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"Gentlemen's Agreement" birgt Brisanz

Riskanter BVB-Poker mit Jadon Sancho

Jadon Sancho könnte den BVB im Sommer verlassen
Jadon Sancho könnte den BVB im Sommer verlassen
Foto: © Ralf Ibing
25. Mai 2021, 08:23
sport.de
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Die nötigen Kader-Korrekturen bei Borussia Dortmund könnten zu großen Teilen durch einen Verkauf von Offensiv-Star Jadon Sancho finanziert werden. Doch ein schneller Abschied des Engländers deutet sich nicht an. So droht dem BVB planungstechnisch eine Zwickmühle.

Als Jadon Sancho im abschließenden Bundesliga-Spiel der Saison 2020/2021 gegen Bayer Leverkusen nach 63 Minuten eingewechselt wurde, schien der 21 Jahre alte Tempodribbler gut gelaunt.

Wohlwissend, dass er einen entscheidenden Teil zur jüngsten Aufholjagd auf die Champions-League-Plätze beigetragen hatte, konnte Sancho in der Schlussphase befreit aufspielen.

Dass er diesmal nur als Joker zum Einsatz kam, störte ihn kaum, schließlich waren die letzten Monate auch für den designierten EM-Teilnehmer extrem kräftezehrend gewesen - und das paneuropäische Turnier beginnt bereits in wenigen Wochen.

Während sich am Samstag nun fast alle Blicke auf den scheidenden Lukasz Piszczek richteten, geriet Sanchos womöglich finaler Auftritt in der Bundesliga ein wenig in den Hintergrund. Dabei droht der deutschen Eliteklasse der Verlust einer großen Attraktion - und dem BVB ein Planungs-Dilemma.

"Gentlemen's Agreement" zwischen BVB und Jadon Sancho

Obwohl Sancho in der abgelaufenen Spielzeit zunächst nur schwer in Tritt kam und trotz Steigerung in der Rückrunde nicht an seine Scorerwerte aus den Vorjahren herankam (20/21: 21 Torbeteiligungen - 19/20: 34 - 18/19: 30), buhlen die Top-Vereine Europas nach wie vor um ihn.


Mehr dazu: So ist der Stand im Transfer-Poker um BVB-Star Jadon Sancho


In Dortmund hat man sich schon lange auf einen Verkauf des Angreifers vorbereitet, vor allem in seiner englischen Heimat ist Sancho überaus begehrt. Manchester United, Manchester City und der FC Liverpool gelten als aussichtsreichste Bewerber.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc stellte erst kürzlich klar, dass ein Wechsel von Sancho auch in diesem Sommer wieder möglich sei.

"Wir haben mit Jadon schon im vergangenen Jahr ein Gentlemen's Agreement gehabt, dass er unter bestimmten Voraussetzungen wechseln kann", erläuterte der 58-Jährige im Rahmen des Pokal-Halbfinals gegen Holstein Kiel.

Bislang wurden ebenjene Voraussetzungen aber nie erfüllt, genauer gesagt: Kein Interessent war bereit, die aufgerufenen 120 Millionen Euro zu bezahlen.

Mittlerweile soll die Borussia von ihrer ursprünglichen Forderung jedoch abgerückt sein und "nur" noch 100 Millionen Euro aufrufen. Ob ein Klub bereit ist, in Corona-Zeiten eine neunstellige Summe zu investieren, ist nun eine der spannendsten Fragen der anstehenden Transferphase.

BVB sucht Mittelweg zwischen Geduld und sanftem Druck

Ebenso unklar ist, wie der BVB in der Causa Sancho verfahren will. Gemeinhin wird erwartet, dass Deals in dieser Größenordnung erst nach der EM getätigt werden, vielleicht sogar erst nach Saisonbeginn.

Doch wie lange wollen die Dortmunder Verantwortlichen warten, bis sie der Spielerseite und/oder möglichen Abnehmern eine Deadline setzen?

Marco Rose, der die Borussia ab Juli trainiert, wird seinen Kader so schnell wie möglich beisammen haben wollen. Auch bei Zorc dürfte Planungssicherheit höchste Priorität besitzen, denn: die durchaus vorhandenen Baustellen im Team (Außenverteidigung, offensive Flügel) können nur mit frischem Geld adäquat ausgebessert werden.

Fest steht außerdem: Eine Hängepartie wie einst bei Ousmane Dembélé, der 2017 nach einem quälend langen Tauziehen auf den letzten Drücker nach Barcelona ging und den BVB zu einer Last-Minute-Einkaufstour zwang, soll unbedingt vermieden werden.

Andererseits soll Sancho, dessen Vertrag noch bis 2023 gültig ist, keinesfalls verramscht werden. Einen Mittelweg zwischen Geduld und sanftem Druck zu finden, dürfte für die schwarz-gelben Entscheidungsträger von elementarer Bedeutung sein. Ein riskantes Spiel.

EM könnte Spielerpreise explodieren lassen

Derzeit ist kein Szenario ausgeschlossen - weder ein Multi-Millionen-Transfer von Sancho bis zum Ende der Wechselfrist, noch ein Verbleib beim DFB-Pokalsieger.

Beeinflusst werden könnte die Gemengelage noch durch die Europameisterschaft, die Spielerwerte in kürzester Zeit explodieren lassen kann.

Fluch und Segen für den BVB: Im Idealfall könnte Sanchos Marktpreis durch ein starkes Turnier nochmal deutlich steigen, das gilt freilich auch für mögliche Nachfolge-Kandidaten, die plötzlich begehrter und damit teurer werden könnten.

Doch ohne Einnahmen keine (oder nur geringe) Ausgaben - das gilt in diesem Jahr auch für einen Verein wie Borussia Dortmund, dessen finanzieller Spielraum pandemiebedingt geringer ist als gewohnt.

Fragt sich, wie lange man beim BVB auf Klarheit warten will.

Heiko Lütkehus

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