Gregor Kobel vom VfB Stuttgart wird bereits seit Wochen mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Nach dem Ende der Saison nimmt der Transfer-Poker um den 23 Jahre alten Torhüter kräftig Fahrt auf.
Wie teuer wäre Kobel und wie intensiv bemüht sich der BVB um den Keeper? Wie planen die Dortmunder überhaupt auf der Torwart-Position? Was macht Kobel so interessant für die Top-Klubs? Und wie könnte der VfB einen möglichen Abgang kompensieren? sport.de klärt die wichtigsten Fragen zu der Personalie.
Wie ist der Stand im Transfer-Poker um Gregor Kobel?
Das Interesse des BVB an seiner Position bestätigte Gregor Kobel nach dem letzten Bundesligaspiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld (0:2) am vergangenen Samstag selbst. "Dortmund ist auf jeden Fall ein Thema. Ich werde mir das anhören. Wir werden sehen", sagte der Schlussmann am "Sky"-Mikrofon. Er werde sich "in den nächsten Tagen" mit seinen Beratern zusammensetzen.
VfB-Sportchef Sven Mislintat bezifferte die Chancen auf einen Kobel-Verbleib nur noch auf "50:50". Das Werben um den Torhüter werde "heißer", offenbarte er im "SWR". "Das müssen wir leider so sagen. Es handelt sich am Ende des Tages um Champions-League-Klubs, die Interesse haben." Der VfB werde im Falles eines Wechsels aber "entsprechend dafür kompensiert", kündigte der frühere BVB-Kaderplaner an.
Diese Kompensation soll laut Medienberichten bei rund 15 bis 17 Millionen Euro liegen. Ein offizielles Dortmunder Angebot gebe es "Bild" zufolge allerdings bislang nicht. Klar scheint jedoch, dass auch andere Klubs, insbesondere aus der englischen Premier League, ihre Fühler nach Kobel ausstrecken. Der BVB steht in der Personalie also unter einem gewissen Zugzwang.
Wie plant der BVB auf der Torhüter-Position?
Auf dem Papier verfügt der BVB in Marwin Hitz und Roman Bürki über zwei Keeper mit gehobenem Bundesliga-Format. Dahinter nimmt der zumindest bis vor wenigen Jahren als Top-Talent gehandelte Luca Unbehaun die Rolle als Nummer drei ein.
Gänzlich zufrieden mit dieser Konstellation ist man in Dortmund jedoch nicht. Bürki verlor im Laufe der gerade abgelaufenen Saison seinen Stammplatz an Hitz, der wiederum aber auch nicht immer zu überzeugen wusste. Im sehr erfolgreichen Endspurt der Spielzeit, der mit dem Triumph im DFB-Pokal und dem Erreichen der Champions League in der Liga gipfelte, rückte verletzungsbedingt dann wieder Bürki ins Tor - und machte seine Sache tadellos.
Dennoch sollen beim BVB weiterhin Zweifel an seiner Konstanz und Eignung für allerhöchste Ansprüche bestehen. Mit dem Ball am Fuß sowie in der Strafraumbeherrschung gehört der Schweizer sicherlich nicht zu den Top-Torleuten der Liga. Großes Entwicklungspotenzial hat der inzwischen 30-Jährige zudem nicht mehr.
Klar scheint: Ein Torwart-Trio bestehend aus Bürki, Hitz UND Kobel wird es beim BVB auch aus finanziellen Gründen nicht geben. Den "Ruhr Nachrichten" zufolge wäre die Borussia aber gesprächsbereit, sollte Bürki sich verändern wollen und das Angebot eines anderen Klubs vorliegen.
Was macht Gregor Kobel so interessant für den BVB?
Mit seinen erst 23 Jahren gehört Kobel nicht nur zu den jüngsten Torhütern der Bundesliga, sondern auch schon zu den besten - zumindest auf die Leistungen in dieser Spielzeit bezogen.
Das Fachmagazin "kicker" führt den Noch-Stuttgarter mit einem Notenschnitt von 2,86 zusammen mit Koen Casteels (VfL Wolfsburg) im ligaweiten Torhüter-Ranking auf Rang vier. Besser sind nur Manuel Neuer (FC Bayern/2,8) sowie Stefan Ortega (Arminia Bielefeld/2,81) und Rafal Gikiewicz (FC Augsburg/2,85). Zum Vergleich: Bürkis "kicker"-Durchschnittsnote liegt bei 3,05. In der Statistik der gehaltenen Torschüsse liegt Kobel mit 117 abgewehrten Versuchen auf Rang drei hinter Ortega (134) und Gikiewicz (132).
Zudem bringt Kobel mit einer Größe von 1,94 Meter eine beeindruckende Physis mit. Er ist damit immerhin sieben Zentimeter größer als Bürki.
"Souveränität" strahle der Keeper aus, zudem halte er "wichtige Bälle", schwärmte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo, der Kobel darüber hinaus als "enormen Athleten" würdigte.
Eine weitere Stärke Kobels: das Vertrauen in die eigenen Qualitäten. "Das ist auf höchstem Level letztlich entscheidend. Bälle halten und gut passen kann auf dieser Stufe jeder", sagte der junge Torwart der Schweizer Nachrichtenagentur "Keystone-SDA".
Wie plant der VfB Stuttgart im Falle eines Kobel-Abgangs?
Unvorbereitet träfe ein Wechsel Kobels zum BVB die Stuttgarter Verantwortlichen nicht. Laut übereinstimmenden Medienberichten wäre in diesem Fall Florian Müller der Top-Kandidat der Schwaben. Der 23-Jährige gehört eigentlich dem FSV Mainz 05, war zuletzt aber an den SC Freiburg ausgeliehen - und überzeugte im Breisgau mit starken Leistungen.
Da er nur rund fünf bis sechs Millionen Euro kosten soll, würde ein Teil der möglichen Kobel-Ablöse für die Stuttgarter frei, um Corona-bedingte Finanzlöcher zu stopfen oder den Kader an anderer Stelle aufzuwerten.
Neben Müller wurde zuletzt auch Loris Karius gehandelt. Der 27-Jährige war im letzten Jahr vom FC Liverpool an Union Berlin verliehen. Er wäre im Sommer wohl für kleines Geld zu haben.
Womöglich kommt der Kobel-Nachfolger aber auch aus den eigenen Reihen: Ersatzkeeper Fabian Bredlow genießt beim VfB intern hohes Ansehen. "Er ist ein guter Torwart, der der Mannschaft auch in der Kabine guttut", lobte Matarazzo den 26-Jährigen zuletzt. Mislintat konstatierte, Bredlow sei "in vielen anderen Klubs mit Sicherheit die klare Nummer eins".
Tobias Knoop





























