Beim Mehrkampf-Olympiasieg von Shinnosuke Oka turnt Nils Dunkel in der Nebenrolle. Der Deutsche gibt im Krimi von Bercy aber eine gute Figur ab.
Drama um Superstar Daiki Hashimoto, Gold im Mehrkampf-Krimi für Kronprinz Shinnosuke Oka - und auch Nils Dunkel strahlte in Paris: Bei der Turnshow des neuen Olympiasiegers aus Japan legte der Erfurter einen starken Wettkampf auf das Podium und genoss seine erste Teilnahme an einem olympischen Mehrkampffinale in vollen Zügen.
Mit der Medaillenvergabe hatte Dunkel erwartungsgemäß nichts zu tun, der 27 Jahre alte Sportsoldat landete am Ende ohne Sturz und grobe Fehler auf dem ordentlichen 18. Platz. Nach dem letzten Gerät schrie Dunkel, der als einziger Athlet des Deutschen Turner-Bundes (DTB) das Finale der besten 24 erreicht hatte, seine Freude in die Halle, zeigte beide Bizeps-Muskeln und klatschte ins Publikum.
Oka erturnte sich die Goldmedaille in der ausverkauften Bercy-Arena mit 86,832 Punkten, er entthronte damit Hashimoto. Der Turn-Kaiser von Japan, der noch vor drei Jahren in Tokio den Olympiasieg geholt hatte, landete am Mittwochabend aufgrund eines fehlerhaften Auftakts nur auf Rang sechs. Silber gewann der Chinese Zhang Boheng (86,599), Bronze ging an dessen Landsmann Xiao Ruoteng (86,364).
"Ich kann in diesen Wettkampf total befreit reingehen und es auch ein bisschen genießen, dort auf diesem Podium zu stehen", hatte Dunkel vor dem Finale gesagt - und tatsächlich: Abseits des spannenden Goldkampfes turnte der EM-Dritte von 2022 am Pauschenpferd hartnäckig um jeden Punkt.
Dunkel zeigte nicht nur an seinem Paradegerät eine ansprechende Leistung. Ein solider Auftakt beim Sprung brachte ihm 13,700 Punkte ein, damit ließ er nach der ersten Rotation sogar den zweimaligen Weltmeister Boheng und Hashimoto hinter sich.
Dunkel genießt das Finale
Während Boheng, der die Qualifikation als bester Teilnehmer geturnt hatte, sich nun von Gerät zu Gerät steigerte, erlebte Hashimoto einen Abend zum Vergessen. Ein verpatzter Abgang am Pauschenpferd, der zweiten Übung, warf ihn schon früh zurück.
Dunkel hingegen genoss weiter jede Minute. Seine Reck-Darbietung feierte er mit geballter rechter Faust, die Darbietung am Pauschenpferd war noch besser. An seinem Paradegerät bekam er seine mit Abstand beste Bewertung (14,466).
Nach Dunkel sind die Augen aus deutscher Sicht nun auf Weltmeister Lukas Dauser gerichtet, der am Montag am Barren um eine Medaille turnt.
Bei den Frauen steigt das Mehrkampf-Finale am Donnerstag, in dem mit Helen Kevric aus Stuttgart und der Kölnerin Sarah Voss gleich zwei deutsche Athletinnen an den Start gehen. Zudem turnt die erst 16 Jahre alte Kevric am Sonntag noch im Stufenbarren-Finale, aus dem die deutsche Mehrkampfmeisterin in der Qualifikation Superstar Simone Biles verdrängt hatte.
