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Erkenntnisse des Championship Sunday

Lamar enttäuscht erneut in den Playoffs

Video: Aiyuk bringt Niners spektakulär zurück
30. Januar 2024, 15:56
sport.de
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Nun steht fest, dass die Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers in Super Bowl LVIII in der NFL aufeinander treffen. Bei den Verlierern der Championship Games kamen unangenehme Wahrheiten zum Vorschein. Die Erkenntnisse des Championship Sunday.

NFL: Dan Campbell zu hinterfragen ist unsinnig!

Worüber im Anschluss an die Niederlage der Lions in San Francisco am meisten gesprochen wird, dürfte klar sein - selbst während des Spiels ging der Diskurs etwa in den sozialen Medien schon heftig in diese Richtung: Hat sich Dan Campbell mit seinen 4th-Down-Gos in der zweiten Hälfte kräftig verzockt? Die kurze Antwort: Nein, hat er nicht!

Ich würde eher argumentieren, dass er vor der Pause zweimal falsch lag mit 4th-Down-Entscheidungen. Der Punt bei 4th&7 an der 46-Yard-Linie der Niners und der Field-Goal-Versuch bei 4th&Goal an der 3 Sekunden vor der Pause wären für mich Situationen gewesen, die man hätte ausspielen sollen. Aus Analytics-Sicht waren das beides Gos.

Dass die 4th Downs in der zweiten Hälfte daneben gingen ändert jedoch nichts daran, dass es richtige Entscheidungen von Campbell waren. Josh Reynolds ließ beim ersten Mal einen Pass völlig offen fallen - ebenso später einen nicht minder kritischen dritten Versuch, der ebenfalls einen Drive killte. Zudem übersah Jared Goff beim zweiten 4th Down später einen offenen Receiver auf einer Crossing Route, woraufhin dann tatsächlich keiner mehr offen war für ein neues 1st Down. 

Ergebnistechnisch kann man nun natürlich argumentieren, dass man mit zwei Field Goals das Spiel womöglich nicht verloren hätte. Doch im Nachhinein lässt sich das immer leicht sagen. Im Eifer des Gefechts trifft man Entscheidungen, die einem in der jeweiligen Situation die besten Chancen auf Erfolg ermöglichen. Und insofern lag Campbell richtig. Stichwort: "Trust the Process", denn nur eine klare Linie wird dir langfristig Erfolg bringen, der nicht auf Glück und Zufall basiert.

"Ich bereue diese Entscheidungen nicht. Ich verstehe, dass ich nun hinterfragt werde. Das ist Teil dieses Jobs", sagte Campbell nach dem Spiel. Und wenn man ehrlich ist, hätten die Lions wohl auch nicht den Erfolg, den sie speziell in den vergangenen zwei Jahren hatten, wenn Campbell nicht so deutlich auf analytisch korrekte kritische Entscheidungen gegangen wäre. 

NFL: Licht und Schatten bei Ravens-Coordinators

Wenn man etwas hinterfragen will nach diesem Championship Sunday, dann eher das, was die Ravens gemacht haben gegen die Chiefs in der AFC. Und da gibt es zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite steht die Defense, die erstmals in dieser Saison in den ersten zwei Drives des Gegners zwei Touchdowns abgegeben hat. 

Doch danach ließ sie noch ganze drei Punkte zu. Ohne das Spiel jetzt haarklein zu analysieren, sei einfach herausgestellt, dass Defensive Coordinator Mike Macdonald seinen Fehlern vom Beginn, Mahomes einfach gar nicht zu blitzen, besser spät als nie korrigierte und dann deutlich mehr Pressure generierte. Das brachte die Chiefs-Offense ins Stocken und gab dem Team die Chance, doch noch zurückzukommen. 

Macdonald, der in dieser Woche zu Vorstellungsgesprächen bei den Washington Commanders und womöglich auch Seattle Seahawks gastieren wird, zeigte einmal mehr, warum seine Defense etwas Besonderes ist und auf höchstem Niveau mithalten kann.

Auf der anderen Seite haben wir jedoch mit Todd Monken einen Offensive Coordinator, der aus irgendeinem Grund von seiner Grundphilosophie abgekehrt ist. Hier haben wir einen entscheidenden Unterschied zu Campbell - der zog sein Ding bis zum Ende durch und kann nun sicher auch morgen noch in den Spiegel schauen. Monken dagegen warf die Kernkompetenz der Ravens unnötig aus dem Fenster.

Dieses Team ist ein in erster Linie ein Run-Team. Was haben sie gegen die Chiefs, die gegen den Run sehr anfällig sind, kaum getan? Richtig, sie haben das Run Game fast komplett vernachlässig. Gus Edwards' erster Run ging direkt mal über 15 Yards. Insgesamt durfte er aber nur dreimal laufen (20 YDS). Insgesamt hatte Baltimore nur 16 Carries, acht davon gingen auf Lamar Jackson, die meist nicht unbedingt geplant aussahen. Was war hier der Plan?

Speziell da das Passspiel früh überhaupt nicht funktionierte, hätte man es zumindest mal auf dem Boden versuchen können gegen die wie üblich leichten Boxes der Chiefs. Der zweite Punkt, der hängen blieb: Wo war eigentlich Odell Beckham Jr., dem die Ravens für eine Saison 15 Millionen Dollar bezahlt haben?

Der eigentlich zweitbeste Receiver des Teams sah vor dem Schlussviertel ein einziges Target. Wollte man ihn für den Notfall aufheben? Der gesamte offensive Gameplan sah nicht gut aus und Monken, der mitunter gelobt wurde für das, was er diese Saison auf die Beine gestellt hat, war der Hauptgrund dafür, dass diese Unit nur schwer ins Spiel fand. Der Rest war dann schlechte Execution.

NFL: Lamar Jackson enttäuscht erneut

Es war sicherlich das größte Spiel seiner bisherigen Karriere. Und in selbigem setzte Lamar Jackson, der in kommenden Woche sehr wahrscheinlich zum zweiten Mal zum MVP der NFL ernannt wird, seine bescheidene Playoff-Karriere traurig fort. Vor der Pause komplettierte er ganze fünf Pässe, einen davon mit viel Glück sogar zu sich selbst. Bis auf wenige Ausnahmen gingen seine Shot Plays ins Nichts, er verlor einen Fumble in der ersten Hälfte und warf eine Interception in Triple Coverage in die Endzone in einer Situation, in der sogar ein Field Goal schon weitergeholfen hätte.

Lamar erinnerte zuweilen an seine frühen Playoff-Auftritte, in denen er schlicht komplett überfordert war. Er war ungenau, er kam mit Pressure durch Blitzes nicht klar - anders als noch gegen die Texans in der zweiten Halbzeit, als er sein Spiel beschleunigte und schneller den Ball los wurde - und er machte uncharakteristische Fehler. 
Das Play-Calling von Monken half ihm ebenso wenig wie die haarsträubenden Fehler von Zay Flowers, doch wäre dies ein Spiel gewesen, in dem der MVP der Liga seine beste Form an den Tag hätte legen müssen, um sein Team nach starker und dominanter Regular Season in den Super Bowl zu führen. Doch dazu kam es nicht. Lamar war nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Der MVP ist ihm nicht zu nehmen, seine überschaubare Playoff-Reputation wird er aber auch nicht ablegen können.

NFL: Erster Ausblick auf Super Bowl LVIII

Wir werden uns hier bei sport.de in den kommenden zwei Wochen noch ausführlich mit dem Super Bowl LVIII in Las Vegas (11. Februar ab 23:15 Uhr live bei RTL) befassen. Heute reicht daher ein schneller, erster Ausblick auf das, was uns erwarten wird.

In puncto Storylines fallen mir vor allem diese hier ein:

  • Chiefs sind einen Sieg von einer Dynasty entfernt
  • Kyle Shanahan ist einen Sieg von der Bestätigung seines Schemes entfernt
  • Brock Purdy kann all seine Kritiker verstummen lassen

Punkt 1 liegt auf der Hand. Die Chiefs stehen zum vierten Mal seit 2019 im Super Bowl. Ein dritter Titel in fünf Jahren wäre diese neuralgische Zahl, die aus einem sehr guten Team eine Dynasty macht in den Augen von Beobachtern, Fans, Experten und uns Medien im Allgemeinen. Insofern ist das genau das Ziel für die Chiefs. Sie haben nicht mehr viel zu beweisen, doch wenn sie zu den ganz Großen aufsteigen wollen, müssen sie in Vegas gewinnen.

Wenn Kyle Shanahan wiederum seinen Ruf als Coach, der zwar in der Regular Season den höchsten Floor bietet mit seinem Scheme, aber eben das ganz große Ding nicht gewinnen kann, ablegen will, dann wäre ein Sieg im Super Bowl allmählich nötig. Zur Erinnerung: In Super Bowl LI hatten die Falcons mit ihm als Play Caller eine ziemlich ordentliche Führung (28:3), ehe sie auch dank seiner Calls das Ding noch komplett gegen die Wand fuhren. In Super Bowl LIV führten seine Niners dann im Schlussviertel mit zehn Punkten Vorsprung, scheiterten dann jedoch gegen die Chiefs. Erneut waren auch seine Entscheidungen ein Faktor.

Dass man im Vorjahr das NFC Championship Game gegen die Eagles verlor, kann man ihm hingegen nur bedingt vorwerfen, schließlich erholt sich kaum jemand davon, dass sich der Starting Quarterback im Spiel den Ellbogen zerstört ... Shanahan steht nun zum dritten Mal im Super Bowl, allmählich muss nun mal ein Titel her.

Und dann wäre da noch Purdy, den man in diesem Jahr kurzfristig Mal in der MVP-Diskussion hatte, ehe er und sein Team von den Ravens (!) an Weihnachten überrollt wurden. Das 17-Punkte-Comeback gegen die Lions und der Game-Winning Drive eine Woche zuvor gegen die Packers waren dann aber zwei gute Ausrufezeichen von Purdy und sein Ansehen in der Liga. Ein Sieg im Super Bowl wäre das i-Tüpfelchen und seine endgültige Legitimation. Und das gilt indes auch für Shanahans Scheme, denn noch hat es kein Quarterback auf der größten Bühne gewinnbringend umgesetzt.

Rein sportlich erwarte ich nun, dass die 49ers die Probleme in der Laufverteidigung der Chiefs ausnutzten. Auf der anderen Seite erwarte ich jedoch dasselbe von den Chiefs, nachdem die Lions schon vor der Pause für über 100 Yards gelaufen waren. Am Ende könnte dann die Feuerpower den Ausschlag geben. Purdy hat die besseren Anspielstationen, die Chiefs haben jedoch den besseren Quarterback. 

Es wird spannend und hoffentlich hochklassig in der Stadt der Sünde.

Marcus Blumberg

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