Derzeit gibt es sieben offene Head-Coach-Stellen in der NFL, zwei weitere könnten eventuell in den kommenden Tagen noch dazu kommen. Die Suche nach neuen Coaches läuft bei allen auf Hochtouren. Doch welches Team ist am besten positioniert? Welches bietet die bestmögliche Situation für die jeweiligen Kandidaten?
sport.de macht den Check und rankt die besten Umstände für neue Head Coaches mit Blick auf die Saison 2024.
Vorweg sei gesagt, dass die Philadelphia Eagles ganz weit oben angesiedelt wären, sollten die am Ende bei Nick Sirianni die Reißleine ziehen. Zudem verfügen die Eagles mit Howie Roseman über einen hervorragenden General Manager.
Die New England Patriots, die sich bereits auf Jerod Mayo als Nachfolger von Bill Belichick festgelegt haben, wären dagegen eher im Mittelfeld gelegen, weil die Offense eine Großbaustelle ist und auch defensiv einige Leistungsträger ersetzt werden müssen. Dies alles ohne klare Strukturen im Front Office.
NFL: Die besten Landing Spots für Head Coaches 2024
7. Carolina Panthers
Die Panthers haben kräftig aufgeräumt und nach Frank Reich im Laufe der Saison auch General Manager Scott Fitterer entlassen. Will sagen: es ist noch unklar, wer diesen Posten bekommt, was ein zusätzliches Vakuum in dieser Organisation schafft. Erschwerend kommt hinzu, dass Owner David Tepper offenkundig eine sehr kurze Zündschnur hat und schon mal gar keine Geduld.
Nachdem er sicherlich zu lange an Matt Rhule festgehalten hat, war die Entlassung von Reich noch in seiner ersten Saison arg früh, zumal der Kader wirklich nicht viel hergibt. Und man muss Stand jetzt argumentieren, dass man mit Bryce Young nicht unbedingt die richtige Wahl getroffen hat, was den QB der Zukunft angeht.
In Kürze werden noch einige Leistungsträger Free Agents, darunter Edge Rusher Brian Burns, den man idealerweise schon vor zwei Jahren hätte traden müssen. Nun wird er wohl per Franchise Tag gehalten werden, was den Cap Space der Panthers auf ein Mininum drücken dürfte.
Der Kader ist schwach, es gibt keinen Erstrundenpick in diesem Jahr und Tepper hat mit Nachdruck gezeigt, dass er keine allzu angenehme Arbeitsatmosphäre aufgebaut hat. Wer sich diesen Job am Ende gibt, sollte sich darauf einstellen, dass er womöglich zeitnah wieder auf Jobsuche sein könnte.
6. Las Vegas Raiders
Jetzt wird es etwas kontroverser, denn der Standpunkt Las Vegas samt Stadion und Teameinrichtungen sind herausragend. Sorge bereiten da eher andere Punkte. Zum einen ist da Owner Mark Davis, der sicherlich nicht zu den Besten seines Fachs zählt und mitunter merkwürdige Dinge tut. Die ganze McDaniels-Nummer ging auf seine Kappe und keiner weiß, welche Schlüsse er nun daraus zieht.
Das Team benötigt einen neuen Head Coach und einen neuen GM, sodass Stand jetzt völlig unklar ist, wo die Reise hingeht. Die Mannschaft selbst besteht wie schon seit ein paar Jahren aus ein paar großen Stars, aber eben auch aus ziemlich viel Durchschnitt. Zudem bin ich nicht davon überzeugt, dass Aidan O'Connell der Quarterback der Zukunft ist.
Es gibt mittelprächtig viel Cap Space, zudem hat man seine eigenen und ein paar späte weitere Draftpicks aus früheren Trades zur Verfügung. Wer auch immer letztlich hier übernimmt, und das könnte durchaus Interimscoach Antonio Pierce sein, wird also nicht per se mit großen Upgrades rechnen dürfen. Erschwerend kommt hinzu, dass die AFC West auch in Zukunft hart umkämpft sein wird. Playoffs sind also keine unbedingt realistische Perspektive.
5. Tennessee Titans
Die Titans stehen vor einem großen Umbruch. Sie werden einige langjährige Leistungsträger verlieren, haben aber Stand jetzt mit knapp über 70 Millionen Dollar den drittgrößten Cap Space der NFL. Zudem verfügen sie über den siebten Pick im Draft. Sie haben ein großes Fragezeichen auf Quarterback und die Offensive Line muss wohl auch generalüberholt werden. Zudem hat die Defense in den vergangenen Jahren unter Mike Vrabel meist auch nicht sonderlich sattelfest gewirkt.
Der neue Coach kommt aber zumindest mit der Hoffnung, das mit dem vorhandenen Kapital schon früh größere positive Veränderungen möglich sind. Das Problem ist natürlich Besitzerin Amy Adams Strunk, die bekanntermaßen mit dem früheren GM Jon Robinson und dann Vrabel im Grunde zwei Bauernopfer auserwählt hat, um von der Tatsache abzulenken, dass sie selbst mit ihrer Entscheidung, A.J. Brown vor ein paar Jahren nicht zu bezahlen, den Abwärtstrend eingeleitet hat. Und anstatt das der Presse zu erklären, schickte sie erst Vrabel und nun GM Ran Carthon vor, die mit der jeweiligen Entscheidung herzlich wenig zu tun hatten.
Das wird vermutlich einen jungen Coach nicht von einem Engagement abhalten, aber ganz entspannt zu arbeiten wird wohl nur schwer möglich sein.
4. Seattle Seahawks
Die Seahawks sind nun schon seit Jahren ein mittelmäßiges Team, das an guten Tagen auch Top-Teams besiegen kann, doch es fehlt eben die Qualität, um das auch konstant zu machen. Geno Smith ist ein solider Quarterback, doch für den nächsten Schritt bräuchte es ein Upgrade. Die Mittel dazu dürften aber erneut nicht vorhanden sein.
Das Gerüst ist offensiv solide, defensiv bleibt die Front ein Problem, ebenso die Mitte der Secondary. Derzeit hat man negativen Cap Space und es stellt sich die Frage, ob ein anderer Head Coach ähnlich viel aus dieser Truppe herausholen kann wie der stets aufgekratzte Pete Carroll. Positiv ist, dass mit John Schneider der Kaderbauer der vergangenen Jahre bleibt.
Ebenso positiv, dass man auf den offensiven Skill-Positionen sowie defensiv mit Devon Witherspoon mehrere Eckpfeiler für die Zukunft hat. Fraglich ist allerdings die generelle Richtung der Organisation, schließlich ist unklar, ob Jody Allen, die Schwester des verstorbenen Besitzers Paul Allen, das Franchise nicht doch demnächst mal verkauft.
3. Los Angeles Chargers
Die Chargers verfügen über einen sehr talentierten Stamm und - das ist ihr größtes Plus: Sie haben bereits einen Star-Quarterback, sodass ein Head Coach - und GM, nachdem Tom Telesco auch entlassen wurde - sich darüber schon mal keine Gedanken mehr machen muss. Die Aufgabe wird eher sein, die PS von Justin Herbert und Co. auch auf die Straße zu bringen.
Zudem muss die Defense auf Vordermann gebracht werden, wo gleich mehrere Leistungsträger Free Agents werden, darunter Cornerback Michael Davis und Linebacker Kenneth Murray. Da auch Running Back Austin Ekelers Vertrag ausläuft, wird es relativ schwierig alle zu halten, zumal man derzeit mit -44 Miillionen Dollar den zweitwenigsten Cap Space innehat.
Man verfügt über alle seine Draftpicks und hat unter anderem den fünften Pick insgesamt, der ein Upgrade auf mehreren Positionen möglich macht. Das größte Fragezeichen ist jedoch Teambesitzer Dean Spanos, der zusammen mit Bruder John (Teampräsident) in den vergangenen Jahren beeindruckend schlechte Händchen für Trainerentscheidungen hatte. Gut möglich, dass er erneut daneben langt.
2. Atlanta Falcons
Die Falcons verfügen zweifelsohne über einen guten Gesamtkader, was fehlt ist natürlich der Quarterback. Doch sie haben durchaus Munition, um etwa vom achten Pick im Draft hochzutraden und diese Situation entscheidend zu verbessern.
Die Defense steht, ebenso das Gebilde rund um den Quarterback mit mehreren gefährlichen Receivern und Bijan Robinson im Backfield. Ein Blick auf die Free Agents verrät zudem, dass keine wirklichen Leistungsträger vor Abgängen stehen, eher Altlasten. In puncto Cap Space steht man mit rund 15 Millionen effektivem Cap Space nicht so gut da, doch da lässt sich mit ein paar Manövern sicher etwas machen.
Grundlegend ist die Organisation unter Owner Arthur Blank, der als großzügiger und ruhiger Typ gilt, der sich nicht ins Sportliche einmischt, sehr gut und stabil aufgestellt. Wenn man so will, sind die Falcons nur einen Quarterback und einen fähigen Head Coach von der Konkurrenzfähigkeit entfernt, zumal die NFC South mit ein wenig Kompetenz zu gewinnen ist.
1. Washington Commanders
Wer hätte gedacht, dass die Washington Commanders mal als bestmöglicher Arbeitsplatz gesehen werden könnten? Der neue Owner Josh Harris macht's möglich.
Er steht für Aufbruchsstimmung, will das Team der Hauptstadt komplett neu positionieren und wieder zu altem Glanz aus der Prä-Snyder-Ära zurück führen. Und das sportliche Gerüst steht dafür ohnehin schon.
Die Defense ist gut besetzt mit einer gesunden Mischung aus Erfahrung und jungen Leuten mit Potenzial. Die Offense wiederum hat gerade mit Terry McLaurin einen der besten jungen Receiver der Liga. Zudem wurde eine wichtige Personalie schon geklärt, denn mit Adam Peters kam ein neuer GM, der seit Jahren im Personnel-Bereich bei den 49ers gearbeitet und sich einen Namen in der Liga gemacht hat.
Auch hier fehlt der Quarterback, doch mit dem zweiten Pick im Draft ist den Commanders eines der zwei besten Talente garantiert - wahrscheinlich wird es dann Drake Maye, falls ihnen nicht doch noch Caleb Williams in den Schoß fällt, sollten die Bears etwas Verrücktes machen.
Damit aber nicht genug, denn die Commanders haben fünf Picks in den ersten drei Runden des Drafts und mit 63 Millionen Dollar an effektivem Cap Space den größten finanziellen Spielraum aller Teams für die anstehende Free Agency.
Die Commanders bieten also ein gutes Gerüst mit sehr vielen Möglichkeiten, das Team nach den Vorstellungen des neuen Coaches zu verbessern. Das alles mit der Rückendeckung eines neuen, hochmotivierten Owners. Was will man mehr?
Marcus Blumberg





