Urplötzlich ist eine neue Option für den FC Bayern auf dem internationalen Trainermarkt aufgetaucht: Mauricio Pochettino. Womöglich bereiten die Münchner die Verpflichtung des ehemaligen Teammanagers von Tottenham Hotspur bereits vor.
Das Aus des auch in München geschätzten Argentiniers beim Champions-League-Gruppengegner löst zwangsläufig Gedankenspiele aus, auch wenn der deutsche Fußball-Rekordmeister gerade erst Hansi Flick "mindestens" bis zum Jahresende als Chefcoach ausgerufen hat. Aber was folgt im Winter? Oder im kommenden Sommer?
Gleich nach dem fulminanten 6:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland sah sich Bayern-Profi Joshua Kimmich in der Frankfurter Arena mit dem Namen Pochettino konfrontiert. "Ich weiß nicht, ob er ein Kandidat für uns ist", äußerte der 24-Jährige zurückhaltend. Kimmich sagte aber auch: "Er ist ein Top-Trainer."
Diese Meinung ist auch unter den Bayern-Bossen konsensfähig. Rund um den spektakulären 7:2-Erfolg der Münchner beim letztmaligen Königsklassen-Finalisten in London am 1. Oktober äußerte sich auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge positiv über den Argentinier.
"Pochettino ist ein Mann, der ähnlich wie wir auf Ballbesitz, auf Offensivgeist spielt und sich nicht defensiv groß um den Gegner kümmert", sagte Rummenigge damals auf der Anreise nach London. Wichtiger Zusatz: "Das ist bei uns eigentlich auch der Fall."
FC Bayern: Salihamidzic ist Fan von Mauricio Pochettino
Der FC Bayern sucht bekanntlich nach der Trennung von Niko Kovac einen Trainer, der eine Philosophie vertritt, die zum Verein und zur aktuellen Mannschaft passt. Rummenigge würdigte die Entwicklung der Spurs in fünf größtenteils erfolgreichen Jahren unter Pochettino so: "Tottenham ist ein Farbfleck in dieser Fußballwelt."
Sportdirektor Hasan Salihamidzic soll schon längere Zeit ein Fan des nicht Deutsch sprechenden Südamerikaners sein. Er bezeichnete Pochettino auf dem jüngsten London-Trip als "guten Trainer".
Am Rande des Audi Cups im Sommer, bei dem Tottenham in der Münchner Arena die Bayern im Finale besiegte, sprach Salihamidzic mit dem 47 Jahre alten Ex-Profi. Die Zusammenarbeit zwischen Pep Guardiola und den Bayern (2013 bis 2016) wurde auch mal im Rahmen dieses Turniers angebahnt.
Tottenham handelte übrigens schnell: Der Portugiese José Mourinho wurde von dem Premier-League-Club als neuer Chefcoach präsentiert.
Guardiola und Tuchel wohl aus dem Rennen
Pochettino besitzt gegenüber anderen Bayern-Kandidaten wie Guardiola (Manchester City), Erik ten Hag (Ajax Amsterdam) oder Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain) einen wichtigen Vorteil: Er ist nun nicht mehr an einen Verein gebunden und wäre sofort verfügbar.
Ex-Coach Guardiola soll zudem nach Informationen des "kicker" überhaupt nicht an einer vorzeitigen Vertragsauflösung bei Manchester City interessiert sein. Das Arbeitspapier des Spaniers läuft noch bis 2021. Im Anschluss daran denke er wohl eher an eine einjährige Auszeit als ein sofortiges Engagement bei einem anderen Klub.
Tuchel hingegen soll laut des Sportmagazins zwar weiterhin in Kontakt mit den Bayern-Bossen stehen. Auch der Ex-BVB-Trainer ist aber noch eineinhalb Jahre an seinen derzeitigen Klub gebunden.
Mauricio Pochettino kann Spieler besser machen
Pochettino hat in London bewiesen, dass er eine Mannschaft und auch einzelne Spieler entwickeln kann. Paradebeispiele sind Torjäger Harry Kane oder dessen englischer Nationalmannschaftskollege Dele Alli.
"Als Manager bin ich sehr fair, aber die Disziplin ist sehr wichtig", äußerte der 47-Jährige über sich. Er führte die Spurs in der letzten Saison sogar bis ins Champions-League-Finale, das Tottenham gegen den FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp verlor.
"Was man sagen kann, ist, dass es Tottenham über Jahre top gemacht hat. Sie haben eine Riesenkonstanz", äußerte Kimmich zum Wirken von Pochettino: "Aber ich weiß nicht, ob er für uns in Frage kommt."
Das Potenzial des Bayern-Kaders kennt er aber spätestens seit der krachenden Heimniederlage gegen die Münchner vor wenigen Wochen. Poschettino dürfte für etliche Topvereine reizvoll sein.
Mehr dazu: José Mourinho übernimmt die Spurs: So reagiert das Netz
Ob die Bayern für Pochettino infrage kämen, ist (noch) nicht bekannt. Laut "Bild" loten die Münchner eine Verpflichtung des Trainers jedenfalls aus. Und: Wie das Boulevard-Blatt weiter berichtet, trafen sich Rummenigge und Salihamidzic am Mittwochvormittag in einem Münchner Restaurant mit ihrem bevorzugten Transfer-Vermittler Giovanni Branchini - um die Pochettino-Verpflichtung vorzubereiten?
Hansi Flick beim FC Bayern im Blickpunkt
In München rückt aber erstmal wieder Hansi Flick in den Blickpunkt. Der 54-Jährige hat mit den zwei Siegen gegen Olympiakos Piräus und Borussia Dortmund einen sepktakulären Start hingelegt. "In den ersten beiden Spielen hat es gut geklappt", sagte Kimmich zu Flick.
Allerdings fängt der Alltag erst jetzt nach der Länderspielpause richtig an. Acht Partien stehen bis Weinhachten an. "Wir hatten ehrlicherweise zwei Spiele und drei Trainings unter ihm", bemerkte Kimmich. Flick habe "erstmal die Aufmerksamkeit auf das Spiel gegen den Ball gerichtet. Die Basis ist, zu null zu spielen. Das haben wir bisher unter ihm gemacht", sagte Kimmich.
Flick durfte sich vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel in Düsseldorf an diesem Samstag erstmal freuen, dass etliche seiner Spieler mit Erfolgserlebnissen von den Nationalmannschaften zurückkehren. Serge Gnabry traf dreimal für Deutschland, Leon Goretzka war zweimal gegen Nordirland erfolgreich.
Torjäger Robert Lewandowski traf für Polen, Philippe Coutinho für Brasilien und Ivan Perisic für Kroatien. Flick freut sich erstmal auf intensive Wochen bis zur Weihnachtspause. Er sei "vollkommen relaxed", sagte er bislang zur eigenen Zukunft.

























