Zum Feiern hatte Benedikt Doll keine Kraft mehr. Der Ex-Weltmeister genoss seinen ersten Weltcupsieg der Saison still und zurückgezogen. Der überraschende Triumph soll für ihn und das gesamte deutsche Team eine Initialzündung sein.
Nicht einmal ein Gläschen Sekt gönnte sich der glückliche, aber auch hundemüde Benedikt Doll. "Ich habe mit meiner Frau ein bisschen geschwätzt, aber eine Feier gab es nicht. Nach den vielen Wettkämpfen geht man auf dem Zahnfleisch, da braucht man vor allem Ruhe", sagte der Überraschungssieger im Sprint zum Auftakt des Biathlon-Weltcups im französischen Le Grand Bornand dem "SID".
Eine Party anlässlich seines erst zweiten Weltcupsieges fast drei Jahre nach seinem WM-Titel wäre auch unangebracht gewesen. Schließlich geht Doll am Samstag (13:00 Uhr) in der Verfolgung als Erster in die Loipe.
Die ungewohnte Rolle des Gejagten behagt Doll weniger. "Das Gefühl finde ich nicht so toll, vorne wird man oft etwas nervös", sagte der 29-Jährige aus Breitnau: "Und die Norweger werden mich auf jeden Fall jagen."
Der Vorsprung von neun Sekunden auf den Norweger Tarjei Bö sei zwar "nett", findet Doll, "aber den werden die starken Norweger schon in der ersten Runde zulaufen."
Doch sein famoser Sieg im Sprint, bei dem er erst zum vierten Mal in seiner Karriere ohne Fehlschuss blieb, gab Doll neues Selbstvertrauen. "Wenn ich beim Schießen wieder so abliefere, kann ich sicher vorne mitlaufen", sagte Doll: "Ich habe auf jeden Fall große Lust."
Doll: "Leistungskurve geht steil bergauf"
Es scheint, als sei bei Doll und auch seinen Teamkollegen eine große Last von den Schultern gefallen. In den vorherigen vier Einzelrennen des Winters hatte das Männer-Team des Deutschen Skiverbandes keinen Podestplatz verbuchen können.
Nach dem nur hauchdünn verpassten Sieg in der Staffel von Hochfilzen am vergangenen Sonntag und Dolls Triumph-Lauf am Donnerstag sehen sich die deutschen Biathleten aber wieder in der Erfolgsspur.
"Als es nicht lief, waren wir nicht deprimiert, haben nicht verrückt gespielt", sagte Doll: "Die Leistungskurve geht steil bergauf." Das gilt auch für die Trefferquote beim Schießen, was vor allem Bundestrainer Mark Kirchner freut. "Er steht am Schießstand und musste vorher immer mit ansehen, wie wir patzen", sagte Doll: "Das war sicher eine harte Geduldsprobe."
Nach dem Ende des Weltcups in Le Grand Bornand, der mit milden Temperaturen fast Frühlingsgefühle verbreitete, freut sich Doll auf den Weihnachtsurlaub zu Hause im Schwarzwald.
"Der Wetterbericht sagt Schneefall voraus", so Doll: "Da können meine Frau und ich zu Hause trainieren." Auch an Heiligabend - Doll will schließlich auch im neuen Jahr überraschen.