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Vom Ausbildungs- zum Einkäuferklub

Warum der BVB ein Nachwuchsproblem hat

Luca Kilian (M.) verließ den BVB im Sommer Richtung SC Paderborn
Luca Kilian (M.) verließ den BVB im Sommer Richtung SC Paderborn
22. November 2019, 07:10
sport.de
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Wenn Borussia Dortmund am Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in der Bundesliga den SC Paderborn empfängt, stehen nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Mats Hummels oder Marco Reus im Fokus. Auch auf Paderborns Abwehr-Talent Luca Kilian werden viele Augen gerichtet sein. Denn der Ex-Dortmunder verkörpert das große Problem der Nachwuchsarbeit des BVB.

In Dortmund geboren, Ausbildung in frühen Jahren beim Hombrucher SV, wo einst ein gewisser Mario Götze das Fußballspielen lernte, Wechsel mit zwölf Jahren zum BVB.

Nominierungen für die DFB-Auswahlmannschaften seit der U18, Gewinn der A-Junioren-Meisterschaft 2017, als 19-Jähriger Stammspieler im Regionalliga-Team. Trotz der Körpergröße von 1,92 Meter vielseitig einsetzbar, in der Abwehr, zentral und als Rechtsverteidiger sowie im defensiven Mittelfeld.

Bei einem Blick auf Werdegang und Profil von Luca Kilian lag bis zum Sommer eigentlich nur ein Szenario nahe: eine Bundesliga-Karriere bei seinem Ausbildungsklub Borussia Dortmund - früher oder später.

Wie man mittlerweile weiß, geschieht dies wohl eher nie. Denn seinen ersten Profi-Vertrag unterzeichnete der Rechtsfuß nicht beim BVB, sondern beim SC Paderborn. Im Ruhrgebiet sah man scheinbar keine Verwendung für den Verteidiger.

BVB gibt über 100 Millionen Euro für Defensiv-Spieler aus

Das liegt auch an der Dortmunder Transfer-Strategie der letzten Jahre. Um kurzfristigen Erfolg möglich zu machen, benötigt der BVB in der Defensive immer wieder Soforthilfe. Und die kommt eben in der Regel nicht aus dem eigenen Nachwuchs-Pool.

2016 schnappten sich die Schwarz-Gelben Innenverteidiger Marc Bartra. 2017 verpflichtete man Ömer Toprak und Dan-Axel Zagadou, ein halbes Jahr später folgte Manuel Akanji, wiederum nur sechs Monate später Abdou Diallo. 2019 kam zunächst der immerhin 16 Millionen Euro teure argentinische Perspektivspieler Leonardo Balerdi, dann griff der BVB mit Mats Hummels ins oberste Regal. Zählt man die Außenverteidiger ebenfalls mit hinzu, ist die Liste noch länger.

Mit schöner Regelmäßigkeit setzt der ambitionierte Champions-League-Teilnehmer also seinem eigenen Defensiv-Nachwuchs externe Abwehrspieler vor die Nase - und greift dafür tief in die Tasche. Rund 116 Millionen Euro investierte der BVB allein für die genannten Spieler.

Dass in Dortmund mühsam ausgebildete Talente irgendwann das Weite suchen, ist nur die logische Konsequenz - und Kilian bei Weitem nicht das einzige Beispiel.

Talente des BVB suchen lieber das Weite

Aus dem U19-Kader, der in der vergangenen Spielzeit die Meisterschaft gewann, landete eine ganze Reihe an Talenten bei anderen Profi-Klubs. Enrique Pena läuft mittlerweile für den SV Sandhausen auf. Auch Tobias Mißner (SV Wehen Wiesbaden), Robin Kehr (SpVgg Greuther Fürth) oder Paul-Philipp Besong (1. FC Nürnberg) begannen ihre Profi-Karriere in der 2. Bundesliga. Yassin Ibrahim verschlug es in die 3. Liga zu den Würzburger Kickers.

Für die Perspektivspieler, die sich beim BVB durchsetzen wollen, wird die Situation trotz dieses Aderlasses nicht einfacher. Tobias Raschl beispielsweise, immerhin mit einem Profi-Vertrag bis 2022 ausgestattet und in der Saisonvorbereitung mehrfach eingesetzt, hat genau genommen überhaupt keine Perspektive im Team von Trainer Lucien Favre.

Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld tummeln sich Spieler wie Axel Witsel, Julian Weigl, Thomas Delaney oder Mahmoud Dahoud. Vorerst wird Raschl daher bei der U23 geparkt.

Gut möglich, dass sich der 19-Jährige bald schon in die Reihe der Dortmunder Leihspieler einreiht, wie Dzenis Burnic (Dynamo Dresden) oder Felix Passlack (Fortuna Sittard), die ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs stammen.

Luca Kilian erhält Chance in der Bundesliga - aber nicht beim BVB

Auch der Neu-Paderborner Kilian verdeutlicht die fehlende Durchlässigkeit zwischen Juniorenabteilung und Profi-Team beim BVB.

Und er zeigt, wie es gehen kann: Nach kurzer Eingewöhnungszeit beim Aufsteiger feierte der mittlerweile 20-Jährige ausgerechnet gegen den FC Bayern sein Bundesliga-Debüt. Im Duell mit Robert Lewandowski, den derzeit wohl besten Mittelstürmer der Welt, zeigte der Youngster eine ordentliche Leistung.

Nur beim Treffer des Polen zum zwischenzeitlichen 1:3 war er "im Kopf ein bisschen zu langsam", wie Kilian selbst danach im "kicker" einräumte. "Das hat mit Erfahrung zu tun, die man sammelt." Das Vertrauen von SCP-Coach Steffen Baumgart, der auf die "Weiterentwicklung" seines Schützling setzt, hat er jedenfalls.

Sieben Pflichtspiele absolvierte Kilian bislang für Paderborn. Gegen den BVB wird das nächste mit Sicherheit folgen. Langfristig wird er wohl Uwe Hünemeier oder Christian Strohdiek, zwei Routiniers, der eine sogar Kapitän, als Stammkraft in der Abwehrzentrale ablösen.

Dass Kilian angesichts der großen Konkurrenz beim BVB kein Kandidat für die Startelf wäre, ist logisch. Überhaupt die Chance zu bekommen, sich auf höchstem Niveau zu beweisen, wäre in Dortmund dieser Tage aber ebenso undenkbar. Besser als am Freitag im direkten Duell könnte er das seinem Ausbildungsklub nicht verdeutlichen.

Gerrit Kleiböhmer

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