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Bremen erlebt völlig verkorkste Transferperiode

Kommentar zu Werder: Das war Baumanns Bankrotterklärung

Frank Baumann muss sich für seine Arbeit bei Werder Bremen Kritik gefallen lassen
Frank Baumann muss sich für seine Arbeit bei Werder Bremen Kritik gefallen lassen
Foto: © unknown
06. Oktober 2020, 15:54
sport.de
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Nach einem komplett misslungenen Deadline Day herrscht im Umfeld von Werder Bremen Fassungslosigkeit über die Transferpolitik des Fast-Absteigers. Die Verantwortlichen haben erneut einen miserablen Job gemacht. Eine Analyse.

Als Frank Baumann am Montagabend vor die Presse trat und mit einem Schmunzeln verkündete, dass Werder Bremens diesjährige Überraschung am letzten Tag der Wechselperiode sei, eben "keine Überraschung" auf Lager zu haben, blieb vielen Beobachtern das Lachen im Halse stecken.

Denn jeder, der diesen Verein in den vergangenen 15 Horror-Monaten erlebt und tatsächlich geglaubt hatte, der Tiefpunkt sei nach der Last-Minute-Rettung in der Relegation überwunden, sah sich eines Besseren belehrt. Die Quintessenz: Es geht tatsächlich noch schlechter.

Am Deadline Day haben die finanziell extrem angeschlagenen Hanseaten ihren Vize-Kapitän Davy Klaassen für elf Millionen Euro an Ajax Amsterdam verkauft. Baumann betonte hernach wieder einmal, wie dringend man auf das Geld angewiesen gewesen sei und wie sehr die Coronakrise dem Verein geschadet habe.

Dass er und seine Kollegen in der sportlichen Führung zu einem großen Teil aber selbst schuld sind an der Misere, verschwieg der Manager.

Verständlich, warum sollte er auch vor den anwesenden Journalisten zugeben, dass die überteuerten Kaufpflichten für Leonardo Bittencourt (sieben Millionen Euro), den dauerverletzten Ömer Toprak (vier Millionen Euro) und Davie Selke (15 Millionen Euro) eine Schnapsidee waren?

Großen Worten folgen keine Taten

Mit Selbstkritik haben sie es in Bremen seit längerem nicht so, auch wenn öffentliche Aussagen wie "Natürlich haben wir auch Fehler gemacht" nach außen hin einen reflektierten Eindruck erwecken. Denn gelernt haben sie offenbar nichts.

Werder wollte den Kader verjüngen und den Gehaltsetat senken - das hat immerhin geklappt. Doch was übrig bleibt, ist ein konfus zusammengestelltes, unbalanciertes Gemisch aus Talenten, chronischen Underperformern und einigen wenigen Leistungsträgern.

Die mehrfach angekündigte und dringend benötigte Verstärkung für das defensive Mittelfeld kam nicht, und als sei das nicht genug wurde auch kein Ersatz für den immens wichtigen Klaassen mehr geholt.

Angeblich auch, da man vermehrt jungen Spielern vertrauen will. Offenbar meinte Baumann damit die Neuzugänge beziehungsweise Leih-Rückkehrer Patrick Erras, Felix Agu, Tahith Chong, Manuel Mbom und Romano Schmid.

Einer davon (Mbom) spielte zuletzt tatsächlich eine Rolle, ein weiterer war Kurzzeitjoker (Chong), der Rest Bankwärmer (Agu) oder Tribünengast (Erras, Schmid).

Rashicas Wechselbad der Gefühle ohne Happy End

Dass Werder in den Monaten nach dem haarscharf abgewendeten Abstieg nicht in der Lage war, das Team kostengünstig zu verstärken(!), wirft kein gutes Licht auf die Scoutingabteilung der Bremer. Keiner hat Multi-Millionen-Deals erwartet, doch was am Ende gemacht oder eben nicht gemacht wurde, gleicht einer sportlichen Bankrotterklärung.

Da passt es durchaus ins Bild, wie grotesk der Deadline Day für den seit langem wechselwilligen Milot Rashica verlief. Der Kosovare, dessen Verkauf fest eingeplant war und der daher in der Vorbereitung immer wieder geschont wurde, sollte auf den letzten Drücker nach Leverkusen verliehen(!) werden. Wohl gemerkt zu einem Zeitpunkt, als laut Baumann bereits feststand, dass kein Neuer mehr geholt werden würde.

Das Ende vom Lied: Die Bremer wurden sich mit Bayer nicht rechtzeitig einig, der Wechsel platzte. Entsprechend frustriert soll Rashica nun sein.

Und so steht Trainer Florian Kohfeldt nun mit einer Mannschaft da, die zu viele Verteidiger und Stürmer hat, zugleich aber kaum bundesligataugliche Mittelfeldspieler. Der vermeintlich Beste davon, Maxi Eggestein, steckt seit über einem Jahr im Formtief.

Sich in jüngerer Vergangenheit nur an der Resterampe bedient zu haben, rächt sich jetzt. Werder Bremen hat sich komplett verrannt und muss mit dem jetzigen Personal mehr denn je um den Klassenerhalt zittern - daran ändern auch die mit einer Menge Glück zusammengehamsterten sechs Punkte zum Saisonstart nichts.

Heiko Lütkehus

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