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BVB nach 4:0-Spektakel: Ein Team mit zwei Gesichtern

Borussia Dortmund setzte sich mit 4:0 gegen Bayer Leverkusen durch
Borussia Dortmund setzte sich mit 4:0 gegen Bayer Leverkusen durch
Foto: © getty, Maja Hitij
22. April 2018, 12:30

Nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen schien die Welt bei Borussia Dortmund für kurze Zeit wieder in Ordnung. Doch die Partie kann auch als Beleg für die Inkostanz des BVB herhalten.

Borussia Dortmund fühlte sich plötzlich wieder wie in besseren Zeiten. "Wir haben zwei Gesichter", sagte Doppeltorschütze Marco Reus nach der spielerischen Wiederauferstehung mit der 4:0-Gala gegen Bayer Leverkusen.

"Das begleitet uns durch die gesamte Saison. Heute hat man gesehen, dass die Mannschaft intakt ist. Von der Mentalität und vom Charakter her haben wir eine super Leistung gezeigt", sagte Reus.

Der Dortmunder Fußball-Bundesligist rehabilitierte sich nicht nur für die bittere 0:2-Derbypleite auf Schalke eine Woche zuvor, sondern kam seinem Saisonziel erheblich näher. Und er versöhnte sich ein Stück weit mit den eigenen Fans nach zuletzt schwachen Auftritten.

Stöger feiert höchsten Sieg seiner BVB-Amtszeit

"Wir haben ein paar Tage länger gebraucht, um die Derby-Niederlage aufzuarbeiten", gestand Trainer Peter Stöger nach dem höchsten Sieg unter seiner Regie. "Die Mannschaft hat einen gute Reaktion gezeigt. Das war nicht unbedingt zu erwarten."

Umso mehr freute sich der BVB-Coach, dass sein auf einigen Positionen umgekrempeltes Team am Samstag gegen den direkten Konkurrenten all jene Tugenden zeigte, die zuletzt häufig vermisst wurden: Aggressivität, Spielfreude, Tempo, Leidenschaft, Kompaktheit, Zweikampfstärke.

"Wir sind nicht so stabil. Deswegen ist jeder Dreier, den wir machen, ein großer Schritt. Aber es ist noch nichts erreicht", sagte der Coach, über dessen Zukunft es noch immer keinen Klarheit gibt. "Wir werden in den nächsten Wochen sagen, wer ab 1. Juli Trainer beim BVB ist", kündigte Sportdirektor Michael Zorc an.

BVB-Fans äußern Unmut vor dem Anpfiff

Mit dem Erfolg zog der BVB an Leverkusen vorbei. Dortmund hat nun als Tabellen-Dritter mit fünf Punkten Vorsprung auf den Fünften Hoffenheim beste Aussichten, die Champions-League-Qualifikation in den restlichen drei Partien klar zu machen.

Matchwinner war Reus, der mit seinem schwachen Elfmeter an Bernd-Leno-Vertreter Ramazan Özcan (37.) scheiterte, nie aufsteckte und mit zwei Toren (55./79.) glänzte.

Das 18-jährige Talent Jadon Sancho mit seinem ersten Bundesligator (13.) und der in die Spitze beorderte Maximilian Philipp (63.) steuerten die übrigen Treffer bei.

Die frustrierten Anhänger hatten vor dem Anpfiff mit Plakaten ("Den Stellenwert des Derby nicht verstanden. Versager!") ihren Unmut bekundet. So sorgten sie wohl für zusätzliche Motivation bei den wankelmütigen Profis.

"Das ist das Recht der Fans", meinte Reus, der sich vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw für ein WM-Ticket empfahl. "Ich weiß, was ich drauf habe. Aber natürlich musst du das Woche für Woche zeigen", sagte der 28-Jährige zu seinen WM-Chancen.

Auch Mario Götze, zuletzt nur Kurzarbeiter, überzeugte bei seiner Rückkehr in die Startelf mit Fleiß, Übersicht und einer Vorlage. "Gerade nach der Derby-Geschichte wollten wir ein Ausrufezeichen setzen", sagte Götze.

Schmelzer der große Verlierer beim BVB

Neben den Leverkusenern gab es auch einen Verlierer beim BVB. Mit der Verbannung des formschwachen Kapitäns Marcel Schmelzer auf die Tribüne setzte Stöger ein deutliches Signal.

Zwar führte Stöger "rein sportliche" Gründe an, doch Schmelzers Vertreter Manuel Akanji machte seine Sache auf der linken Abwehrseite sehr gut. Laut Zorc war Schmelzer "not amused" über seine Ausbootung. "Wir brauchen jeden, auch den Kapitän", betonte Stöger, deutete aber an: "Wenn die Mannschaft so spielt, wird es für ihn nächste Woche nicht leicht."

Mit dem 2:6 beim Pokal-Aus gegen den FC Bayern und der "Klatsche" (Sportdirektor Rudi Völler) in Dortmund kassierte Bayer zehn Gegentore binnen vier Tagen und muss sich schnell wieder aufrichten, um die Königsklasse zu erreichen.

Das Polster ist auf zwei Punkte geschmolzen. "Wir haben alles noch selbst in der Hand", sagte der von den BVB-Fans gefeierte Bayer-Profi Sven Bender nach seiner verpatzen Rückkehr nach Dortmund.

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