Noch während der Vorrunde bei der Handball-Europameisterschaft sah es so aus, als könnte die deutsche Nationalmannschaft vorzeitig scheitern und das schlechteste EM-Turnier ihrer Historie spielen. Dies hätte wohl unweigerlich auch das Ende von Bundestrainer Alfred Gislason beim Deutschen Handball-Bund bedeutet. Doch es kam alles anders, plötzlich scheint sogar eine erneute Vertragsverlängerung mit dem Isländer möglich.
Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden eindrucksvoll die Kurve bekommen. Nach der Vorrundenpleite gegen Serbien (27:30) zeigte die DHB-Auswahl vor allem gegen die hochklassigen Kontrahenten wie Spanien (34:32), Norwegen (30:28) oder Frankreich (38:34) eine eindrucksvolle Leistungssteigerung und gewann schlussendlich hochverdient EM-Silber.
Alfred Gislason war dabei einmal mehr der Architekt des Erfolgs, wie auch schon eineinhalb Jahre zuvor beim Gewinn der olympischen Silbermedaille in Lille vor zwei Jahren.
Trotz der verdienten Final-Niederlage gegen Dänemark (29:36) war der Tenor eindeutig: Die DHB-Auswahl ist wieder Teil der absoluten Weltspitze.
Dass das kein Zufall ist, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit, schreiben Spieler, Verantwortliche und Experten vor allem dem 66-Jährigen zu.
Seit seinem Amtsantritt 2020 führte Gislason die Nationalmannschaft konsequent aus der europäischen Mittelklasse zurück nach oben. Er traf mutige Entscheidungen, leitete einen tiefgreifenden Kader-Umbruch ein und scheute sich nicht, Verantwortung zu übernehmen, vor allem dann, wenn der kurzfristige Erfolg ausblieb.
Umso spannender scheint derzeit die Frage nach seiner weiteren Zukunft. Trotz der Erfolge läuft Gislasons Vertrag mit dem Ende der Heim-Weltmeisterschaft 2027 aus.
Klare Aussagen von DHB-Spielern
Auf "Bild"-Nachfrage zeigte sich DHB-Präsident Andreas Michelmann betont zurückhaltend: "Es ist zunächst mal so, dass der Trainer ja einen Vertrag bis zur WM 2027 hat. Und ich glaube, darüber brauchen wir jetzt nicht zu reden, weil dafür war die Leistung am Ende auch zu souverän und gut. Und inwieweit wir uns jetzt bei der nächsten Präsidiumssitzung (am 27. Februar, d. Red.) mit einer Verlängerung beschäftigen, das kann ich jetzt nicht sagen."
Während die Verbandsspitze noch abwägt, ist die Haltung der Mannschaft eindeutig. Die Spieler stehen geschlossen hinter ihrem Trainer. Kreisläufer Jannik Kohlbacher betonte gegenüber "Bild": "Er hat ja damals diesen großen Umbruch eingeleitet, hat da die Verantwortung übernommen zu sagen, wir drehen jetzt einmal den ganzen Kader um. Das hat sich absolut bezahlt gemacht."
Ähnlich klar äußerte sich Julian Köster gegenüber der Zeitung: "Alfred hat einen super Job gemacht, sonst würden wir hier nicht stehen. Alfred ist der Cheftrainer, er gibt den Takt an."





