich von den hochkochenden Emotionen im Hexenkessel von Zagreb nicht aus der Ruhe bringen. "Die Situation war schrecklich für beide Seiten", sagte Uwe Gensheimer, Kapitän der deutschen Handballer, über die quälenden Minuten der Ungewissheit: "Es hat schon sehr lange gedauert. Es war ja fast schon wie in der Fußball-Bundesliga."

Fast sieben Minuten starrten die Referees auf ihren kleinen Bildschirm am Zeitnehmertisch. Sie spulten die Fernsehbilder immer wieder hin und her, um herauszufinden, ob die Spielzeit beim Anwurf für Deutschland durch Paul Drux bereits abgelaufen war oder nicht. Drei slowenische Spieler hatten nicht genügend Abstand gehalten und den Wurf vom Mittelkreis von Paul Drux verhindert. Die Entscheidung: Siebenmeter nach Videobeweis. Tobias Reichmann blieb cool und traf in letzter Sekunde zum 25:25.

"Wir können glücklich sein, dass es zu unseren Gunsten war und Tobi die Eier hatte, den rein zu machen", sagte Gensheimer und outete sich dabei nicht unbedingt als Fan der neuen Technik. Die Situation sei "für alle Beteiligten katastrophal" gewesen. Die Entscheidung der Unparteiischen basiert auf einer im Sommer 2016 eingeführten Regel, wonach ein grobes Vergehen und eine regelwidrige Wurfausführung binnen der letzten 30 Sekunden zwingend mit einem Siebenmeter und einer Roten Karte zu ahnden ist.

Schiedsrichter-Gespann entscheidet allein

Den Videobeweis im Handball gibt es hingegen auf internationaler Ebene seit der Weltmeisterschaft 2015 in Katar. In Kroatien feiert das technische Hilfsmittel derzeit seine Premiere bei einer Europameisterschaft. Dabei gehen die Befugnisse des Handball-Schiedsrichters laut offiziellen Turnier-Statuten weit über die Möglichkeiten im Fußball hinaus.

Die "Instant Replay"-Technologie, die bereits im EHF-Cup-Finale 2016 angewendet worden ist, eröffnet den Unparteiischen die Möglichkeit, sämtliche strittige Situationen, die sie auf dem Feld nicht vollständig überblicken konnten, auf eigenen Wunsch anhand von Videobildern sofort zu überprüfen. Dabei dürfen die TV-Bilder ebenso benutzt werden wie die einer zusätzlichen Kamera, die das ganze Spielfeld im Blick hat.

Prokop und Hanning für Videobeweis

"Dass man per Videobeweis einen Siebenmeter zugesprochen kriegt, habe ich selbst noch nicht erlebt", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Die Entscheidung bewertete er als "regelgerecht, aber glücklich". Hanning ist ein klarer Befürworter der technischen Hilfsmittel. "Gerade in solchen Situationen, wenn es eine klare Entscheidung gibt. Bei Roten Karten und Situation wie dieser sollte man die Technik auch einsetzen, wenn man sie hat."

Ähnlich äußerte sich Bundestrainer Christian Prokop zum Videobeweis: "Bei einer Situation, die regelwidrig und vielleicht auch unsportlich war, bin ich froh, dass das im Nachgang so entschieden wurde."

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