Seit nunmehr neun Ligaspielen ist Borussia Dortmund gegen den FC Bayern sieglos. Den einzigen Punkt sammelte man in der vergangenen Saison beim 2:2 im Signal Iduna Park. Wenn am Samstag um 18:30 Uhr das erste Duell der beiden deutschen Branchenriesen in der Saison 2023/24 angepfiffen wird, ist die Favoritenrolle also klar verteilt. Gerade die jüngsten Entwicklungen dürften den Schwarzgelben allerdings Hoffnung machen. Das spricht für einen Sieg des BVB:
Das spricht für den BVB: Die Stimmungslage im Klub
Auch wenn noch lange nicht alles Gold ist, was im schwarzgelben Trikot in dieser Saison glänzend anmutet, bugsiert sich der BVB bislang in auffallend ruhigen Fahrwasser durch die Saison. Der sportlich überschaubare Saisonstart mit dem glücklichen 1:0 gegen den 1. FC Köln sowie zwei Remis gegen die Underdogs VfL Bochum und SV Darmstadt 98 ist längst Geschichte, das 3:3 gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Spieltag wurde aufgrund des frühen 0:2-Rückstandes sogar nicht selten als Mentalitätsbeweis angesehen.
Zwar halten sich nach wie vor Gerüchte um unzufriedene Reservisten, mit seiner munteren Wechselorgie in der Pokal-Startelf gegen Hoffenheim hat Trainer Edin Terzic den Spekulationen allerdings erst einmal etwas den Wind aus den Segeln genommen. Dass am Ende der Rotation auch noch äußerst gefälliger Fußball und der Einzug ins Achtelfinale stand, sorgte ebenfalls gelöste Mienen an der Strobelallee.
Ganz anders beim FC Bayern: Der deutsche Rekordmeister torpediert sich seit Wochen auffallend selbst. Ein teils unglücklicher Transfersommer und die von Thomas Tuchel ungewöhnlich öffentlich geführte Kaderdebatte liegt quasi schon seit Beginn der Saison wie ein Schatten über der Säbener Straße. Das Klub-Ikone Uli Hoeneß das Thema mehrfach befeuerte und Tuchel deutlich kontra gab, hat ebenso wenig geholfen, wie die Tatsache, dass der Trainer mit seinem Verweis auf die zu dünne Personaldecke erschreckend recht behalten hat.
Hinzukommt der Wirbel um den Pro-Palästinenser-Post von Mazraoui und die durchaus kritisierte Reaktion des Vereins. Die Kirsche auf der bereits säuerlichen Sahnetorte ist allerdings mit Sicherheit die Pokalblamage beim 1. FC Saarbrücken, nach der der Haussegen angeblich so richtig schiefhängt. In der Kabine "brodelt" es, die Spieler sind "nicht happy" mit der aktuellen Situation, berichtet zum Beispiel "Sport1".
Das spricht für den BVB: Die Personalsituation
Julien Duranville und Mateu Morey scheint das Verletzungspech weiterhin treu am Schlappen zu kleben, ansonsten kann der BVB allerdings beinahe ungewohnt aus dem Vollen schöpfen. Gegen den FC Bayern bangt man bislang nur um Kapitän Emre Can und Außenverteidiger Marius Wolf. Ausgeschlossen scheint ein Einsatz des Duos aber noch nicht.
Ganz anders gestaltet sich die Lage in der bayerischen Landeshauptstadt! Mit Min-jae Kim steht stand jetzt nur noch ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung, im zentralen Mittelfeld drückt ebenfalls der Schuh, zumal Joshua Kimmich gegen die Borussen mit einer Rotsperre ausfällt - genau die Kaderbaustellen, vor denen Tuchel gewarnt hatte.
Hoffnung gibt es bei Dayot Upamecano und Leon Goretzka, am Freitagmittag konnte der FC Bayern allerdings noch keinen endgültigen Stand verkünden.
Das spricht für den BVB: Das heimische Publikum
Vor heimischer Kulisse verlor der BVB zuletzt am 20. August 2022 (2:3 gegen Werder Bremen). Seitdem konnten selbst Manchester City (0:0), der FC Chelsea (0:1), der FC Bayern (2:2), RB Leipzig (1:2) oder der AC Mailand (0:0) keinen Dreier mehr aus Dortmund entführen. Ein gutes Omen für den deutschen Klassiker, zumal sich der FC Bayern in der laufenden Saison eher auswärts verletzlich zeigte.
Allerdings liegt der letzte Heimerfolg gegen den FC Bayern auch schon etwas zurück: Am 10. November 2018 gewann man trotz zweimaligen Rückstandes mit 3:2.
"Wir wollen natürlich jede Gelegenheit nutzen, um Bayern München im direkten Duell zu schlagen – zu Hause ist es jetzt ein bisschen länger her. Es ist mal wieder Zeit", kommentierte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem Pokalerfolg am Mittwoch diesen unrühmlichen Umstand.
Das spricht für den BVB: Bayern-Schreck Marco Reus
Mit seinem goldenen Tor beim Pokalerfolg gegen die TSG 1899 Hoffenheim stellte Routinier Marco Reus 2023/24 einmal mehr unter Beweis, dass er keine Kapitänsbinde benötigt, um das Spiel des BVB zu prägen. Der 34-Jährige befindet sich in sehr starker Form und das vorm Duell mit einem seiner Lieblingsgegner.
Zwölf Tore konnte Reus in 34 Duellen mit dem FC Bayern erzielen, acht weitere legte er auf. Von den Aktiven kommt kein anderer Spieler dieser Marke auch nur nahe, insgesamt toppen die Toranzahl nur fünf Spieler, die Scorerpunkte sind sogar unangefochtener Bestwert.
Marc Affeldt





























