Lisa Maria Spark ist Biathlon-Europameisterin von 2023 im Einzel, zudem gewann sie mit ihrer Kollegin Selina Grotjan Silber in der Mixed-Staffel. Die 22-Jährige aus Traunstein hat ihre großen Erfolge in ihrer sport.de-Kolumne nun Revue passieren lassen.
Zimmer 215 im Hotel "Bestzeit" in Parpan: Lebensmittelpunkt für acht Tage für Selina Grotian und mich während der Biathloneuropameisterschaft in Lenzerheide. Zimmer 215: irgendwie auch so etwas wie der hotelinterne Handelsplatz für Edelmetalle, wurden dort doch zum Schluss Bronze, zweimal Silber und zweimal Gold "gehortet". Zimmer 215: manchmal ein Tunnel, in dem wir uns vor dem Rennen mit dem Lied "Sport" von Apache heiß gemacht haben:
"Versprochen, morgen mach ich wieder Sport und ernähre mich ab dann nur noch gesund"
Das war der Beat, der uns beflügelt hat - was für eine Europameisterschaft, denn Zimmer 215 war auch das Zimmer mit den jüngsten Athletinnen, die für Deutschland an den Start gehen durften, die im Grunde genommen nur Erfahrungen sammeln wollten innerhalb eines weltcuperfahrenen Teilnehmerinnenfelds und jetzt nicht mehr das Lächeln aus dem Gesicht bekommen.
Selina und ich sind beide Europameisterinnen geworden, Selina im Verfolger, ich im Einzel und zusammen haben wir dann in der Mixed-Staffel noch Silber geholt.
Ich verneige mich vor meiner Miteuropameisterin, denn sie hat sogar noch eine bronzene Medaille im Einzel geholt und entführt somit eine kompletten Medaillensatz aus Graubünden. Wir sind irgendwie gegenseitig auf uns stolz, dass wir als jüngste Athletinnen in der Mannschaft so erfolgreich sein durften und dass wir jetzt wirklich erfahren haben, dass wir in einem solch erstklassigen Starterinnenfeld bestehen können.
Die Tage in Lenzerheide waren eine Bestandsaufnahme, eine Standortbestimmung, die positiv ausfiel, Lohn für das Mühen im Training und Motivation weiterzumachen, die Dinge noch mehr voranzutreiben.
Zimmer 215 war aber vor allem ein Ort der Ordnung und der Disziplin, alle Medaillen wurden nach zimmerinterner Präsentation immer gut verpackt und verstaut und Renntaschen prinzipiell schon am Abend vorher gepackt; so bleibt am Morgen viel Zeit für die Fokussierung auf das Wesentliche und das ist scheinbar eine gute Grundlage für Erfolge.
Zimmer 215, ein Ort der Ruhe, in dem jeder den anderen nach den Rennen müde sein lässt. Wenig Worte, viel Verständnis. Aber auch ein Ort, an dem sich feiern lässt, vor allem mit Sekt, den meine Schwester am letzten Abend der Meisterschaften in das Zimmer "hineingeschmuggelt" hat. Ein Glas auf alles hier hatten wir uns verdient. Auch zusammen feiern muss man können.
Nach den schönen Tagen in Graubünden geht es dann nach Obertilliach zum nächsten IBU-Cup, vorher drehen wir allerdings nochmal die Box auf, feiern und singen aus voller Überzeugung mit einem Glas Sekt in der Hand:
"Versprochen, morgen mach ich wieder Sport und ernähre mich ab dann nur noch gesund"
Herzliche Grüße
Lisa Maria Spark


