Mit dem Start in Hockenheim beginnt für die DTM eine Saison des Umbruchs: In diesem Jahr muss sich endlich entscheiden, wer künftig die Startaufstellung füllt - denn Mercedes ist auf Abschiedstournee.
Es ist ein Aufbruch ins Ungewisse. Doch vom nahenden Untergang will Gerhard Berger nichts wissen. "Totgesagte leben länger", meint der Chef der DTM vor dem Saisonauftakt am Wochenende in Hockenheim (Samstag und Sonntag, jeweils 13:30 Uhr) beinahe trotzig: "Wir haben gute Voraussetzungen für ein gutes Jahr." Zu Geschichten über das Ende dieser großen Tourenwagenserie will Berger nicht beitragen.
Der frühere Formel-1-Pilot und sein Team sind seit Monaten im Dauereinsatz, um der DTM auch über dieses "gute Jahr" 2018 hinaus eine Zukunft zu ermöglichen. Das ist "Knochenarbeit", sagt Berger, denn der Einschnitt ist gravierend: Mercedes, einer von nur drei Herstellern neben Audi und BMW, wird zum Ende des Jahre aussteigen, um in der Elektroserie Formel E zu starten. Und die DTM muss sich ein neues Standbein bauen.
"Immer noch ein bisschen Zuversicht"
Ohne Zweifel sei Mercedes "ein Verlust. Aber das ist nicht das Ende der DTM", diesen Satz wiederholt Berger immer wieder, schon seit die Stuttgarter im vergangenen Juli die Bombe platzen ließen. So bald wie möglich soll das Problem gelöst werden, denn eine DTM mit nur zwei Herstellern wäre wohl nicht überlebensfähig.
Doch nicht zuletzt durch die Konkurrenz der zukunftsgewandten Formel E hat die DTM zu kämpfen. Neue Marken für die Serie zu begeistern, das sei eben nicht, "wie wenn man in den Supermarkt geht und sich einen Joghurt kauft", sagt Achim Kostron, Geschäftsführer der DTM-Dachorganisation ITR.
Und zuletzt klang Berger nicht mehr ganz so optimistisch. So habe er auch mit Volkswagen bereits gesprochen, "aber das ist für nächstes Jahr wohl kein Thema." Es gebe noch "einige andere Gespräche, und ich habe noch immer ein bisschen Zuversicht. Es ist eine ganz schwierige Nummer, ein ziemlicher Kampf."
Ab 2019 soll auf Vierzylinder-Turbomotoren umgestellt werden, mit diesem sogenannten Class-One-Reglement wäre die Kooperation mit der japanischen Super GT dann zumindest technisch möglich. Zuletzt traten die dort engagierten Lexus und Nismo (Rennsportmarke von Nissan) bereits im Rahmenprogramm der DTM auf. Möglich scheint aber auch, dass Berger das Leck nach dem Mercedes-Ausstieg zunächst mit Privatteams stopft.
Wissen Wehrlein und Glock zu überzeugen?
Dieser Kampf um die Zukunft saugt beinahe alle anderen Themen auf. Den Machern ist das auch deshalb ein Dorn im Auge, weil die DTM sportlich eigentlich gut dasteht und auch einige wegweisende Entscheidungen trifft. So wurde das Ende der Zusammenarbeit mit TV-Partner "ARD" recht locker und vielversprechend aufgefangen, "Sat.1" überträgt von nun an die Rennen.
Schon zum Ende der vergangenen Saison waren zudem die viel kritisierten Performance-Gewichte abgeschafft worden, ab Hockenheim gehen die Autos nun auch mit reduzierter Aerodynamik ins Rennen: Der um knapp ein Drittel geringere Anpressdruck soll die Fahrer wieder mehr fordern und für engere Duelle sorgen.
Und auch das Fahrerfeld bietet einiges. So kämpft Ex-DTM-Champion Pascal Wehrlein (Mercedes) nach dem Abstieg aus der Formel 1 um seine weitere Karriere, der frühere Grand-Prix-Pilot Timo Glock (BMW) scheint immer besser im Tourenwagen zurechtzukommen. Und mit Spannung wird beobachtet, ob Titelverteidiger Rene Rast (Audi) das hohe Niveau seines Rookie-Jahres halten kann.
