Nach zwei Jahren als Stammpilot in der Formel 1 ist Mick Schumacher derzeit in zweiter Reihe als Ersatzfahrer bei Mercedes aktiv. Mit seiner hochgelobten Arbeit im Simulator trug der Deutsche zuletzt zum Aufschwung der Silberpfeile bei. Doch noch lieber möchte Schumacher natürlich wieder selbst im Cockpit sitzen, wie er im exklusiven Interview mit RTL/ntv und sport.de verriet.
"Immer einsatzbereit": So lautet das eindeutige Motto von Mick Schumacher, wenn es darum geht, wann er wieder in ein Formel-1-Auto steigen kann. Doch bei welchem Team sieht sich der Deutsche? Wie nah ist der 24-Jährige im Simulator an den beiden Stammpiloten Lewis Hamilton und George Russell dran? Und wie schätzt der berühmte Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher Mercedes' Chancen auf einen Sieg in der aktuellen Saison ein? All das hat Schumi junior nun im exklusiven Interview mit RTL/ntv und sport.de erklärt.
Herr Schumacher, was glauben Sie, ist die meistgestellte Frage, die man von Fans bekommt, wenn es in Deutschland um Sie geht?
Mick Schumacher: Das ist eine gute Frage, die ich nicht beantworten kann, ich hoffe, Sie sagen es mir gleich.
"Wann sieht man Mick Schumacher endlich wieder im Auto": Das ist die Frage, die alle interessiert.
Natürlich ist es das große Ziel, möglichst bald wieder im Auto zu sein. Und darauf arbeite ich hin.
Wie sehen denn Ihre Pläne aus, wie ist Ihre Situation?
Die Situation ist nicht simpel. Es müssen viele Sachen zusammenkommen, um es zu ermöglichen. Die Saison ist noch lang. Hoffentlich ergibt sich die Chance, näher ranzukommen.
Sie bilden sich im Moment viel im Simulator weiter, sind ein guter Rennfahrer. Woran liegt es, dass Sie derzeit nicht zum Zuge kommen?
Formel 1 ist ein sehr spezieller Sport. Es gibt sehr viele Faktoren, die zusammenpassen müssen, um konstant fahren zu können. In diesem Fall ist es so, dass ich mich dieses Jahr bei Mercedes weiterentwickeln und dazulernen kann. Und zwar hoffentlich so, dass die Leute auch erkennen, dass ich das jeweilige Team weiterbringen könnte als Fahrer. Hier will ich weiter ansetzen, so dass man Gespräche führen kann und auch etwas rauskommt.
Fühlen Sie sich bereit, wenn sich eine Chance ergibt?
Natürlich. Immer einsatzbereit (lacht).
Gibt es ein Wunschauto für Sie, ist es der Mercedes?
Ja, natürlich. Der Mercedes ist nicht nur der schönste Auto da draußen, sondern auch vom Team her passt es. Wie wir das Auto zusammenbauen, die ganze Entwicklung über das Jahr ist so speziell. Man sieht immer, wie stark sie sich aus schwierigen Situationen rausbringen können und etwas Starkes draus machen können. Das war ja zuletzt deutlich erkennbar
Sie waren bei Testfahrten in Barcelona für Pirelli 152 Runden im Mercedes-Boliden unterwegs. Da geht Ihnen als Hochleistungssportler doch das Herz auf.
Auf jeden Fall. Ich mach das jetzt schon sehr lange. Ich sitze im Kart, seitdem ich drei Jahre alt bin. 2023 ist eigentlich das erste Jahr, in dem ich kein wirkliches Rennen fahre. Das ist hart. Aber die 152 Runden habe ich tatsächlich genutzt.
Mick Schumacher: Der Vergleich mit Hamilton/Russell ist schwierig
Nutzen Sie - neben den Fahrten im Simulator - auch eSports, um Rennen zu fahren?
Ich bin eher ein Fan davon, draußen auf der Rennstrecke zu fahren. Egal in welchem Auto.
Was bringt Ihnen die Simulator-Arbeit persönlich? Von Teamchef Toto Wolff und Lewis Hamilton wurden Sie ja für Ihren Anteil am Aufschwung immer wieder gelobt. Sie leisten Großartiges.
Ich alleine nicht. Das Team, das dahinter steht, hat einen riesigen Anteil daran. Wir machen die Arbeit, die nötig ist. Wir bekommen Setups geschickt, die wir ausprobieren sollen. Für die Strecke, für die zwei Fahrer. Da ist auch mal eine lange Nacht nötig, um das Beste herauszuholen.
Sie sind Racer und schauen sicher auch auf Zeiten im Simulator. Wie nah sind Sie an George Russell und Lewis Hamilton dran?
Im Simulator ist das schwierig zu vergleichen. Ich glaube, dass man diesen Test nicht nehmen kann als Vergleich. Die Pirelli-Reifen sind anders, die Menge an Benzin unterscheidet sich. Da gibt's ein paar Punkte, die einen Vergleich nur schwer erlauben.
Natürlich war es tough, nach sieben Monaten ohne Fahrpraxis zuletzt mal wieder in einem echten Rennwagen zu sitzen. Aber das zeigt mir: Um race-fit zu bleiben, muss man einfach fahren. Darum ist das Ziel, so viel zu fahren, wie es geht.
Welche Hoffnungen gibt es in dieser Saison, dass Sie nochmal fahren, zum Beispiel in einem Freien Training oder anderweitig?
Ich bin mir sicher, dass sich noch etwas entwickeln wird in der nächsten Zeit. Das Ziel ist zu fahren.
Wäre das Williams-Team, das ja auch Motorenpartner von Mercedes ist, eine gute Möglichkeit?
Ich glaube, jedes Team ist im Moment eine gute Möglichkeit. Alle sehen danach aus, als könnten sie sich gut schlagen. Jedes Team hat schon Punkte gesammelt. Es sind alle bisher nah beieinander. Und so kann man sich da auch in jedem Team sehen und widerspiegeln.
Aber Sie bekommen sicher mit, dass es in einigen Teams Unzufriedenheiten mit den Fahrern gibt, so dass vielleicht morgen einer anruft und fragt: "Mick, kannst Du im Sommer schon fahren"?
Ich würde es machen. Aber es ist natürlich unwahrscheinlich, dass so etwas passiert. Es gibt Verträge. Und die werden meist eingehalten. Das Ziel ist es, nächstes Jahr wieder im Auto zu sein.
Was sind die Hoffnungen, was wäre gut für Sie, wie muss man sich das vorstellen?
Am Anfang müssen gewisse Situationen ineinander fallen, um eben diese Möglichkeit vorzubringen. Das dauert. Und man muss den richtigen Moment abwarten. Und man braucht natürlich auch ein bisschen Glück.
Merken Sie, dass Sie auf dem Radar sind?
Die Leuten reden schon darüber, dass ich die Erfahrung habe, die interessant ist. Aber wie gesagt: Formel 1 ist sehr schnelllebig, alles kann sich innerhalb eines Rennwochenendes ändern.
Formel-1-Boss Stefano Domenicali ist zuletzt auf die Hockenheim-Betreiber zugekommen und hat gesagt, dass es unbedingt wieder ein deutsches Rennen braucht. Was würde es für Sie bedeuten, wenn es klappt?
Natürlich wäre das schön, ein Rennen in Deutschland zu haben. Wenn ich dann noch selbst fahren könnte, wäre das natürlich mega. Es wäre toll, vor den Heim-Fans und dann noch in der Heimat hoffentlich gut abzuschneiden.
Mick Schumacher: Auch Toto Wolff kann nicht zaubern
Welche Erinnerungen haben Sie an Hockenheim?
Sehr speziell war, dass ich vor vier Jahren den 2004er Ferrari [Das Weltmeisterauto seines Vaters, d.Red.] vor zigtausenden Fans fahren durfte. Und natürlich der Gewinn der Formel-3-Meisterschaft im Jahr 2018.
Bei Sauber gibt es Gerüchte, dass sich dort mit dem Audi-Start etwas für Sie ergeben könnte. Wären Sie auch bereit, fernab von Mercedes in die Formel 1 einzusteigen?
Wie gesagt: Im Moment ist jedes Team eine gute Option. Und jedes Team schlägt sich von Rennen zu Rennen gut. Und dementsprechend ist jedes Team eine Option.
Macht Ihnen Toto Wolff Hoffnung darauf, dass es bald klappt?
Man muss einfach die richtige Situation abwarten. Da kann auch Toto nicht zaubern. Aber er hilft mir natürlich, wo es geht. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit ihm hier zusammenarbeiten darf und er mir sehr viel beibringt.
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Ein Wort noch zu Haas-Teamchef Günther Steiner: Sie haben sich stets fair und kollegial verhalten, waren immer teamorientiert, sind aber von ihm oft öffentlich kritisiert worden. Gibt es die Chance auf eine Friedenspfeife?
Im Endeffekt sind die zwei Jahre sehr interessant gewesen, sowohl sportlich als auch menschlich. Aber im Generellen, wie die Formel 1 ist: immer zukunftsorientiert. Da schaue ich jetzt hin.
Wenn Günther Steiner jetzt kommen und sagen würden: Komm, lass uns reden. Dann würden Sie das machen?
Klar, ich habe kein Problem, mit Menschen zu reden.
Schauen wir noch auf die nächsten Wochen. Wann steht die nächste Simulator-Einheit an? Wie ist Ihr Programm?
Im Simulator sitze ich eigentlich so gut wie jede Woche. Vor dem Österreich-Grand-Prix-Wochenende (30.06. bis 02.07.) ist es auch wieder soweit, da bin ich wieder im Einsatz. Und die Wochen drauf auch oft. Ich habe noch ein paar Sessions vor mir.
Spiegelt man Ihnen den Wert, den Sie im Simulator erbringen?
Ja, auf jeden Fall. Ich meine, es ist schön, zu sehen, dass die Arbeit, die ich mache, gut für das Team ist. Aber wie gesagt: Wir sind fünf bis sechs Leute, die die ganze Nacht durchziehen und ohne die könnte ich es auch nicht machen.
Die Leistungskurve bei Mercedes geht nach oben, auch dank Ihnen ...
Ich glaube, die Simulatorarbeit ist nur ein kleiner Teil von dem, was alles noch hintenrum passiert. Aber mir gefällt die Möglichkeit, sich auf diese Weise, aus einer schwierigen Situation herauszukämpfen. Es ist schön zu sehen, dass die ganze harte Arbeit belohnt wird.
Hat Mercedes in dieser Saison noch das Zeug für Rennsiege?
Meiner Meinung nach haben sie das Zeug dazu. Aber die Formel 1 ist schwierig, da muss viel zusammenkommen, um dann auch wirklich zu gewinnen. Aber ich glaube ganz fest ans Team.
Felix Görner


