Nach langem Hin und Her haben die Chicago Bears am vergangenen Wochenende dann doch einen Abnehmer für ihren umstrittenen Quarterback Justin Fields gefunden. Bei den Pittsburgh Steelers bildet er nun ein hochinteressantes Tandem mit Russell Wilson, was den QB-Room des Teams zur ultimativen Wundertüte macht.
Die Bears sollen vor ein paar Monaten noch auf einen Erstrundenpick für Justin Fields spekuliert haben. Am Ende wurde es ein Conditional 6th-Round Pick für den einstigen Erstrundenpick des Drafts 2021. Läuft nun alles nach Plan und wird Russell Wilson als Starter durchs Jahr gehen, wie man das derzeit kommuniziert, bleibt dem auch so. Sollte Fields letztlich aber doch starten und 51 Prozent der Offensiv-Snaps absolvieren, dann wird daraus sogar ein Viertrundenpick.
Die große Frage für die Steelers, die vor wenigen Wochen noch von einem offenen Wettkampf gesprochen hatten zwischen Kenny Pickett und einem Veteran, der dazu geholt werden sollte, ist nun: was ist möglich mit einem QB-Room aus Russell Wilson und Justin Fields?
Auf den ersten Blick sind beide sehr ähnliche Spielertypen, wobei Wilson mit seiner Erfahrung mehr Übersicht mitbringt und Fields schlicht dynamischer ist. Beide jedoch spielen gerne außerhalb der Pocket, also auch außerhalb der Struktur und können damit für Chaos beim Gegner sorgen. Allerdings auch für Probleme beim eigenen Team. Während Fields' Pressure-to-Sack-Rate 2023 erstmals unter 23,8 lag (19,3), waren Wilsons 20,6 Prozent immerhin eine klare Steigerung zum Vorjahr (27 Prozent). Dennoch halten beide den Ball zuweilen zu lange und bringen sich damit schon mal selbst in die Bredouille.
Steelers: Mehr Big-Play-Potenzial durch Fields
Wilson scheint der solidere, konstantere Passer zu sein, Fields bringt dafür mehr Big-Play-Potenzial.
Schaut man sich die Zahlen an, war Wilson trotz seiner Degradierung am Saisonende durchaus solide unterwegs und überdurchschnittlich in Sachen Effizienz. Er belegte Rang 13 nach EPA+CPOE Composite (0,095), was eine Kombination aus Effizienz und Passgenauigkeit ist. Fields lag hier auf Rang 21 (0,054) und belegt sogar Rang 28 von 30 seit seiner Rookie-Saison 2021 (mindestens 800 Plays).
Doch Wilson brachte seine eigene Art von Problemen mit im Vorjahr. Er warf den Großteil seiner Pässe entweder hinter die Line of Scrimmage oder nicht tiefer als die 5-Yard-Linie (62 Prozent seiner Pässe), was laut Data Analyst Warren Sharp der Höchstwert unter 509 Quarterbacks seit 2005 ist. Niemand warf zudem weniger Pässe in den Bereich von 5 bis 15 Yards Downfield seit 2005 als Wilson (26 Prozent). Dass er dennoch auf eine durchschnittliche Passtiefe von 7,8 Yards kam, lag lediglich daran, dass er eben auch immer noch 60 Deep Shots (mehr als 20 Yards Downfield) abfeuerte. Dennoch sind die 7,8 aDoT sein schlechtester Wert der Karriere. Er lag sonst nie unter 9,0 (2014)!
Letztlich bleibt damit offen, ob Wilson, der nach Einschätzung von "PFF" seine beste Passing-Saison seit mindestens 2020 hingelegt hat trotz des fehlenden Vertrauens von Sean Payton, wirklich nochmal annähernd an seine beste Zeit, also die vor seiner Handverletzung, die er sich 2021 zugezogen hat, wird anknüpfen können.
Steelers: Fields präferierte Pittsburgh
Und bei Fields, der sich für die Steelers und gegen andere Teams ausgesprochen haben soll - wohl weil er hier mehr Chancen aufs Einsatzzeit sah als anderswo -, muss man fragen, ob ein neues Team seine bislang überschaubaren Passleistungen stabilisieren kann. Wilson hat mutmaßlich ein überschaubares Ceiling für den Rest seiner Karriere. Fields wiederum kommt mit einem deutlich niedrigeren Floor und liefert mehr Boom-or-Bust-Potenzial. Offensive Coordinator Arthur Smith wiederum zeigte zumindest in seiner Titans-Zeit, dass er durchaus mit mobilen Quarterbacks in Verbindung mit einem guten Run Game etwas anfangen kann. Zuletzt in Atlanta gelang das jedoch nicht mehr konstant, was aber auch am Quarterback gelegen haben könnte.
Die Steelers jedenfalls haben sich mit dieser Kombo aus Wilson und Fields auf einen bestimmten Typ Quarterback festgelegt, den sie so in der Form bisher noch nicht hatten. Keiner von beiden darf zum aktuellen Zeitpunkt ihrer jeweiligen Karriere jedoch als sichere Nummer betrachtet werden - es kann gutgehen, muss es aber nicht. Und das darf gerne losgelöst davon betrachtet werden, ob Wilson oder vielleicht doch Fields am Ende mehr Snaps sehen wird.
Insofern greifen die Steelers in der anstehenden Saison tief in die Wundertüte und hoffen aufs Beste. Kein solider Plan, aber einer mit großen Möglichkeiten.
Marcus Blumberg




































