Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann sieht fundamentale Probleme beim FC Bayern und kritisiert die Verantwortlichen in deutlichen Worten. Seiner Ansicht nach könnte ein möglicher Abgang von Robert Lewandowski sogar einen positiven Effekt haben.
"Wenn du früher gegen Bayern gespielt hast, hast du nicht nur gegen elf Mann gespielt, sondern gegen einen ganzen Verein. Die Bayern haben sich immer durch ihre Geschlossenheit ausgezeichnet. Dieser Zusammenhalt, dieser Respekt untereinander, und diese Power, die sie immer erzeugen konnten, fehlen im Moment", schrieb Hamann in seiner "Sky"-Kolumne nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen den FC Villarreal.
"Das größte Problem ist die Führungsschwäche", ergänzte der frühere Profi des FC Bayern. "Das begann mit der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr, zuletzt ging es mit dem Wechselfehler weiter, als sie die Hauptverantwortung dem DFB in die Schuhe geschoben haben. Keiner übernimmt Verantwortung, und genauso spielen sie auch Fußball."
"Ungewissheit" und keine "klare Kante" beim FC Bayern
Beim deutschen Rekordmeister herrsche "Ungewissheit", konstatierte Hamann. "Man weiß noch nicht, wie es mit Lewandowski, Gnabry oder Müller weitergeht. Julian Nagelsmann muss all diese Dinge moderieren, auf die er aber gar keinen Einfluss hat."
Diese seien eigentlich "Sache der Chefs", merkte der 48-Jährige an. "Das Verhalten der Verantwortlichen ist nicht professionell, und das spiegelt sich dann auch in der Mannschaft wider."
Die Klub-Führung müsse "wieder klare Kante zeigen und diese auch nach außen kommunizieren. Aber das passiert nicht und alles schwimmt nur so vor sich hin". Vorstandschef Oliver Kahn solle sich "zu gewissen Themen zu Wort melden und verbal Akzente setzen".
Hamann monierte auch die verfehlte Transfer-Politik des FC Bayern: "Die Spieler, die geholt wurden, machen Fehler und sind momentan bestenfalls Durchschnitt. Auf der Bank sitzen Leute, die der Trainer nur in Notsituationen einwechselt. Da haben die Münchner viel Geld in die Isar geschmissen, was gerade in Corona-Zeiten doppelt bitter ist. Die nächsten Transfers müssen sitzen."
Diese Probleme seien auch "Gesprächsthema" bei den Bayern-Stars so Hamann, "und so, wie sie im Moment auftreten, kann ich mir vorstellen, dass es zwei oder drei Lager im Kader gibt".
Abgang von Robert Lewandowski für den FC Bayern "auch eine Chance"
Ein möglicher Abgang von Robert Lewandowski in Richtung FC Barcelona sei für den FC Bayern "auch eine Chance", weil dann andere Spieler ins Rampenlicht rücken könnten, so Hamann.
Der Pole scheine "dieses Mal mehr als in den vergangenen Jahren mit einem Wechsel zu liebäugeln", erklärte Hamann. "Ich glaube, dass es nicht einmal das Schlechteste für die Bayern wäre, wenn er ginge. Lewandowski wird 34, ich glaube schon, dass er noch ein Jahr lang seine Tore schießt. Aber ob er sein Niveau noch über zwei oder drei Jahre halten kann, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es besser, die Mannschaft neu aufzustellen."
Hamann brachte in diesem Zusammenhang auch einen konkreten Nachfolge-Vorschlag ins Gespräch: "Ich bin nicht der größte Fan von Timo Werner, aber er würde in München auch seine 20 oder 25 Tore machen. Du brauchst einen gestandenen Spieler, der mit der Situation bei Bayern umgehen kann."


























