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Artur Schreiber und Roman Schirillef blicken hinter die Kulissen

Ninja-Brüder exklusiv: "Ich habe oft an mir gezweifelt"

Die Brüder Artur Schreiber (l.) und Roman Schirillef starten bei Ninja Warrior
Die Brüder Artur Schreiber (l.) und Roman Schirillef starten bei Ninja Warrior
Foto: © RTL/Markus Hertrich
28. Oktober 2021, 20:42
sport.de
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Seit der zweiten Staffel haben sich die Stiefbrüder Artur Schreiber und Roman Schirillef gemeinsam bei Ninja Warrior Germany beworben. Nach zahlreichen gemeinsamen Trainingssessions und Ninja-Wettkämpfen hat es nun endlich geklappt, dass sie gemeinsam antreten.

Vor ihrem Auftritt in der 3. Vorrunde am Freitag verrät Roman im exklusiven sport.de-Interview, wie er mit den Absagen zurechtkam, während Artur auch im TV erste Erfolge feierte. Außerdem erzählen die beiden 30-Jährigen, die seit vielen Jahren zusammen wohnen, wie sie sich über den gemeinsamen Sport angefreundet, aber auch konkurriert haben und welche Verwandlung Artur seitdem hingelegt hat. Auch ein Thema: die dümmsten Trainingsunfälle!

Klärt uns doch am Anfang kurz auf: Ihr seid Stiefbrüder, bezeichnet euch aber als Brüder. Seid ihr zusammen aufgewachsen?

Roman Schirillef: Wir haben uns mit 15 Jahren kennengelernt, als meine Mutter mit Arturs Vater zusammengekommen ist. Davor hatte ich zwei Schwestern, das war am Anfang etwas komisch, überhaupt einen Bruder zu haben. Wir sind auch wirklich sehr unterschiedlich. Er war damals eher ein Nerd, ich eher aufbrausend und immer draußen. Wir haben uns aber schnell verstanden und haben angefangen, zusammen Parkour zu machen. Wir haben über den Sport und über das Zocken zueinander gefunden. Und dann wurden wir Brüder und beste Freunde, nicht Stiefbrüder.

Habt ihr auch mit dem Ninja-Sport zusammen angefangen?

Artur Schreiber: Ich wollte Ninja ausprobieren, als es diese Hallen noch gar nicht gab, weil ich die US-Show schon verfolgt hatte. Da war es für Roman noch nicht so ein Thema. Es hat dann aber nur ein halbes Jahr gedauert, bis er dazukam. Seitdem trainieren wir auch immer wieder zusammen, das sind jetzt fast vier Jahre. Irgendwann merkst du da auch keine großen Unterschiede mehr durch den kleinen Vorsprung, den ich hatte.

Roman: Wir haben uns hier zuhause in der Corona-Zeit dann auch einen kleinen Parcours im Flur gebaut, ein Gerüst, wo wir ein bisschen was machen können, damit wir nicht einrosten. Wir beide trainieren drei- bis viermal pro Woche zusammen, wenn die Zeit da ist. Im Lockdown musste ich ihm aber manchmal ein bisschen in den Arsch treten, da war er eher fauler.

Artur: Es ist nicht meins, zuhause zu trainieren, aber ich habe mich motivieren lassen. [lacht]

Wie groß ist die Konkurrenz zwischen euch?

Artur: Man pusht sich gegenseitig und macht sich eigene Challenges. Klar, man möchte den anderen schon schlagen, wenn man den Parcours zusammen macht. Man sieht ja auch, was der andere besser macht und versucht sich anzupassen. Dadurch steigert man das Level nach und nach.

Roman: Ich habe ja ein halbes Jahr später als Artur angefangen. In der Anfangszeit habe ich mich deshalb immer mit ihm verglichen. Ich wollte unbedingt besser sein als er, schneller sein als er, stärker sein als er. Aber ich habe mich nie wirklich entwickelt, weil ich so damit beschäftigt war, ihn zu besiegen. Damit habe ich irgendwann aufgehört und nur auf mich geschaut. Als ich dann besser wurde, hat er das natürlich gesehen und da liegt dann schon eine gewisse Konkurrenz in der Luft.

Artur, das Stichwort Schnelligkeit passt ganz gut. Du gehörst zu den schnellsten Ninjas im Parcours. Wie kommt es, dass du da so durchrast? Willst du unbedingt zum Power Tower?

Artur: Ich bin einfach super gerne effizient im Parcours. Ich überlege mir vor meinem Lauf sehr genau, was ich an den Hindernissen mache und versuche auch immer, einen Plan B zu haben, falls mal etwas daneben geht. Und wenn man effizient an einem Hindernis ist, ist man da halt nicht lange dran. Das führt automatisch dazu, dass man schneller ist. Und wenn man weiß, dass es um den Power Tower geht, gibt man noch ein bisschen mehr Gas. Dieses Set mit dem Zehn-Metern-Turm hat man in keiner Ninja-Halle, das will man natürlich ausprobieren. Ich möchte immer möglichst viel vom Parcours machen.

Um noch über ein spezifisches Hindernis zu sprechen: Was ist das für eine Beziehung zwischen dir und dem Mikado, Artur? Warum sieht es so leichtfüßig bei dir aus?

Artur: Das kam eigentlich erst durch mein Image, ich habe ja irgendwann angefangen, "Spiderman"-Shirts zu tragen, auch weil ich die Filme mag. Dann wurde ich irgendwann "Spiderman" genannt und das hat sich dann so entwickelt. Im Training habe ich das nicht ein- oder zweimal getestet, sondern eher ein- bis zweihundert Mal. Da kommt man natürlich auf Ideen, wie man es anders machen kann. Diese "Spiderman-Bewegung" kam dann irgendwann dabei heraus. Sie ist halt sehr effizient, man verbraucht nicht so viel Kraft, weil man nicht lange drinhängt.

Roman: Artur probiert ständig einfach Sachen aus, bei denen ich mich frage: Wieso? Und dann kommt so etwas dabei raus. Das ist das, was mich an ihm fasziniert: Er macht Sachen, die ich nicht verstehe, aber am Ende sind sie viel besser und viel schneller.

Artur: Das klappt aber natürlich nicht immer, es gibt schon auch Dinge, die nicht sinnvoll sind. Aber das weiß man erst, wenn man etwas probiert hat.

Ist mal etwas richtig schiefgegangen?

Roman: Ja, eine Sache war richtig doof: Ich bin mal mit dem Handy hinter Artur hergerannt, um ihn aufzunehmen und dabei bin ich umgeknickt. Danach habe ich trotzdem weiter gemacht und das war der Fehler! Ich habe mir dann einen Bänderriss geholt, weil ich beim Slacklinen ausgerutscht bin.

Artur: Ich habe es am Anfang meiner Ninja-Zeit mal geschafft, in einer offenen Ninja-Halle bei richtig schlechtem Wetter beim Klettern abzurutschen und mir eine Rippe zu brechen. Das war richtig dämlich. Ich habe erst sogar noch versucht weiterzutrainieren und war erst nach zwei, drei Wochen beim Arzt. Der hat auf dem Röntgenbild gesehen, dass in der untersten Rippe ein Riss ist.

Was bedeutet euch der Ninja-Sport, inwiefern hat er euer Leben beeinflusst?

Artur: Ich habe mich in meiner Persönlichkeit extrem verändert: Ich war dieser kleine Nerd, der immer gezockt hat und nur ganz selten mal rausging. Weil ich so motiviert war im Sport und immer besser wurde, bin ich selbstbewusster geworden – ohne, dass ich jetzt glaube, alles zu können. Aber ich weiß, dass ich gewisse Sachen im Ninja-Bereich schon draufhabe und das hilft mir auch im Privatleben. Außerdem habe ich auch meine Freundin dadurch kennengelernt. Ich bin offener und kann besser auf Menschen zugehen. Das ist eine Verwandlung, die ich gerne gesehen habe, es war nur positiv für mich.

Roman: Der Sport verbindet ganz stark. Ich habe auch meine Freundin darüber kennengelernt und Ninja hat auch Artur und mich verbunden. Es gab mal eine kurze Zeit, in der wir nicht gut miteinander klarkamen. Wir haben uns dann durch das gemeinsame Training wieder verstanden und seitdem hat es uns nur noch mehr zusammengeschweißt. Ich liebe es auch, Leute durch Ninja-Sport zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass sie es auch können. Mittlerweile bin ich deswegen auch Trainer in einer Ninja-Halle. Und es macht auch einfach nur Spaß, für mich ist es wie fliegen.

Artur: Das stimmt, ich nenne das Training auch nicht Training, sondern Hobby. Man macht es, weil es Spaß macht, auch wenn es natürlich mal anstrengend ist. Aber es fühlt sich nicht so an wie dieses stumpfe Training im Fitnessstudio, wo man zehn Mal die Hantel hochhebt.

Blicken wir auf die Show: Wie lange habt ihr schon probiert, gemeinsam bei Ninja Warrior Germany teilzunehmen?

Artur: Wir haben uns ab der zweiten Staffel immer beworben, auch gemeinsam als Brüder. Bei mir hat es dann drei Jahre gedauert – nachdem ich in der Schweiz und bei Team-Ninja-Warrior angetreten war, hat es geklappt. Bei Roman hat es aber fünf Jahre gedauert…

Roman: Artur hatte bessere Chancen, weil er schon zeigen konnte, wie gut er ist. Ich bin halt eigentlich ein Niemand, also einer von vielen Leuten, die sich bewerben. 2019 war ich schon einmal zum Casting eingeladen, wurde aber nicht genommen.

Wie ging es dir damit?

Roman: Es war schon schwer für mich, dass ich immer Absagen bekomme und mein Bruder dabei ist. Ich habe mich gefragt, ob ich zu schlecht bin oder zu uninteressant. Ich habe oft an mir gezweifelt, aber dann habe ich noch härter trainiert, teilweise mehrere Stunden täglich. Das war nicht nur gut für mich. Bis der Anruf kam, dass ich dabei bin, hatte ich schon gedacht, dass ich mich nicht mehr bewerben werde, den Sport nur für mich mache und natürlich meinen Bruder anfeuere. Als ich die Zusage hatte, habe ich Artur geschrieben und ich glaube, er war froher als ich.

Artur: Das stimmt. Man wird das auch in der Show sehen, dass ich mich mehr für ihn gefreut habe als er selbst. Ich selbst war bei jedem meiner Starts nervös, jedes Mal nur minimal weniger. Aber in dieser Staffel war ich viel nervöser seinetwegen als wegen meines Laufs.

Wie war es dann vor Ort mit der Aufregung bei euch beiden?

Artur: Wir sind ja den ganzen Tag am Set, da muss man wirklich gucken, dass man möglichst ruhig bleibt. Man muss aufpassen, dass man nicht die ganze Zeit über den Parcours nachdenkt, weil man sonst voller Adrenalin ist. Man muss zwischendurch einfach mal relaxen, sich ablenken, etwas essen und mit den Leuten reden.

Roman: Artur hat sogar geschlafen zwischendurch. Ich bin zu energiegeladen, bei mir geht das nicht. Ich will immer direkt etwas machen, aber man wartet bei der Produktion sehr viel. Da wird dann die mentale Kraft ganz wichtig, dass man sich fokussiert, wenn es losgeht. Wenn du da im Kopf nicht klar bist, kannst du nicht laufen. Das habe ich zum Glück durch die verschiedenen Wettkämpfe in den letzten Jahren gelernt. Bei meinem ersten Wettkampf vor vier Jahren war ich so nervös, da ging nichts.

Artur: Bei der Show hat Roman immer gesagt, dass er nicht nervös sei. Aber er ist alle fünf Minuten durch die Gegend gelaufen, man hat genau gesehen, dass er nervös ist. Das gehört auch einfach dazu. Deswegen kann ich auch wirklich allen raten, die mit Ninja anfangen wollen, zu Wettkämpfen zu gehen. Es geht nicht darum, den ersten Platz zu holen, sondern zu sehen, ob man mit der Nervosität umgehen kann.

Roman, warst du eigentlich vorher schon mal als Zuschauer am Set?

Roman: Bei Artur konnte ich noch nicht zuschauen, auch wegen Corona. Ich war aber in der Schweizer Show bei meiner Freundin dabei und habe gesehen, wie das abläuft. Aber Artur hatte mir ganz viel erzählt und von Wettkämpfen kannte ich auch schon viele Ninjas. Die haben mir auch direkt gesagt: "Wir erwarten etwas von dir! Du bist für RTL ein Neuling, aber wir kennen dich." Sie haben sich gefreut, dass ich endlich dabei bin – aber dadurch hatte ich auch ein bisschen mehr Druck.

Artur: Das war bei mir auch so damals, als ich zum ersten Mal mitmachen durfte. Am Set kannten mich teilweise schon Leute, die ich noch nie gesehen habe. Roman kannten auch schon alle, er war ja schon auf Events oder bei vielen Trainings dabei. Da sind die Erwartungen natürlich auch höher.

Mit welchem Ziel bist du denn selbst in deine erste NWG-Staffel gegangen, Roman?

Roman: Ich wollte unbedingt zum Power Tower, weil ich eigentlich Höhenangst habe und die Angst überwinden wollte. Und ich liebe Duelle, da habe ich schon viele gemacht bei Ninja-Wettkämpfen und immer wieder gut abgeschnitten. Das ist ein anderer Reiz und du gibst viel mehr Gas, weil du neben dir jemanden hast. Deswegen wollte ich zum Power Tower, im besten Fall aber nicht gegen Artur.

Das Gespräch führte Maike Falkenberg

Einzel 2021

1DeutschlandArtur Schreiber4:00.41m
2DeutschlandViktor Brüsewitz3:43.89m
3DeutschlandSamuel Dufner4:22.55m
4DeutschlandSimon Knitter3:48.76m
5DeutschlandPhilipp Allgeuer4:10.75m

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