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15 Millionen Euro für einen Regionalligaspieler

Balerdi beim BVB: Zukunftshoffnung oder Missverständnis?

Leonardo Balerdi spielt bislang keine Rolle beim BVB
Leonardo Balerdi spielt bislang keine Rolle beim BVB
Foto: © unknown
09. Oktober 2019, 13:21
sport.de
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Am Mittwoch winkt Leonardo Balerdi sein Debüt im Signal Iduna Park. Allerdings nicht im Trikot seines heimischen Klubs Borussia Dortmund, sondern in dem der argentinischen Nationalmannschaft. Während der junge Innenverteidiger bereits zum zweiten Mal für die Albiceleste nominiert wurde, spielt er unter BVB-Trainer Lucien Favre überhaupt keine Rolle. Doch warum verzichtet der Schweizer vehement auf Balerdi?

Trotz der Rückkehr von Routinier Mats Hummels ist die BVB-Defensive in dieser Saison alles andere als sattelfest. Abstimmungsprobleme und individuelle Fehler unterlaufen sowohl Hummels als auch Manuel Akanji. Dennoch hält Favre an seinem Innenverteidiger-Duo fest.

Die hohe Fehleranfälligkeit sollte eigentlich eine Chance für Youngster Leonardo Balerdi sein. Doch der Argentinier schafft es zumeist nicht einmal in den Kader und muss stattdessen bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga aushelfen.

In der aktuellen Saison gehörte Balerdi lediglich gegen Werder Bremen (2:2) zum Profiteam. Nach dem Ausfall von Mats Hummels erhielt sogar der gelernte Mittelfeldspieler Julian Weigl den Vorzug in der Innenverteidigung.

Obwohl der Youngster seit Januar zum BVB gehört, scheint er noch nicht richtig beim Revierklub und in der Bundesliga angekommen zu sein. "Er braucht Zeit. Europa und Argentinien sind anders. Das Tempo ist höher. Er braucht Zeit aber das ist normal, es war so geplant", begründet Favre seinen Verzicht auf Balerdi.

"Perspektivischer Transfer" für 15 Millionen Euro

Schon bei der Verpflichtung im Januar bezeichnete Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc den Neuzugang als "perspektivischen Transfer" und lobte ihn als "intelligenten, zweikampf- und kopfballstarken Innenverteidiger" mit einem guten Aufbau- und Passspiel.

"Wir sind sehr froh, dass er sich für uns entschieden hat und sind überzeugt, dass er uns mit seinem Talent in Zukunft weiterhelfen wird", so Zorc damals. Im Poker um das verheißungsvolle argentinische Talent hatte der BVB namhafte Konkurrenten wie den FC Barcelona und Juventus Turin ausgestochen.

Satte 15 Millionen Euro überwies Dortmund an die Boca Juniors. Für einen Spieler, der bislang noch nie für die Profis zum Einsatz kam, eine ordentliche Summe. Balerdi gehört immerhin zu den 20 teuersten Transfers, die die Schwarz-Gelben jemals getätigt haben.

Balerdi offenbart Probleme mit der deutschen Sprache

Bei seiner Vorstellung wirkte Balerdi noch völlig euphorisch. "Ich habe Tage lang darauf gehofft und bin sehr froh, nun hier zu sein", sagte der damals noch 19-Jährige gegenüber "BVB-TV" und ergänzte: "Ich mag es zu attackieren, ich bin aggressiv. Wenn ich mir das Trikot anziehe, dann kämpfe ich dafür bis zum Umfallen und versuche, immer erfolgreich zu sein."

Einige Monate später hat sich Ernüchterung bei Balerdi breit gemacht. "Der Amtsinhaber in meiner Position ist Mats Hummels, er hat viel Erfahrung. Ich versuche, von ihm zu lernen", gab sich der Abwehrspieler in der Radiosendung "El show de Boca" kleinlauter und offenbarte, dass er große Probleme mit der deutschen Sprache hat: "Deutsch ist für mich sehr kompliziert."

Nach den Abgängen von Ömer Toprak (Werder Bremen) und Abdou Diallo (Paris Saint-Germain) hatte sich Balerdi wohl (berechtigte) Hoffnungen gemacht, zumindest regelmäßig auf der BVB-Bank Platz nehmen zu dürfen.

Immerhin bestritt er die gesamte Vorbereitung mit den Profis, kam bei der US-Tour bei den Testspielen gegen Seattle Sounders und gegen den FC Liverpool zum Einsatz und überzeugte dabei mit gutem Zweikampfverhalten sowie starken Balleroberungen.

Sebastian Kehl appelliert an die Geduld

Dass Balerdi in den Planungen von Favre selbst bei einem Engpass in der Innenverteidigung überhaupt keine Rolle spielt, wirft Fragen auf. 15 Millionen Euro für einen Spieler auszugeben, der auch nach rund zehn Monaten Eingewöhnungszeit nur in der Regionalliga spielt, kann sich der BVB eigentlich nicht erlauben.

Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung appellierte zuletzt an die Geduld: "Er wird bei uns seine Chance bekommen", sagte er dem "kicker" und prognostizierte "einen Schub" bei Balerdi durch die Einsätze in der argentinischen Nationalmannschaft.

Auch der 20-Jährige verspricht sich viel von einem möglichen Debüt im BVB-Stadion. "Wenn ich hier in Dortmund das Trikot der Nationalmannschaft anziehen könnte, vor diesem Publikum hier, das wäre natürlich etwas ganz Besonderes", sagte er den "Ruhr Nachrichten".

Bleibt aus BVB-Sicht zu hoffen, dass sich der Balerdi-Deal nicht als großes Missverständnis entpuppt.

Lissy Beckonert

 

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