Rekordmeister THW Kiel steckt tief in der Krise. Trainer Alfreð Gíslason soll trotzdem in Ruhe weiterarbeiten dürfen.
Fast 20 Minuten lang versammelte Alfreð Gíslason seine Verlierer zur Krisensitzung. 20 Minuten, um den nächsten herben Rückschlag des Rekordmeisters THW Kiel irgendwie aufzuarbeiten. 20 Minuten, um seine unmissverständliche Ansage vorzubereiten. "Nein", sagte der THW-Trainer nach der Lehrstunde bei den Rhein-Neckar Löwen und der Frage nach einem möglichen Rücktritt: "Ich mache weiter!"
Diese Frage nach einer Demission des Isländers war im Anschluss an das 28:30 (11:13) allerdings unausweichlich. Die Zebras rutschen immer tiefer in die Krise, die Meisterschaft kann der THW mit nun acht Minuspunkten aus den ersten sieben Spielen quasi abhaken.
"Müssen sehen, dass wir Spiele gewinnen"
"Wir sind sicherlich in einer schwierigen Situation", sagte Gislason: "Aber wir müssen nach und nach an uns arbeiten." Helfen wird dem 58-Jährigen, der sich gerade von einer Bandscheiben-OP erholt hat, dabei (vorerst) der Rückhalt aus der Geschäftsführung. Im Moment, sagte deren Vorsitzender Thorsten Storm dem "SID", stehe der Trainer "nicht zur Diskussion. Wir müssen sehen, dass wir Spiele gewinnen."
Davon war der Abo-Meister am Sonntag in Mannheim weit entfernt. Allein Ex-Löwe Niklas Landin im THW-Tor verhinderte, dass der Titelverteidiger schon in der ersten Halbzeit weiter enteilen konnte. Das auf dem Papier knappe Ergebnis resultierte eher daraus, dass die Löwen das Spiel in den Schlussminuten verwalteten und etwas nachlässig wurden.
"Im Moment haben wir nicht die Qualität, um unsere Ziele zu erreichen", sagte Storm und verwies auf die Verletzung von Ausnahme-Spielmacher Domagoj Duvnjak, der vielleicht in drei Wochen wieder auf der Platte stehen könnte. Natürlich sei es derzeit "schwer, die Ruhe zu bewahren. Der THW ist ein großer Klub mit großen Zielen", fügte Storm an.
"Die Löwen spielen einfach besser als wir"
Wie Weltklasse geht, bekamen die Zebras von den Löwen vorgeführt. Kapitän Andy Schmid (9) und Nationalspieler Hendrik Pekeler (8) sorgten vor 11.572 Zuschauern vor allem in der zweiten Halbzeit fast im Alleingang für den nie gefährdeten Sieg der Badener.
"Wir haben die beiden nie in den Griff bekommen", klagte Gislason. Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen war stolz darauf: "Wenn Andy und Hendrik einen Lauf haben, sind sie nur sehr schwer zu stoppen." Dazu kam ein starker Andreas Palicka im Tor, der den THW zur Verzweiflung brachte.
"Die Löwen spielen momentan einfach besser als wir", sagte Gislason. Dennoch habe das Team "bis zum Schluss gekämpft", äußerte Storm und bekräftigte: "Man kann Alfred nicht für die vielen Fehlwürfe verantwortlich machen oder dafür, dass man sich auch zum vierten Mal durch ein Schmid-Anspiel düpieren lässt. Die Spieler stehen hinter Alfred, und wir gehen alle gemeinsam durch diese schwierige Zeit."






















