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Dárdai wünscht Selke ein Tor gegen Hertha BSC

Davie Selke spielte 2019 noch unter Trainer Pál Dárdai für Hertha BSC
Davie Selke spielte 2019 noch unter Trainer Pál Dárdai für Hertha BSC
Foto: © Andreas Gora, dpa
11. Mai 2023, 12:40

Mitten im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga wünscht Pál Dárdai einem gegnerischen Stürmer ein Tor. Das klingt paradox, passt aber zum Coach von Hertha BSC. Mit harter Hand und großem Herz will er die Berliner doch noch retten.

Die Abstiegssorgen sind riesig, die Finanznot drückt die Stimmung zusätzlich, doch in Pál Dárdais großem Fußballer-Herz ist sogar noch Platz für einen Stürmer des nächsten Gegners.

Gefragt nach Davie Selke wurde der Trainer von Hertha BSC beim Pressegespräch vor dem nächsten Berliner Endspiel um den Bundesliga-Klassenverbleib am Freitag (20:30 Uhr/DAZN) beim 1. FC Köln geradezu sentimental. "Ich wünsche ihm, dass er gesund bleibt, gegen uns spielt, soll er sogar ein Tor schießen", sagte Dárdai, um gleich nachzuschieben, "aber wir gewinnen 2:1. Dann können wir schön ein Bier trinken."

Selke, im Winter auch aus ökonomischer Notwendigkeit aus Berlin nach Köln transferiert, ist für Dárdai eine Erinnerung an seine erste Zeit als Hertha-Trainer. "Davie und ich, das hat vom ersten Moment an funktioniert. Bei mir hat er immer gut gespielt", erinnerte sich Dárdai.

Die Karrierewege sind seit 2019 ähnlich holprig. Selke konnte die hohen Erwartungen in sein Potenzial weder bei der Hertha noch bei einem Leihgeschäft zu Werder Bremen richtig erfüllen. Dárdai musste bei seinem Berliner Herzensklub zweimal gehen - war immer nur als Retter gut genug. So wie jetzt auch wieder.

Wird Selke zum Spielverderber für Hertha und Dárdai?

Die Pointe, dass ausgerechnet er die Hertha ziemlich sicher Richtung 2. Liga schicken könnte, findet auch Selke irgendwie komisch.

"Das wird schon ein besonderes Spiel. Ich gucke natürlich auch immer nach Berlin. Bei uns wird ja nicht mehr allzu viel passieren tabellarisch. Es ist komisch, wenn ich sage, dass sie es noch schaffen und wir spielen noch gegen sie", sagte der 28-Jährige, noch bevor er in der Vorwoche mit seinem Doppelpack gegen Bayer Leverkusen Kölns Bundesliga-Zugehörigkeit endgültig absicherte.

Selke kann also entspannt in das Duell gehen. Dárdai nicht. Bei einer Niederlage wäre nicht nur sein großspurig anmutendes, aber sportlich alternativloses Leitmotiv für den Saisonendspurt schon nach der zweiten Etappe passé.

Vier Spiele, vier Siege, das wäre dann nicht mehr drin. Im schlimmsten Falle könnte die Hertha am Sonntagnachmittag - parallel zur eigenen Mitgliederversammlung - zwar noch nicht faktisch, aber praktisch als Absteiger feststehen.

Und zwar: wenn die Konkurrenz aus Schalke und Stuttgart ihre Spiele gewinnt.

Hertha-Coach Dárdai: mit harter Hand und großem Herz

Konjunktiv und Theorie hat Dárdai aber noch nie gemocht. Für sein drittes und größtes Hertha-Wunder setzt der kauzig-fröhliche Ungar auf seine genuine Stärke mit der Kurzbeschreibung: harte Hand und großes Herz. Endlich empfindet er die Stimmung als akzeptabel.

"Es ist eine komplett andere Arbeitsatmosphäre. Jeder hört zu", beschrieb er den Erfolg seiner Erziehungsmaßnahmen in einer seit Jahren als schwer trainierbar charakterisierten Mannschaft.

Gegen Köln soll personell genau die Elf spielen, die beim 2:1 gegen Stuttgart das erste Hoffnungszeichen abgab. Dárdai setzt auf eine "ähnliche Kompaktheit", will aber auch noch "Überraschungseffekte" einbauen. Muss er auch angesichts von fünf Punkten Rückstand auf Schalke 04 auf Platz 15, der die direkte Rettung bedeuten würde.

Verkompliziert wird Dárdais Berliner Problem durch die stetig durchsickernden Nachrichten über die finanziellen Schwierigkeiten bis hin zu drohendem Lizenzentzug. Noch nicht offiziell geklärt ist zudem, ob das Hertha-Konstrukt mit Investor 777 Partners mit den Regularien der Deutschen Fußball Liga kompatibel ist. Einbußen monetärer Art, weil Verträge geändert werden müssen, könnten für die Hertha existenzgefährdend sein.

Da würde auch Dárdais Siegplan nichts mehr nutzen. Der Trainer kann seine Konzentration aber nicht abschweifen lassen und reagierte mit einer Anlehnung an das Berlin-Zitat des einstigen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit ("arm, aber sexy") auf die außersportliche Misere: "Geld haben wir nicht. Aber wir haben eine Menge Herz", sagte Dárdai - und das nicht nur für Davie Selke.

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