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"Habe Fußball-Romantik schon lange verloren"

Hoffenheims Belfodil schließt einen Wechsel nicht aus

Ishak Belfodil trifft derzeit wie am Fließband
Ishak Belfodil trifft derzeit wie am Fließband
Foto: © getty, Adam Pretty
23. April 2019, 12:32

Stürmer Ishak Belfodil von der TSG Hoffenheim ist der "Spieler der Stunde" in der Fußball-Bundesliga. Der Werdegang des 27-Jährigen ist äußerst ungewöhnlich.

Ab und zu kickt Ishak Belfodil immer noch mit seinen alten Freunden in Elancourt. Dabei gilt der Pariser Vorort nicht unbedingt als idealer Platz für Freizeitaktivitäten. Gewalt, Drogenhandel und Kriminalität in jeder Fasson sind in dem 25.000 Einwohner zählenden Banlieue an der Tagesordnung. Den Torjäger des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim, der in den vergangenen fünf Partien mit sieben Toren und vier Vorlagen glänzte, zieht es dennoch immer wieder an den Ort seiner Jugend zurück.

"Ich hatte hier eine schöne Kindheit, auch wenn wir nicht viel besaßen", sagte Belfodil dem TSG-Magazin "Spielfeld": "Die Kinder aus dem Viertel und ich haben ständig Fußball gespielt, wir hatten viel Spaß. Auch wenn es dort Leute gab, die aufgrund von Armut, Arbeitslosigkeit und fehlender Perspektive auf dumme Gedanken gekommen sind."

Diese Sorgen plagen die Familie Belfodil aufgrund des Erfolgs von Ishak längst nicht mehr. Und dennoch lebt der "Clan" des gebürtigen Algeriers mit den drei Schwestern und zwei Brüdern nach wie vor in Elancourt.

Odyssee auf dem Transfermarkt

Die Familie will aus dem arabisch und afrikanisch geprägten Ort nicht weg. Und auch der TSG-Profi ist nach wie vor gerne gesehen. "Wenn ich zurückkomme, bin ich kein Star", betonte Belfodil. Die alten Kumpels "freuen sich für mich, dass ich es geschafft habe", äußerte der 27-Jährige: "Für sie fühlt es sich dadurch ein bisschen so an, als hätten sie es auch geschafft."

Um den Durchbruch zu schaffen, ging Belfodil früh auf Reisen. Mit 16 Jahren brach er zu einer Odyssee auf. Lyon, Bologna, Parma, Mailand, Abu Dhabi, Lüttich, Bremen - das waren die Stationen des Stürmers, bevor er in Hoffenheim landete und einen Vertrag bis 2022 unterschrieb. 5,5 Millionen Euro hat die TSG im vergangenen Sommer für Belfodil an Standard Lüttich überwiesen, zuvor hatten die Belgier den Stürmer an Werder ausgeliehen. Heidelberg ist die aktuelle Heimat von Belfodil, der mittlerweile fünf Sprachen spricht. Am Neckar wohnt er mit seiner Frau und den beiden Kindern.

Doch wohin Belfodil in der Vergangenheit auch immer reiste - der Antrieb für die Anstrengungen lag immer in Elancourt. "Ich wusste, dass ich außerhalb meines Viertels das Doppelte leisten muss, um die gleichen Chancen zu haben", sagte der wuchtige Angreifer, für den mittlerweile 15 Saisontore zu Buche stehen: "Hinzu kommt, dass man nicht nur an sich denkt, sondern an die ganze Familie, die viele ärmerer Mitglieder hat."

Und obwohl sich Belfodil bei der TSG "sehr wohl" fühlt, hält er deshalb nichts von Treueschwüren: "Es ist normal, dass man sich mit jedem Angebot auseinandersetzt", äußerte der algerische Nationalspieler: "Die Fußball-Romantik habe ich schon lange verloren."

Nagelsmann riet zur Geduld

Romantische Gefühle fehlten bei Belfodil auch in seiner Anfangszeit in Hoffenheim, wo er unter anderem wegen einer verpassten Videositzung aus dem Kader für das erste Spiel in der Champions League bei Schachtjor Donezk geworfen wurde.

Doch mittlerweile schwärmt Trainer Julian Nagelsmann von seinem "Krokodil", das in den vergangenen Wochen sogar zwei Tore (Schiedsrichter-Fehler und Abstauber von Sturmkollege Andrej Kramaric kurz vor der Torlinie) geklaut bekam.

"Es ist normal bei uns, dass Neuzugänge ein bisschen Zeit brauchen. Im Winter war er nicht ganz zufrieden. Wir haben ihm zur Geduld geraten", sagte Nagelsmann: "Nun ist seine Bilanz außergewöhnlich. Mittlerweile können seine Mitspieler seine Qualitäten besser einschätzen. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten beim Eins-gegen-Eins, läuft sich im richtigen Moment frei. Er hat Tempo und ist eklig zu verteidigen."

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