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Am 2. November 2008 beim Großen Preis von Brasilien

Damals: Hamilton siegt im spannendsten Finale aller Zeiten

Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton krönte sich 2008 zum damals jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte
Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton krönte sich 2008 zum damals jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte
Foto: © unknown
02. November 2021, 15:33
sport.de
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Im Jahr 2020 fuhr Lewis Hamilton seinen siebten WM-Titel in der Formel 1 mit großem Vorsprung ein.

Um ein Vielfaches spannender ging es hingegen vor genau zwölf Jahren in Brasilien zu, als der Brite im WM-Duell mit Felipe Massa erst in der letzten Kurve der letzten Runde des letzten Rennens den entscheidenden Platz gutmachte und sich zum ersten Mal die Krone aufsetzte. Ein Blick zurück auf das wohl intensivste Finale aller Zeiten.

02.11.2008, Sao Paulo - GP von Brasilien: Alles ist vorbereitet für den finalen Showdown der Saison, den McLaren-Pilot Lewis Hamilton später als "das intensivste Rennen meines Lebens" bezeichnen wird.

Der Brite, der im Jahr zuvor als Neuling der Königsklasse noch knapp an Kimi Räikkönen gescheitert war, kommt erneut als WM-Führender nach Sao Paulo und duelliert sich dieses Mal mit Ferrari-Pilot Felipe Massa. Jener liegt sieben Punkte hinter dem McLaren-Fahrer und hofft mit Hilfe der Fans in seiner brasilianischen Heimat doch noch nach dem Titel greifen zu können. Voraussetzung: Hamilton darf maximal Sechster werden. 

Lange Zeit sieht es danach aus, als würden sich die Hoffnungen des Lokalmatadors erfüllen. Rund um den Start sorgt ein Regenschauer für eine Verschiebung, damit die Teams auf Intermediates wechseln können. Massa geht von der Pole Position ins Rennen, Hamilton startet nur als Vierter. Der Brite attackiert kaum, fährt extrem vorsichtig, um keinen Fehler zu begehen. Im Laufe der Zeit trocknet die Strecke ab, wieder sind Reifenwechsel angesagt. Im Zuge dessen fällt Hamilton auf Rang fünf, der weiterhin zum Titel reichen würde.

Beim Start auf nasser Strecke hält sich Hamilton auf Platz vier
Beim Start auf nasser Strecke hält sich Hamilton auf Platz vier

Mehr dazu: Die Karriere von Lewis Hamilton in Bildern


Doch fünf Runden vor Schluss setzt erneut Regen ein und sorgt für komplett neue Streckenverhältnisse. Während die meisten Teams auf Regenreifen wechseln, darunter auch McLaren, pokert Toyota und lässt unter anderem Timo Glock, der vor Hamilton auf der Strecke unterwegs ist, auf Trockenreifen draußen. Der Rookie soll später das Zünglein an der Waage werden.

Lewis Hamilton war "kurz davor durchzudrehen"

Während Massa vorn souverän zum Sieg fährt und 100.000 einheimische Fans samt seiner Familie in der Ferrari-Box mit ihm zittern, dass dieser erste Platz auch zum Titel-Gewinn reicht, ereignet sich das Drama auf den Plätzen vier bis sechs. Im Regenwetter der letzten Runden zieht Sebastian Vettel im Toro Rosso an Hamilton vorbei und krallt sich dessen fünften Platz. Der WM-Titel ist für den Briten in diesen Sekunden futsch. Vor dem Duo schlittert Regenspezialist Timo Glock jedoch mit Slicks über den nassen Asphalt.

Viel Zeit bleibt Hamilton nicht mehr, den Platz vor ihm zurückzuerobern. Der McLaren-Pilot schaltet in den Angriffsmodus, kommt aber an Vettel nicht vorbei. Als Massa in seinem Boliden die Ziellinie überquert, kennt der Jubel in der Ferrari-Box keine Grenzen mehr: Sieg und WM-Titel! Doch die Freude hält gerade einmal eine halbe Minute an.

Denn in der allerletzten Runde und der letzten Kurve vor Start und Ziel überholt erst Vettel den wehrlosen Glock und schließlich zieht auch Hamilton noch am Toyota-Piloten vorbei und sichert sich damit den rettenden fünften Platz. 

"Ich glaube, ich habe es noch gar nicht richtig begriffen. Ich bedanke mich bei meinem Team und all meinen Freunden. Ich war in der letzten Runde kurz davor, durchzudrehen. Es ist ein Traum", sagte Hamilton später, der mit 23 Jahren, neun Monaten und 26 Tagen zum damals jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte avancierte.

McLaren-Durststrecke hat ein Ende

Massa, das Ferrari-Team und hunderttausende Fans hingegen verfielen in Schockstarre. "Es war ein perfektes Rennen trotz des schwierigen Wetters zu Anfang und zum Ende. Ich bin sehr stolz auf das Rennen, das Team und die Leute an der Strecke. Wir haben keinen Fehler gemacht und dann passiert am Ende so ein Ding, dass Hamilton noch den Glock überholt", sagte der in Tränen aufgelöster Brasilianer, während in der McLaren-Box die ehemalige Pussycat-Dolls-Sängerin Nicole Scherzinger über den WM-Triumph ihres damaligen Freundes jubelte.

Lewis Hamilton feierte den Erfolg zusammen mit seinem Vater Anthony
Lewis Hamilton feierte den Erfolg zusammen mit seinem Vater Anthony

"Zwischendurch war ich ein bisschen alt. Das kann man sich nicht vorstellen", gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu: "Wir haben auf ganz sicher gemacht. Es ist das schwierigste Rennen, wenn man Fünfter werden muss." Und auch Hamilton, der sein Glück kaum fassen konnte und zusammen mit seiner Familie in der Box feierte, musste einräumen, zum Ende hin "fast wahnsinnig geworden" zu sein. "Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, cool zu bleiben. Ich bin fertig. Es war so verdammt eng", so Hamilton auf seiner Ehrenrunde per Boxenfunk.

>> Das Klassement des GP von Brasilien 2008

Mit seinem Erfolg in Brasilien beendet der Brite gleichzeitig noch eine neunjährige Durststrecke für McLaren Mercedes und sicherte dem Team im Spektakel von Brasilien den ersten Titel seit Mika Häkkinen 1999. 


Das furiose Saison-Finale 2008 im Video:

Chris Rohdenburg

Fahrerwertung

#FahrerTeamPunkte
1ArgentinienFranco ColapintoAlpine F1 Team0
2FrankreichPierre GaslyAlpine F1 Team0
3SpanienFernando AlonsoAston Martin F1 Team0
4KanadaLance StrollAston Martin F1 Team0
5FinnlandValtteri BottasCadillac F1 Team0

Brasilien GP 2008

1BrasilienFelipe Massa1:34:11.435h
2SpanienFernando Alonso+13.298s
3FinnlandKimi Räikkönen+16.235s
4DeutschlandSebastian Vettel+38.011s
5GroßbritannienLewis Hamilton+38.903s

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