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Borussia für den Routinier nur zweite Wahl

Filipe Luís beim BVB: Null Risiko und doch ein Wagnis

Wechselt Filipe Luís (r.) im Sommer ablösefrei zum BVB?
Wechselt Filipe Luís (r.) im Sommer ablösefrei zum BVB?
16. April 2019, 10:32
sport.de
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Das Interesse an Linksverteidiger Filipe Luís hat Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund bereits offen zugegeben. Nun wird der Transfer des Atlético-Routiniers zum BVB immer konkreter. Für die Schwarz-Gelben wäre der Deal allerdings ein Wagnis - obwohl auf den ersten Blick keinerlei Risiko besteht.

Englischer Meister und Ligapokalsieger mit dem FC Chelsea, spanischer Meister und Pokalsieger mit Atlético Madrid. Hinzu kommen zwei Europa-League-Titel und zwei UEFA-Supercup-Erfolge sowie über 500 Pflichtspiele in den wichtigsten Wettbewerben Europas. Die Vita von Filipe Luís schreit förmlich heraus: pure Erfahrung und großer Titel-Drang.

Kein Wunder, dass man auch im Ruhrgebiet mit großem Interesse vernommen hat, dass das Arbeitspapier des 38-fachen brasilianischen Nationalspielers bei Atlético Madrid im Sommer ausläuft. Nach vier gemeinsamen und erfolgreichen Jahren stehen die Zeichen auf Trennung. Dass der BVB keine Ablösesumme zahlen müsste, macht die Personalie umso interessanter.

"Wenn du hörst, dass ein solcher Spieler auf den Markt kommt, dann denkst du ja zumindest mal darüber nach", bekannte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unlängst gegenüber "Sky". Da die Borussia ohnehin "auf jeden Fall auf der Position des linken Verteidigers etwas tun" will, klingt Filipe Luís nach dem gesuchten, letzten Puzzlestück in der Dortmunder Viererkette.


Mehr dazu: BVB erzielt angeblich Einigung mit Filipe Luís


Der spanischen Journalistin Tania Martín zufolge hat Dortmund mit dem Spieler über die grundlegenden Vertragsinhalte gar schon eine Einigung erzielt. Nur Details seien noch zu klären.

Filipe Luís hätte beim BVB zwei Aufgaben

Der 33-Jährige soll beim BVB gleich zwei grundlegende Aufgaben erfüllen: Einerseits wäre es an ihm, die Lücke auf der linken Abwehrseite zu stopfen. Dort musste Trainer Lucien Favre in dieser Spielzeit gezwungenermaßen oft improvisieren.

Marcel Schmelzer, als erste Wahl in die Saison gestartet, musste aufgrund eines Knochenödems kurz darauf zwei Monate lang passen. In der Zwischenzeit zeigten zunächst Achraf Hakimi, dann Abdou Diallo ansprechende Leistungen, seither ist der 31 Jahre alte Schmelzer keine Option mehr. Wie die Zukunft des einstigen Kapitäns bei der Borussia aussieht, steht in den Sternen.

Dennoch offenbarten auch Hakimi und Diallo ihre Schwächen auf der für sie ungewohnten linken Seite. Während der Spanier eigentlich über rechts agiert, wurde der Franzose vor der Saison als Innenverteidiger verpflichtet. Geht es nach Favre, sollen beide künftig auf ihre angestammten Positionen zurückkehren. 

Andererseits würde Filipe Luís bei einem Wechsel zum BVB die Aufgabe zuteil, die junge Abwehr mit all seiner Erfahrung zu unterstützen.

Immerhin verdeutlichten vor allem die wichtigen Partien im Saisonendspurt, dass die Dortmunder Verteidigung unter Druck Nerven zeigt: Abdou Diallo (22 Jahre), Dan-Axel Zagadou (19) oder Manuel Akanji (23) waren beispielsweise bei der 0:5-Klatsche gegen den FC Bayern oder beim Zittersieg gegen Mainz 05 (2:1) nicht wirklich sattelfest.

Zusammen mit Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek, sofern dieser wieder vollständig genesen ist, könnte Filipe Luís also für die nötige Stabilität in der Defensive sorgen.

Verletzungen werfen Atleti-Verteidiger Filipe Luís zurück

Dennoch wäre ein solcher Transfer für den BVB nicht gänzlich ohne Risiko. Da wäre vor allem der Umstand, dass der Zahn der Zeit dem im August 34-Jährigen immer mehr zu schaffen machen wird. 

Allein in der laufenden Saison verpasste Filipe Luís insgesamt 13 Spiele aufgrund mehrerer Muskelverletzungen, in den vergangenen Spielen wurde er von Atleti-Trainer Diego Simeone daher eher behutsam eingesetzt. Vor gut einem Jahr verpasste er aufgrund eines Wadenbeinbruches die Teilnahme an der WM in Russland. 

Außerdem wäre da das Standing des Routiniers, das neben all den Vorteilen auch seine Schattenseiten haben könnte. Sollte Filipe Luís nicht auf Anhieb die - berechtigterweise hohen - Erwartungen erfüllen können, dürfte schnell Unruhe im Umfeld entstehen. Mit einem Platz auf der Bank, das wird auch seine Gehaltsvorstellung ausdrücken, wird sich Filipe Luís nicht begnügen. Und stünde am Ende doch eine Degradierung zum Reservisten, hieße das für Lucien Favre, sich auf der linken Abwehrseite erneut mit internen Zweitlösungen behelfen zu müssen.

BVB für Filipe Luís nur die Alternative

Nicht zuletzt darf zumindest bezweifelt werden, dass der BVB umgekehrt für Filipe Luís die erste Wahl ist. Schließlich liebäugelte der Brasilianer erst Ende Januar offen damit, seine Karriere in Spanien, bei seiner "großen Liebe", ausklingen zu lassen.

"Als ich von Chelsea zurückkam, war der Plan, dass ich meine Karriere bei Atlético Madrid beende", so der Abwehr-Spezialist zu "Globosporte". Er würde gerne "für zwei oder drei Jahre verlängern" und dann für den Klub in anderer Position arbeiten. "Das wäre perfekt für mich."

Das Problem: Der Hauptstadtklub hält an der Prämisse fest, mit Ü30-Spielern nur noch um ein Jahr zu verlängern. "Es liegt am Klub", so Filipe Luís deutlich und schob nach: "Mir wurde versprochen, vor der gesamten Mannschaft, dass man mir nach dem Ende des Winter-Transferfensters ein Angebot macht." Eine Offerte, die beim Abwehrspieler offenbar nicht auf Gegenliebe stieß.

Bleibt zu hoffen, dass gegenseitige Liebe zwischen Filipe Luís und dem BVB im Falle eines Wechsels schnell entfacht. Andernfalls ist der Deal, bei allen Vorteilen, ein Wagnis.

Gerrit Kleiböhmer

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