Die ersten fünf Wochen der Saison 2023 in der NFL sind Geschichte. Mehrere Rookie-Quarterbacks durften bislang als Starter ran, doch nicht alle wussten zu überzeugen. Eine Bestandsaufnahme.
Der Übersicht halber beschränken wir uns für diese Betrachtung auf die drei Erstrundenpicks, zumal bis auf Aidan O'Connell (4. Runde, Raiders) und Dorian Thompson-Robinson (5. Runde, Browns) noch kein Quarterback der diesjährigen Draftklasse einen Start absolviert hat oder ausgiebige Spielzeit erhielt.
NFL: Die Top-Rookie-Quarterbacks im Check nach Woche 5
Drei Quarterbacks wurden um NFL Draft 2023 in Runde 1 und sogar in den Top 4 gezogen. Die Carolina Panthers schnappten sich mit dem ersten Pick insgesamt Bryce Young von Alabama. Der zweite Pick ging an die Houston Texans, die CJ Stroud von Ohio State auswählten und an Position 4 zogen die Indianapolis Colts Anthony Richardson aus Florida. Alle drei waren von Saisonbeginn an die Starter ihrer Teams.
Bryce Young mit schwerem Stand bei den Panthers
Der Top-Pick im Draft, Bryce Young, galt als talentiertester Quarterback der Draftklasse. Doch von allen drei Erstrunden-Quarterbacks zeigte er bislang die schwächsten Leistungen. Verletzungsbedingt machte er bislang nur vier Spiele und verlor alle vier.

- Passquote: 63,9 Prozent / Yards: 748 / 5 Touchdowns / 4 Interceptions
- Passer Rating: 77,0 / Total QBR: 28,8 / ANY/A: 3,71 / EPA/Play: -0,146
- Average Intended Air Yards: 5,7 / Completion Percentage above Expectation: 0,5
Wie zu erwarten war, hatte Young bislang einen schweren Stand bei den Panthers. Die Offensive Line zeigte als Ganzes bislang überschaubare Leistungen, gerade was das Pass Blocking angeht. Laut "PFF" belegt man derzeit den fünftletzten Platz der NFL, auch wenn "ESPN" diese Unit mit einer Pass Block Win Rate von 55 Prozent immerhin auf Rang 15 listet.
Speziell die linke Seite der Line mit Ickey Ekwonu und Guard Chandler Zavala brachte bislang weitestgehend unterdurchschnittliche Leistungen, was besonders bei einem eher kleingewachsenen Rookie-Quarterback ein größeres Problem ist.
Young sah in seinen bisherigen Spielen schon 66 Pressures, über 18 Prozent davon führten zu Sacks (12). Das wiederum spricht für Young, denn es gibt durchaus Quarterbacks, die hier häufiger Opfer der Defense werden. Und seine Passquote von 63,9 Prozent suggeriert immerhin, dass er seine Präzision trotz des ständigen Drucks beibehalten hat.
Er macht wenige Fehler, geht aber auch selten Risiko mit seinen Pässen - seine Würfe sind im Schnitt derzeit die kürzesten der Liga laut "Next Gen Stats". Niemand sonst wirft so wenige Pässe in enge Passfenster (Target mit einem oder weniger Yards Entfernung zum Verteidiger) wie Young mit seinen 6,9 Prozent aggressiven Würfen. Das zeigt auch ein womöglich fehlendes Vertrauen in seine Receiver - lediglich Adam Thielen wusste bislang zu überzeugen.
Das Problem bei Young ist derzeit vor allem, dass noch keinerlei positiver Trend zu erkennen ist. Er hatte eine besonders schwache erste Woche, danach präsentierte er sich bestenfalls durchschnittlich, was immerhin halbwegs konstant so blieb.
Anthony Richardson als Passer besser als gedacht
Der vierte Pick im Draft, Anthony Richardson, stellte von Beginn an seine Athletik unter Beweis. Darüber hinaus jedoch zeigte er auch schon, wie weit er schon jetzt im Passspiel und innerhalb der Pocket agiert. Aufgrund einer Schulterverletzung wird er nun aber erstmal ausfallen.

- Passquote: 59,9 Prozent / Yards: 577 / 3 Touchdowns / 1 Interception
- Passer Rating: 87,3 / Total QBR: 43,6 / ANY/A: 6,19 / EPA/Play: 0,057
- Average Intended Air Yards: 7,7 / Completion Percentage above Expectation: -5,8
- 136 Rushing Yards / 5,4 Yards pro Carry / 4 Rushing Touchdowns
Richardson erzielte drei Rushing Touchdowns in seinen ersten beiden Spielen, verpasste allerdings das Spiel in Woche 3 mit einer Gehirnerschütterung und musste die Partie in Woche 5 vorzeitig mit der verletzten Schulter verlassen. Dennoch hatte er schon einen merklichen Impact auf das Spiel der Colts.
Seine Chemie mit Wide Receiver Michael Pittman darf man bereits als ordentlich bezeichnen, zudem bekommt er gute Production von Slot-Receiver Josh Downs. Und er musste bis zum vergangenen Wochenende auf Jonathan Taylor an seiner Seite im Backfield verzichten, was gerade den Run-Part seines Spiels nicht unbedingt erleichtert hat, wenn man bedenkt, dass RPOs und auch Read-Options mit der Bedrohung durch Taylor für Defenses noch herausfordernder sein dürften.
Und dennoch, wenn man Präzision, die man von Richardson nach nur einem Jahr als College-Starter auch nicht erwarten konnte, außen vor lässt, dann sehen wir schon jetzt einen Quarterback, der sich seiner Fähigkeiten bewusst ist. 14,3 Prozent seiner Würfe gingen in enge Passfenster und er zeigte bereits seinen starken Arm - seine längste Completion der Saison flog laut "NGS" über mehr als 51 Air Yards.
Das Manko in seinem Spiel liegt aber auch auf der Hand: Sein starkes Run Game birgt das Risiko von Verletzungen, weil er mehr Hits einsteckt als andere Quarterbacks. Das Folgen davon waren bislang eine Gehirnerschütterung und eine Verletzung am Schultereckgelenk. Wenn er nach jener Blessur zurückkehrt, sollte man eventuell seine Lauf-Frequenz etwas verringern oder ihm nahelegen, mehr zu sliden oder ins Aus zu rennen.
Rekord-Rookie CJ Stroud führt das Feld an
Und dann wäre da noch der zweite Pick insgesamt, CJ Stroud. Er begann hinter einer zusammengewürfelten Offensive Line der Texans in Woche 1 äußerst wacklig und stand unter Dauerbeschuss. Aber er ließ sich von den fünf Sacks in in Baltimore oder den sechs Sacks eine Woche später gegen Indy nicht aus der Ruhe bringen und steigerte sich stetig.

- Passquote: 61,3 Prozent / Yards: 1461 / 7 Touchdowns / 0 Interceptions
- Passer Rating: 98,4 / Total QBR: 56,4 / ANY/A: 6,94 / EPA/Play: 0,102
- Average Intended Air Yards: 8,4 / Completion Percentage above Expectation: -0,4
Stroud führt mit seinen 1.461 Passing Yards nicht nur alle Rookies an in dieser Saison, er liegt hinter Kirk Cousins (1.498) und Tua Tagovailoa (1.614) sogar auf Rang 3 der NFL. Das ist für einen Rookie bemerkenswert und zeigt, wie weit er nach dem holprigen Start gekommen ist. Zudem hält er nun mit 186 Pässen ohne Interception den NFL-Rekord für die meisten Passversuche eines Quarterbacks ohne Interception zum Start einer Karriere.
Jenen Rekord holte er nicht etwa, weil er nur auf Sicherheit geht in seinem Spiel. Er wirft laut "NGS" die neunttiefsten Pässe im Schnitt in der Liga und platziert sogar 14,5 Prozent davon in enge Passfenster. Seine Fehlerquote ist dafür sehr gering. Obwohl er wie erwähnt in seinen ersten zwei Wochen satte 44 Pressures gegen sich hatte, produzierte Stroud laut "PFF" erst fünf Plays in fünf Spielen, die einen Turnover hätten nach sich ziehen sollen. Drei dieser Plays kamen in den ersten zwei Spielen.
Seither ist generell eine Besserung der Gesamtsituation festzustellen. Die O-Line wurde etwas stabiler und Stroud überdies souveräner. In seinen jüngsten drei Spielen sah er nur noch 24 Pressures insgesamt und kassierte keinen einzigen Sack mehr. Damit einher ging, dass er auch bereitwilliger mal einen Pass absichtlich weg warf. Das tat er in Woche 1 noch gar nicht und bezahlte dafür ...
Was ebenfalls für Stroud spricht, ist die Tatsache, dass die meisten und besten seiner Würfe in die Richtung von Rookie-Receiver Tank Dell und vor allem dem 2021er Drittrundenpick Nico Collins gehen. Gerade Collins machte im besseren Saisonverlauf einen gehörigen Schritt nach vorn im Vergleich zu seinen bisherigen zwei Spielzeiten und entwickelte sich zu einem formidablen X-Receiver. Strouds Passer Rating bei Pässen Richtung Collins liegt derzeit bei beeindruckenden 139,8. Und er hat jetzt schon so viele Touchdowns (3) wie in den vergangenen zwei Jahren zusammen.
Nach den bisher gezeigten Leistungen ist Stroud bei den Buchmachern in Vegas der Favorit im Rennen um den Offensive Rookie of the Year Award. Der beste Rookie-Quarterback ist er aber schon jetzt.
Marcus Blumberg








