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Pita Taufatofua: "Diese Leute sind absolute Monster"

Pita Taufatofua will bis zum letzten Meter kämpfen
Pita Taufatofua will bis zum letzten Meter kämpfen
Foto: © getty, Ryan Pierse
14. Februar 2018, 14:06

Pita Taufatofua hat als Fahnenträger Tongas bei den Olympischen Sommerspielen 2014 und den Winterspielen 2018 Kultstatus erreicht. Nun äußerte sich der Modell-Athlet zu seinem Abstecher in den Wintersport.

Pita Taufatofua, wie viele Liebesbriefe und Heiratsanträge haben Sie heute bekommen?

Pita Taufatofua (Langläufer, Flaggenträger Tongas): 73,4 Millionen-Milliarden! Es ist witzig. Es kam einiges rein. Viele schreiben mir: Verbrenne deinen Pass. Bleib einfach in Südkorea. Verbrenne deinen Pass! Man kann ja aber nur mit einem Menschen zusammensein ...

Ihre lange Reise zu den Olympischen Spielen begann vor 20 Jahren. Bitte erzählen Sie davon.

Meine Mission war eigentlich, Olympia-Teilnehmer im Taekwondo zu werden. Das hat 20 Jahre gedauert. Dreimal in Serie bin ich vor den Sommerspielen in der Qualifikation sehr knapp gescheitert, dann hat es für Rio endlich geklappt.

Nun haben Sie für den Winter umgeschult. Warum?

Nicht umgeschult. Hinzugefügt. Ich wollte einen weiteren Sport lernen. Manche haben gerne ein Haus, manche zwei. Ich mag zwei Sportarten - oder drei. Ich habe so großen Respekt vor diesen Athleten. Wie die Langläufer nach der Ziellinie zusammenbrechen! Ich habe gedacht: Das ist so hart. Das musst du auch probieren.

Wie war Ihr erster Kontakt mit Schnee?

Vor zwei Jahren zu Weihnachten bei meinem Bruder in Frankreich. Oh, Schnee! So schön weich. Dann stellte sich heraus: Schnee ist weich und hart, warm und kalt, trocken und nass. Ich habe einen Schneemann gebaut. Es war viel schwieriger als im Fernsehen.

Wie haben Sie sich auf den Langlauf vorbereitet?

Ich hatte keinen Zugang zu Schnee. Ich habe in meinem Leben nur zwölf Wochen im Schnee verbracht. Also mussten wir das simulieren. Ich bin mit Holzlatten unter dem Füßen am Strand gelaufen. Die Leute haben gedacht: Der ist verrückt.

Sind Sie häufig gestürzt?

In jeder einzelnen Trainingseinheit und in jedem Rennen. Aber man schaut den Berg hoch und sagt: Ich bin nicht bereit dafür, aber ich muss es tun. Die Schmerzen sind enorm. Doch ich mag Letzter werden oder gegen einen Baum fahren - ich gebe nicht auf. Niemals.

Wie haben Sie sich an die Kälte und den Wind gewöhnt?

Immer noch nicht. Bei meinem ersten Versuch auf Skiern war mein Trainer sauer: Ich hatte einen Helm an und Knieschoner. Und ich habe gesagt: Mir doch egal, was die Leute sagen. Ich will mir nicht das Genick brechen.

"Sie wollen mit Ihrem Kampf auch eine Botschaft senden. Wie lautet sie?

Ich möchte das alles teilen mit Menschen, die eine schwere Zeit durchmachen. Wenn sie Probleme haben, Schmerzen, Depressionen - dann sollen Sie sehen: Gib nicht auf. Kämpfe, kämpfe, kämpfe, dann wirst du da wieder herauskommen. Wenn nur ein Kind mir schreibt, dass es liebt, wie ich arbeite, dann bin ich ein Olympiasieger.

Wenn Sie sich mit den Weltklasse-Athleten vergleichen - wieviel Prozent von deren Power können Sie in die Loipe bringen?

0,00037, vielleicht. Diese Leute sind absolute Monster. Ich werde eine halbe Stunde oder 40 Minuten nach ihnen ins Ziel kommen.

Danach ist Ihr Projekt beendet. Was kommt dann? Fechten? Zehnkampf?

Das weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich kehre ich in eine Sprintdisziplin zurück. Diese Distanzrennen sind so unglaublich hart. Wahnsinn.

Sie bezeichnen sich als Krieger. Liegt das am Geist, der Lebenseinstellung der Menschen in Tonga?

Taufatofua: "Wir sagen: Stirb für Tonga! Aber eigentlich heißt das: Gib niemals auf. Das ist die Botschaft aus Tonga für die Welt."

Tonga wurde gerade schwer von einem Wirbelsturm getroffen. Sind Sie in Gedanken daheim?

Es war der schwerste Sturm seit 60 Jahren. Meiner Familie geht es gut, aber das Haus einiger meiner Verwandten wurde abgedeckt. Wir auf Tonga sind arm, aber reich im Herzen. IOC-Präsident Thomas Bach hat mich angerufen und gesagt, er wolle helfen und Sportstätten bauen lassen.

Ein anderes Thema: Haben Sie ein sportliches Vorbild? Haben Sie vielleicht schon eines hier getroffen?

Dazu kam ich noch nicht. Ich will die Sportstätten besuchen, die Menschen treffen, unbedingt. Aber nach meinem Rennen. Vielleicht ist der Langläufer Dario Cologna ein Vorbild. Ich habe gedacht: Wow, das kann ich! Und dann konnte ich es selbstverständlich nicht. Mein Idol aber war Bruce Lee.

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