Steffen Weinhold joggte in Gedanken versunken durch Köln, Dominik Klein schlenderte lässig durch die Hotel-Lobby: Am Tag vor dem wohl wichtigsten Spiel der Saison waren die Spieler des THW Kiel noch im Entspannungs-Modus.
Doch im Kopf hatten die Akteure des deutschen Rekordmeisters nur ein Ziel: Mit einem Sieg an diesem Samstag (18.00 Uhr) gegen MVM Veszprem ins Finale der Champions League einziehen und möglichst am Sonntag zum vierten Mal die wichtigste Trophäe im Vereins-Handball gewinnen. "Jeder Handballer will den Pokal in den Händen halten", sagte DHB-Kapitän Weinhold. Im zweiten Halbfinale spielen Top-Favorit Paris St. Germain und KS Vive Kielce aus Polen.
Teilnahme an Final 4 grenzen an ein Wunder
Dass die Kieler überhaupt zum sechsten Mal beim Endrunden-Turnier Final 4 in Köln dabei sind, grenzt angesichts der durchwachsenen Saison und der fortlaufenden Verletztenmisere an ein Wunder. Denn der dreimalige Champions-League-Sieger hatte im Viertelfinale überraschend den Titelverteidiger FC Barcelona ausgeschaltet.
Trotz dieses Coups sehen Experten den THW Kiel in der Außenseiterrolle, aber nicht ohne Chance auf einen erneuten Sieg. "Sie haben eine realistische Chance, den Titel zu gewinnen", sagte Martin Schwalb, der 2013 die Königsklassen mit dem HSV Hamburg gewonnen hat.
Letzte Chance auf einen Titel 2016
Der Anreiz für die Kieler ist nahezu unvergleichlich: Erstmals seit 2003 würden die Kieler ohne nennenswerten Titel bleiben, wenn sie den Pokal in Form eines ballwerfenden Arms nicht holen. In der Bundesliga hat das Team von Trainer Alfred Gislason den Kampf um den 21. Meistertitel bereits verloren und im DHB-Pokal war das Aus bereits im Viertelfinale gekommen. "Das ist ihre letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Sie werden deswegen noch ein bisschen fokussierter in das Final 4 gegen", meinte Schwalb, der in Köln als Experte dabei ist.
Mit Veszprem haben die Kieler zudem noch eine Rechnung offen. Im Vorjahr hatten sie das Halbfinale gegen die Ungarn mit 27:31 verloren. Von den bisher 13 Duellen hat der deutsche Rekordmeister sieben gewonnen, sechs Mal kassierte er eine Niederlage. Schwalb ist sich sicher: "Sie werden alles in die Waagschale werfen."
++ sport.de berichtet am Samstag ab 17:30 Uhr live vom Final 4 in Köln ++
Noch immer haben die Kieler mit Personalsorgen zu kämpfen. Kreisläufer Rene Toft Hansen (Kreuzbandriss) und der nachverpflichtete Blazenko Lackovic (Handbruch und nicht spielberechtigt) stehen nicht zu Verfügung. Dagegen kann Trainer Gislason auf das Comeback von Weinhold hoffen, der mehrere Wochen wegen eines Handbruchs nicht mitwirken konnte. Auch Nationalmannschafts-Kollege Christian Dissinger könnte nach einer überstandenen Oberschenkelblessur wieder auflaufen.
Spielmacher Domagoj Duvnjak ist daher mit seinen Prognosen auch zurückhaltend. "Wir sind krasser Außenseiter", meinte der Kroate. Er und seine Mitstreiter setzen auf den Heimvorteil und die unterstützende Kraft der Anhänger. "Wir brauchen unsere Fans. Dann ist eine Überraschung möglich", sagte der ehemalige Welthandballer und fügte an: "Jetzt müssen wir alle gemeinsam das Final4 zu einem Heimspiel machen."





















