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BVB-Neuzugang Salih Özcan im Check

Eine Hilfe, aber kein Heilsbringer

Salih Özcan wechselt vom 1. FC Köln zum BVB
Salih Özcan wechselt vom 1. FC Köln zum BVB
Foto: © IMAGO/Herbert Bucco
23. Mai 2022, 17:26
sport.de
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Salih Özcan wechselt vom 1. FC Köln zu Borussia Dortmund. Beim BVB soll der Mittefeldspieler die Lücke schließen, die Axel Witsel hinterlässt. Doch passt der Senkrechtstarter überhaupt zu den Schwarz-Gelben?

sport.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Millionen-Deal.

  • Özcan zum BVB: Die Rahmendaten

Borussia Dortmund treibt den personellen Umbruch im Eiltempo voran. Nach den Transfers von Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi hat der Revierklub nun auch einen neuen Mittelfeldspieler gefunden: Salih Özcan vom 1. FC Köln.

Der 24-Jährige erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2026, hat den Medizincheck bereits absolviert und sich trotz mehrerer nationaler und internationaler Angebote für ein Engagement bei den Schwarz-Gelben entschieden.

"Er ist ein ungemein zweikampf- und kopfballstarker Spieler. Einer, der dorthin geht, wo es weh tut und kompromisslos alles dafür gibt, dass seine Mannschaft Erfolg hat", sagte Dortmunds designierter Sportdirektor Sebastian Kehl. "Seine Mentalität und seine Physis, gepaart mit seiner Spielintelligenz, werden unserer Mannschaft guttun."

Rätselraten herrscht noch über die Ablöse: Während der "GEISSBLOG" von einer Ausstiegsklausel in Höhe von über zehn Millionen Euro berichtet, schreibt der "kicker", dass nur etwa fünf Millionen Euro den Besitzer wechseln.

Özcan wurde in Köln geboren und spielte seit seiner Jugend für den Effzeh. In der vergangenen Saison lief er 31 Mal in der Bundesliga auf und erzielte zwei Tore.

  • Salih Özcan zum BVB: Die Beweggründe

Warum sich der BVB um Özcan als Witsel-Erben bemüht hat, liegt auf der Hand. Der Kölner spielte eine überraschend starke Saison im Trikot des Domstadtklubs und war dafür verhältnismäßig günstig zu haben - zumindest wenn die vom "kicker" verbreitete Zahl stimmt.

Außerdem waren die Dortmunder dringend auf einen neuen Sechser angewiesen. Nach dem Abgang von Axel Witsel war Emre Can der einzig verbliebene Mittelfeldspieler, der sich auf dieser Position wohl fühlt. 

Youngster Abdoulaye Kamara ist zwar ein vielversprechendes Talent. In die doch recht großen Fußstapfen von Witsel kann der 17-Jährige aber noch nicht treten.

Özcan hatte dagegen großen Anteil am Kölner Einzug in die Conference League. Sein kometenhafter Aufstieg blieb auch den Trainern außerhalb der Bundesliga nicht verborgen: Noch im März hatten sowohl Bundestrainer Hansi Flick als auch Türkei-Coach Stefan Kuntz um die Dienste des Abräumers gebuhlt.

Letztlich entschied sich Özcan, als Sohn türkischer Eltern in Köln geboren, für Kuntz. 2021 war das Duo noch mit der deutschen U21 Europameister geworden, seit der U15 hatte Özcan alle DFB-Auswahlteams durchlaufen.

  • Salih Özcan zum BVB: Die Stärken

Salih Özcan besticht vor allem durch sein starkes Zweikampfverhalten. Der zentral-defensive Mittelfeldspieler scheut kein direktes Duell mit seinen Gegenspielern und geht kompromisslos und robust in jeden Zweikampf. Eigenschaften, die dem BVB zuletzt abgingen.

Salih Özcan soll beim BVB das Mittelfeldzentrum beackern
Salih Özcan soll beim BVB das Mittelfeldzentrum beackern


Zudem verfügt Özcan, der bis zu seinem 15. Lebensjahr als Ringer aktiv war, über eine gute Technik sowie ein starkes Dribbling und überzeugt im Spielaufbau.

Ein Beleg: Seine Passquote lag in der vergangenen Saison bei beeindruckenden 84 Prozent.

  • Salih Özcan zum BVB: Die Schwächen

Salih Özcans größte Schwäche ist seine geringe Erfahrung auf höchstem Niveau. Beim 1. FC Köln ist der 24-Jährige erst seit letzter Saison unumstrittener Stammspieler.

Nach einer Leihe zu Holstein Kiel in der Saison 2019/2020 kam er 2020/2021 zwar auf 28 Bundesliga-Einsätze, über 90 Minuten durfte er aber nur acht Mal ran. Auf europäischer Klub-Ebene hat Özcan noch kein einziges Spiel bestritten.

Hinzu kommt, dass der dynamische Mittelfeldmann (noch) nicht der beste Stratege ist, sondern eher über Fleiß, Laufarbeit und seine giftige Zweikampfführung kommt. Ein Ruhepol vor der Abwehr fehlt dem BVB allerdings weiterhin.

  • Salih Özcan zum BVB: Die neue Rolle

Beim BVB soll Özcan Axel Witsel, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, ersetzen. Doch auf der gefragten Sechser-Position kam Özcan in der vergangenen Saison gerade einmal in etwa der Hälfte aller Spiele zum Einsatz, meist als Zuarbeiter von Kölns Lenker Ellyes Skhiri.

Oft wurde er aber auch als Achter eingesetzt - eine Position, auf der der BVB quantitativ wie qualitativ ausreichend besetzt ist. Die Konkurrenz beim BVB auf der defensiven Mittelfeldposition ist dagegen gering.

Insofern erscheint ein weiterer Transfer für die Sechserposition durchaus möglich, um in der Zentrale endlich wieder mehr Stabilität zu erlangen. Der Özcan-Deal ist ein guter Anfang, als alleiniger Heilsbringer taugt der Neuzugang jedoch eher nicht.

Lissy Beckonert & Heiko Lütkehus

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