Zoran Lerchbacher aus Österreich hat bei der Darts-WM 2018 in London am Samstag für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Der hochgehandelte Benito van de Pas enttäuschte hingegen im Ally Pally genauso wie Jelle "Cobra" Klaasen. Doppel-Weltmeister Gary Anderson machte kurzen Prozess mit einem Underdog.
Lerchbacher bezwang in der ersten Runde den Weltranglisten-22. Mervyn King nach einem furiosen Comeback mit 3:2. "The Hypercane" sah in der Nachmittagssession angesichts eines 0:2-Satzrückstands bereits wie der sichere Verlierer aus, kämpfte sich aber in die Partie zurück.
Profitieren konnte Lerchbacher dabei von gesundheitlichen Problemen seines Gegners. "The King" hatte sich Mitte des dritten Satzes beim Aufheben eines Pfeiles den Rücken verknackst und wurde danach von Schmerzen geplagt.
Der Außenseiter aus der Alpenrepublik steigerte sein Finish nach den beiden verlorenen Sätzen zu Beginn des Spiels zudem deutlich und ließ sich den Zweitrundeneinzug nicht mehr nehmen.
"Es ist unglaublich. Ich habe die ersten beiden Sätze trotz guter Leistung verloren, aber meinen Fokus behalten. Dann habe ich die Partie gedreht. Jetzt ist Party", sagte Lerchbacher.
Anderson legt los wie die Feuerwehr
Anderson wurde im Topspiel des Tages von Beginn an seiner Favoritenrolle gerecht. Im ersten Satz gewann der kanadische Außenseiter Jeff Smith kein Leg. In Set zwei und drei erlaubte es ihm der Superstar aus Schottland zumindest, jeweils ein Leg für sich zu entscheiden.
Auch leichte Konzentrationsfehler im dritten Satz, als Anderson reihenweise Doppefelder verpasste, sowie einige Rechenfehler des Ex-Champions konnte "Silencer" Smith nicht nutzen.
"Es war relativ schwer für mich, reinzukommen. Aber insgesamt ist mir dieses erste Match gut gelungen", sagte Anderson. "Ich freue mich immer wieder, hier zu sein. Ich fühle mich gut und möchte dieses Jahr Revance für meine Finalniederlage vom letzten Jahr nehmen."
Damals hatte Anderson gegen Darts-Dominator Michael van Gerwen verloren und so den Titel-Hattrick nach 2015 und 2016 verpasst.
Klaasen kann guten Start nicht veredeln
Für Jelle Klaasen war im Erstrundenduell mit seinem niederländischen Landsmann Jan Dekker überraschend Endstation, "Cobra" verlor die Partie mit 1:3. Nach einem lockeren 3:1 im ersten Set verlor der Weltranglisten-11. völlig den Faden und gab Satz zwei und drei jeweils mit 1:3 ab.
Im entscheidenden Durchgang vergab der 33-Jährige dann gleich fünf Setdarts auf der doppelten Vier, Zwei und Eins. Dekker ließ die Steilvorlage im folgenden Leg nicht unverwandelt und machte das Match im ersten Versuch auf der Doppel-16 zu.
Der "Double Dekker" verbuchte einen Average von knapp 96 Punkten sowie eine hervorragende Doppelquote von 64 Prozent. Klaasen traf hingegen nur 31 Prozent seiner Würfe auf die Doppel.
Van de Pas verpatzt Matchbeginn
Ebenso wie Klaasen und King erwischte es am Samstag auch Shooting-Star Benito van de Pas. Die Nummer 14 der Welt schied durch eine 1:3-Niederlage gegen Steve West aus.
Der 24-jährige Niederländer kam gegen den fast 20 Jahre älteren Engländer zunächst nicht ins Spiel. West schnappte sich die ersten beiden Sets ohne große Gegenwehr.
Den anschließenden Satzgewinn von "Big Ben" konterte West mit einem starken 106er-Finish. Im vierten Durchgang nutzte der Routinier seinen ersten Matchdart. Den Sieg tütete er mit einem überragenden 141er-Finish ein.
"Rockstar" raus, Thornton gibt sich keine Blöße
Auch für Joe "Rockstar" Cullen ist das Turnier bereits beendet. In der Abendsession unterlag der englische Hoffnungsträger in einem dramatischen und temporeichen Match Jermaine Wattimena aus den Niederlanden mit 2:3.
Wattimena verbuchte einen Average von knapp 97 Punkten und eine Doppelquote von 43 Prozent. Cullen vergab drei Matchdarts, die Entscheidung im fünften Satz fiel erst in der Verlängerung.
Robert "The Thorn" Thornton gab sich am Nachmittag keine Blöße. Der WM-Viertelfinalist von 2015 besiegte Brendan Dolan aus Nordirland mit 3:1. Dabei reichte dem Schotten eine durchschnittliche Leistung mit einigen Wacklern. Dolan hatte in der Vorrunde zuvor den den Kroaten Alan Ljubic mit 2:0 ausgeschaltet.

