Nach der 0:4-Demütigung in Amsterdam will der BVB im Rückspiel gegen die Niederländer die Weichen für das Weiterkommen in der Champions League stellen. Damit das gelingt, müssen die Schwarz-Gelben vor allem in der Defensivarbeit ein anderes Gesicht zeigen.
Zu zaghaft und passiv in der Rückwärtsbewegung, zu kompliziert und ungenau auf dem Weg nach vorne: Der BVB präsentierte sich beim Champions-League-Auswärtsspiel in Amsterdam von seiner schlechtesten Seite. Zwar hätten die Dortmunder in der Johan-Cruyff-Arena auch das ein oder andere Tor erzielen können, über drei, vier weitere Gegentore hätten sie sich aber auch nicht beschweren dürfen.
Vor dem Rückspiel am Mittwoch darf man gespannt sein, wie die Borussen auf die Lektion reagieren. Klar ist, dass es auf dem Feld einige Duelle geben wird, die der BVB im zweiten Kräftemessen mit dem niederländischen Rekordmeister nicht verlieren darf. Auf diese drei Duelle wird es besonders ankommen.
Mats Hummels vs. Sébastien Haller
Mit zwei Vorlagen und einem Tor war der ehemalige Frankfurter einer der entscheidenden Spieler auf dem Feld. Der Stürmer war von der Dortmunder Innenverteidigung nie zu greifen. Dabei machten nicht nur Hallers Assists und sein Treffer den Unterschied. Auch seine unglaublich cleveren Bewegungen in die freien Räume zwischen die Abwehrspieler stellten Hummels und Co. vor unlösbare Probleme.

Gegen Haller kamen die Dortmunder fast immer einen Schritt zu spät, reagierten meist nur. Auch aus diesem Grund gewann der ehemalige Eintracht-Stürmer 64 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte 94 Prozent (!) seiner Pässe an den Mann - schier unglaubliche Quoten für einen Stürmer.
"Sie arbeiten viel mit tiefen Läufen, mit denen sie Räume schaffen für andere", analysierte Hummels vor dem Rückspiel treffend. Haller stimmte zu und stellte fest: "Wenn wir im Ballbesitz waren, waren sie nicht sehr aggressiv. Dadurch hatten wir auch viele Freiräume."
Diese Freiräume müssen die Dortmunder den Gästen am Mittwoch nehmen. Angefangen bei Hummels und/oder Akanji, die Haller diesmal schon vor der Ballannahme stören und ihm so die Möglichkeit rauben müssen, nicht nur Vollstrecker und Vorbereiter, sondern auch Ballverteiler zu sein.
Marius Wolf/Marin Pongracic vs. Antony
Wie zuletzt gegen den 1. FC Köln wird Marco Rose wohl auch diesmal wieder auf eine Dreierkette setzen, um in der Rückwärtsbewegung fünf Spieler zu haben, die sich um die Ajax-Offensive kümmern. Die Sache mit der Viererkette lief in Amsterdam auch deswegen völlig aus dem Ruder, weil Nico Schulz gegen Rechtsaußen Antony komplett überfordert war.
Der Brasilianer stand am Ende bei vier Torschüssen, zwei Torschussvorlagen und einem eigenen Treffer. So häufig wie ihn konnten die Dortmunder keinen anderen Ajax-Spieler nur mit einem Foul stoppen (3). Auch das zeigt, wie "ungreifbar" Antony für die schwarz-gelbe Defensive im Hinspiel war.
Wie Rose den 21-Jährigen diesmal stoppen will, ist noch nicht klar. Durchaus denkbar ist aber, dass er zwei Gegenspieler auf ihn hetzt. Diese Aufgabe könnte Marius Wolf und Marin Pongracic auferlegt werden. Sie bringen vielleicht nicht Schulz' Tempo mit (das in Amsterdam auch keine Rolle gespielt hat), dafür sind sie zumindest statistisch die deutlich besseren Zweikämpfer.
Mit der Absicherung durch Pongracic kann Wolf Antony schon früh stören, den Antritt im Ansatz verhindern und Pongracic so in der letzten Linie einen womöglich entscheidenden Vorteil verschaffen.
Jude Bellingham vs. Edson Álvarez
Im Hinspiel war der junge Engländer noch einer der "weniger schlechten" Borussen. Seine Normalform brachte aber auch Bellingham nicht auf den Rasen. Immer wieder fehlte ihm ein halber Schritt, um die Niederländer entweder entscheidend im Spielaufbau zu stören, oder aber einen Ball zu erobern und so einen gefährlichen Angriff einzuleiten.

Álvarez war nicht selten der Spieler, an dem Bellinghams Bemühungen zum Erliegen kamen. Der Abräumer spielte unauffällig, war in den gefährlichen Räumen aber doch stets präsent genug, um die schwarz-gelben Angriffe schon im Ansatz zu ersticken.
Bei eigenem Ballbesitz konnte der Mexikaner die Bälle zudem nach Lust und Laune verteilen. Seine 92-prozentige Passquote wurde auch möglich, weil er von Bellingham und Co. zu selten unter Druck gesetzt wurde. Das darf den Dortmundern nicht noch einmal passieren.
Hier liegt ein Schlüssel zum Erfolg, denn wenn Ajax sein Pass- und Positionsspiel erneut ohne große Gegenwehr aufziehen kann, droht der Borussia die nächste empfindliche Ohrfeige.
Christian Schenzel













































