Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt oder RB Leipzig: Welches Team der neuen "Big Four" in der Fußball-Bundesliga kann den FC Bayern München als Titelträger beerben? sport.de macht den großen Meister-Check.
Borussia Dortmund
Der große Umbruch beim BVB im Sommer ist auf ganzer Linie geglückt und trug viel schneller Früchte als erwartet. Fast alle Neuzugänge schlugen ein und Trainer Lucien Favre beweist Woche für Woche sowohl taktisches Geschick als auch ein goldenes Händchen bei seinen Einwechslungen.
Auch hinter den Kulissen läuft es wieder rund: Sebastian Kehl sorgt als neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung unter anderem für Disziplin in der Mannschaft. Berater Matthias Sammer zieht zusammen mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc im Hintergrund die Fäden.
Stärken
Der BVB stellt die beste Offensive (30 Treffer) und die zweitbeste Defensive (13 Gegentreffer) der Liga. Der Kader ist in Spitze und Breite hervorragend besetzt. Zudem stimmt die Mentalität der Mannschaft, was vier Siege und ein Remis nach Rückstand beweisen.

Schwächen
Die Dortmunder Schwachstellen muss man momentan mit der Lupe suchen. Es gibt sie dennoch: Die Besetzung im Sturmzentrum bleibt dünn, für Torjäger Paco Alcácer gibt es keinen gleichwertigen Ersatz. Und der große Kader (29 Profis) mit vielen unzufriedenen Spielern könnte noch für Probleme sorgen.
Prognose
Eigentlich kann sich der BVB in der momentanen Verfassung nur noch selbst schlagen. Bleibt die Mannschaft "scharfgestellt", wie es Watzke zuletzt forderte, dürfte ihr der Titel kaum zu nehmen sein.
Titel-Wahrscheinlichkeit: 75 Prozent
Borussia Mönchengladbach
In der vergangenen Saison verspielte Gladbach nach einer ordentlichen Hinrunde im zweiten Halbjahr noch die Teilnahme am Europapokal.
Trainer Dieter Hecking zog daraus die richtigen taktischen Lehren, lässt nun offensiver sowie variabler spielen. Dadurch hob er Spieler wie Thorgan Hazard oder Jonas Hofmann auf ein neues Level.
Zudem zog Manager Max Eberl einmal mehr einige gute Neuverpflichtungen an Land.

Stärken
Mannschaftliche Geschlossenheit, diszipliniertes Arbeiten gegen den Ball, Effizienz im Offensivspiel: Gladbach zeigt derzeit viele Eigenschaften einer echten Spitzenmannschaft. Dazu kommt, dass sich die Hecking-Elf nach dem Aus im DFB-Pokal ganz auf die Liga konzentrieren kann.
Schwächen
Vor allem im Vergleich zur Namenscousine aus Dortmund fehlt der Borussia vom Niederrhein die Tiefe im Kader. Sollte Gladbach bis zum Saisonende um den Titel mitspielen, könnte die derzeitige Euphorie außerdem in (zu) großen Druck umschlagen.
Prognose
Einen Absturz wie in der vergangenen Spielzeit hat die Fohlenelf nicht zu fürchten. Ein ernsthafter Meisterschaftskandidat ist Gladbach aber wohl (noch) nicht. Schlüsselspiel für den weiteren Saisonverlauf könnte das Duell mit dem BVB kurz vor Weihnachten werden.
Titel-Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent
Eintracht Frankfurt
Gefühlt war Trainer Adi Hütter nach dem 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern, dem blamablen Pokalaus bei Viertligist SSV Ulm und nur einem Sieg aus den ersten fünf Bundesligaspielen schon entlassen.
Doch dann folgte die Wende um 180 Grad: Unter der Regie des österreichischen Kovac-Nachfolgers verlor die Eintracht seit Anfang Oktober kein einziges Spiel mehr und verzückt mit begeisterndem Offensivspiel.

Stärken
Ante Rebic, Luka Jovic und Sébastien Haller gehören derzeit zum besten, was Fußball-Europa in Sachen Offensive zu bieten hat. Das Trio erzielte zusammen bereits 28 Treffer. Viele fleißige Helferlein halten dem magischen Dreieck den Rücken frei.
Schwächen
Nicht immer stimmte bei der Eintracht zuletzt die Balance zwischen Offensivwirbel und defensiver Stabilität. Dazu kommt, dass die individuelle Klasse von Rebic, Jovic und Haller im Falle von Formschwächen oder Ausfällen nicht zu ersetzen ist.
Prognose
Die aktuelle Euphorie-Welle wird die Frankfurter aller Voraussicht nach nicht bis Saisonende tragen. Unruhe droht zudem, wenn internationale Top-Klubs spätestens im Frühjahr ernsthaft damit beginnen, an den Offensiv-Stars zu baggern.
Titel-Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent
RB Leipzig
Vor der Saison durfte man durchaus gespannt sein, ob die Leipziger Übergangslösung mit Ralf Rangnick als Trainer funktionieren würde.
Doch bislang macht der etatmäßige Sportdirektor einen guten Job als Steigbügelhalter für Julian Nagelsmann, der im Sommer aus Hoffenheim nach Sachsen wechselt.
RB meistert vor allem den Spagat zwischen Europa League und Liga-Alltag besser als in der vergangenen Saison unter Ralph Hasenhüttl.

Stärken
Erst zehn Treffer kassierte RB in der Bundesliga - eine deutlich bessere Bilanz als Dortmund (13), Gladbach und Frankfurt (beide 14). Rangnick legt noch mehr Wert als Vorgänger Hasenhüttl auf eine aggressive Spielweise, impfte seinem Team zudem zuletzt eine größere taktische Variabilität ein.
Schwächen
Der Leipziger Kader ist in der Breite zwar gut aufgestellt, allerdings nicht sehr groß. Rechnet man einige blutjunge Eigengewächse heraus, umfasst er nur 19 Feldspieler - ein mögliches Problem angesichts der Dreifachbelastung. Mit nur 22 erzielten Treffern stellt RB zudem das offensivschwächste Team der "Big Four".
Prognose
Durch die überraschende 0:1-Pleite beim VfL Wolfsburg haben die Leipziger bereits acht Treffer Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund. Vor der Winterpause hat die Rangnick-Truppe noch die schweren Duelle mit Gladbach und dem FC Bayern vor der Brust.
Dass es bis zum Ende der Hinrunde gelingt, die Lücke nach oben zu schließen, ist deswegen eher unwahrscheinlich.
Titel-Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent
Tobias Knoop



























