Durch ein erzittertes 2:2-Unentschieden gegen Ungarn rettete sich die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch ins EM-Achtelfinale. Olaf Thon, Ikone des FC Schalke 04 und selbst 52-facher Nationalspieler, ging nach dem schwachen Auftritt hart mit der DFB-Elf ins Gericht.
"Ich war mir eigentlich vorher sicher, dass wir die Gruppe F als Zweiter abschließen und auf England treffen. Aber so, wie es dann gelaufen ist, hatte ich es mir natürlich nicht vorgestellt", schrieb der 55-Jährige in seiner Kolumne für den "kicker".
"Die Mannschaft hat viel zu wenig gezeigt gegen einen limitierten Gegner. Das hätte ich nach dem starken Auftritt gegen Portugal nicht gedacht, das war ein heftiger Rückfall", kritisierte Thon den Auftritt der Mannschaft.
Das Team von Bundestrainer Joachim Löw war gegen defensive Ungarn zweimal in Rückstand geraten und konnte letztlich nur dank eines späten Treffers von Leon Goretzka das Aus in der Vorrunde abwenden. Anders als bei der 4:2-Gala gegen Portugal erspielte sich die deutsche Elf kaum nennenswerte Torchancen.
"Mit schnellen Kontern, äußerst defensiv eingestellt, ließen die Ungarn unsere Außen nicht zur Entfaltung kommen", analysierte Thon.
Für den ehemaligen Mittelfeldspieler ist offensichtlich, dass die Nationalmannschaft gegen tief stehenden Gegner zu vorhersehbar agiere. "Bei solch engen Spielen sieht man auch ganz deutlich, woran es fehlt: Wir haben keine echte Neun, die man bei einem so engen Spiel mal mit hohen Bällen füttern könnte", moniert der Weltmeister von 1990.
Thon: Kimmich muss ins Zentrum - Goretzka als Lichtblick
Zudem forderte der ehemalige Bayern-Spieler, dass Joshua Kimmich wieder auf seine zuletzt angestammte Position im zentralen Mittelfeld zurückkehrt, um das Spiel zu beleben.
Als Lichtblick hob der Klubrepräsentant des FC Schalke 04 die Leistung von Leon Goretzka hervor. Der Mittelfeldspieler war nach langer Verletzung wieder nur von der Bank gekommen, hatte aber den nötigen Schwung gebracht und letztlich mit seinem Tor in der 84. Minute eine Niederlage abgewandt.
Zwischenzeitlich hatte es zuvor danach ausgesehen, dass Deutschland wie schon bei der WM 2018 in der Vorrunde scheitert und die Amtszeit von Bundestrainer Löw unrühmlich zu Ende geht.
Am Dienstag hat das DFB-Team im Londoner Wembley-Stadion gegen England nun die Chance, sich zu rehabilitieren und ins Viertelfinale einzuziehen.










