Es gibt kaum ein Videospiel, das eine so lange Tradition hat wie Madden NFL vom kanadischen Hersteller EA Sports. Bereits seit Ende der 80er Jahre gibt es die American-Football-Simulation. Wie sie es auf den Videospiel-Olymp geschafft hat und welche Hürden dabei zu überwinden waren, zeigt nun eine Doku-Serie bei Amazon Prime.
Gemäß dem alt bekannten Motto "If it's in the Game, it's in the Game" nennt Amazon seine Madden-Doku: "It's in the Game: Madden NFL" (ab sofort auf Abruf bei Prime Video!*). Das allein dürfte schon Erinnerungen der zahllosen Spieler wecken, die schon seit vielen Jahren dieses Videospiel auf den diversen Plattformen spielen und damit gewissermaßen groß geworden sind.
Vier Teile hat Prime dieser Serie gegönnt und man beleuchtet die Anfänge, den Aufstieg, den zwischenzeitlichen Fall und den erneuten Sprung nach oben des derzeit einzigen lizensierten Videospiels der NFL.
Im Zentrum steht naturgemäß der Mann, dessen Name weiterhin Programm ist: John Madden. Der legendäre Coach der Oakland Raiders der 70er Jahre, der später die Liga als TV-Experte revolutionierte, wurde schon Mitte der 80er Jahre mit ins Boot geholt bei Electronic Arts, um das Spiel überhaupt angemessen zu entwickeln mit den damals noch begrenzten Möglichkeiten eines Videospiels.
Seine klare Ansage an die Macher damals: "Macht bloß nichts, was meinen Namen und mein Image kaputt macht!" Zudem war für ihn besonders wichtig, dass das Spiel realistisch ist.
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Madden NFL: Machtspiele mit SEGA
Um jedoch überhaupt erst auf die Bildfläche zu kommen, brauchte es eine Plattform - das damalige SEGA Genesis sollte es sein, doch SEGA stellte sich quer und wollte Lizenzgebühren. Ein Unding für EA, was dazu führte, dass spitzfindige Entwickler dort eine Genesis zerlegten und sie monatelang studierten, um herauszufinden, wie diese Konsole tickt. Als der Code geknackt war, begann man mit der Umsetzung des Spiels.
Die erste Version kam 1988 für den PC, den C64 und den damaligen Macintosh von Apple raus. Als es 1990 dann endlich soweit war, "John Madden Football" auch auf die Konsole zu bringen, präsentierte man SEGA, was man da im stillen Kämmerlein zusammengeschustert hatte. SEGA war erstaunt, aber auch verärgert, schließlich war die Lizenzfrage immer noch Thema und man drohte mit einem Rechtsstreit. Als Alternative offerierte man EA, das Spiel für fünf Millionen Dollar zu übernehmen und einfach alle Referenzen zu Madden zu entfernen. Hintergrund war, dass man selbst an einem Videospiel mit Quarterback Joe Montana arbeitete, das jedoch alles andere als marktbereit war.
EA lehnte ab. Rund sechs Wochen vor Marktstart jedoch wurde eine Einigung erzielt, die besagte, dass EA nicht nur Madden rausbringt, sondern auch das Montana-Spiel als abgespeckte Version des eigenen Spiels. Ein Fakt, den SEGA nicht wirklich bedacht hatte, denn während Madden etwa 150 Plays im Playbook hatte, waren es noch 13 bei Montana. Madden wurde zum Verkaufsschlager, der Konkurrent ein Rohrkrepierer.
Und dies war nur der kuriose Anfang der Serie und der Geschichte von "Madden NFL", die von vielen Zeitzeugen wie aktuellen und ehemaligen Produzenten und Programmierern des Spiels nacherzählt werden. Man schaut hinter die Kulissen der Implementierung des neuen Kickoff-Formats für die Saison 2024 genauso wie auf die Entscheidung, von 1992 an Madden jährlich neu auf den Markt zu bringen. Ebenso wird die mutige Entscheidung von Producer Gordon Bellamy beleuchtet, ohne Einigung mit der Spielergewerkschaft NFLPA Mitte der 90er Jahre plötzlich Spielernamen ins Spiel zu integrieren, was einer Revolution in der Branche glich.
Madden NFL: Kein Marktstart 1996
Ebenfalls nicht fehlen darf das fatale Jahr 1995, in dem es aufgrund von Fehlplanungen gar keine Madden-Version (Madden 96) gab. Und um die Jahrtausendwende kam es zur richtungsweisenden Entscheidung, John Madden nicht mehr auf dem Cover abzubilden und stattdessen auf aktuelle NFL-Spieler zu setzen. Eine Entscheidung, die der damals große Rivale "NFL 2k" befeuerte, der von vielen Fans zur damaligen Zeit als das coolere Spiel angesehen wurde.
Es geht um das legendäre Madden 2004 mit Michael Vick auf dem Cover, der noch heute als wohl größter Gamebreaker angesehen wird, den dieses Spiel gesehen hat. Der Counter-Move war dann die Nachfolgeversion mit Ray Lewis und ein neuer Fokus auf die Defense und den "Hit Stick". Diese Dokumentation blickt zurück auf eine einzigartige Geschichte eines Videospiel-Franchise, das bis heute über 130 Millionen Kopien verkauft hat.
Und sie ist nicht nur ein Abfeiern dieser Erfolgsgeschichte. Vielmehr zeigt die Doku-Serie auch auf, was im Laufe der Jahre schief lief. Abgesehen vom firmenweiten Versagen 1995 wird unter anderem auch der zwischenzeitliche Fall in Folge des Exklusivvertrags mit der NFL ab 2006 betrachtet, was eine Folge darauf war, dass "2k Sports" sein Spiel für den Preis von 20 Dollar quasi verramschte, was der NFL so gar nicht geschmeckt hat - die NFL ist kein Discount-Produkt!
Doch die Folge für EA war, dass man in einer Zeit mit wenig Innovationen im Grunde nur ein kleines Update im folgenden Jahr auf den Markt brachte und damit die Gamer enttäuschte, zumal es das Premierenjahr auf der neuen mächtigen Konsole "Xbox 360" von Microsoft war. Der Vorwurf: Man ruhte sich auf der neuen Exklusivität aus. Einer der Interviewten brachte es auf den Punkt: "Wir haben aus den Augen verloren, was Madden war."

John Maddens Vision: Videospiel als Lehrmittel
Für John Madden, das macht diese Dokumentation deutlich, war "Madden NFL" mehr als nur sein Erbe. Er sah es immer auch als Werkzeug an, um gerade Kindern und Jugendlichen das Spiel näherzubringen und beizubringen. Und dafür investierte er im Grunde die letzten rund 35 Jahre seines Lebens, angefangen damit, dass er von Beginn direkt an der Entwicklung des Spiels involviert war, was damit begann, dass er sein altes Raiders-Playbook zur Verfügung stellte, um es als Grundlage für die Spielzüge im Spiel zu nutzen.
"It's in the Game: Madden NFL" hält wenig zurück, zeigt die guten und schlechten Zeiten der Geschichte dieses bahnbrechenden Videospiels und ist sicherlich nicht nur für Fans, Spieler dieses Spiels und Nostalgiker sehenswert.
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