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Nils Petersen: Torjäger mit Nerven aus Stahl

Vom Teamkollegen geherzt: Nils Petersen (Mitte)
Vom Teamkollegen geherzt: Nils Petersen (Mitte)
Foto: © getty, Dean Mouhtaropoulos
12. Dezember 2017, 12:26

Mit drei Toren hat Nils Petersen den SC Freiburg am Sonntag noch beim 1. FC Köln zum Sieg geschossen. Der 29-Jährige glänzt aber auch neben dem Platz.

Es gibt so einige Dinge, die Nils Petersen gegen den Strich gehen. Eine vergebene Chance zum Beispiel, oder Spinnen. Und Rosenkohl, sagt der Stürmer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, der "schmeckt mir auch gar nicht".

Am meisten jedoch, dies erklärte Petersen in einem bemerkenswerten Interview zuletzt, stört ihn, dass "die Fußballbranche so oberflächlich" ist.

"Wir Fußballer sind nicht so belesen. Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren", sagte Petersen mit entwaffnender Ehrlichkeit dem Magazin "Focus". Der 29-Jährige bereue es sogar sehr, "nichts gelernt" und "keine Ausbildung" absolviert zu haben, "manchmal schäme ich mich, weil ich so wenig Wissen von der Welt besitze."

Starke Aussagen, auch wenn er sie bald darauf relativierte: "Ich habe nur über mich gesprochen, darüber, dass ich gerne mehr machen würde." Die Sache war aber in der Welt, und ja, "natürlich", habe es von den Mannschaftskollegen "einige Sprüche" gegeben.

Zwei Mal eiskalt

Dass Petersen im Breisgau seine zweite Heimat gefunden hat, könnte man daher als klassische Win-Win-Situation bezeichnen. Denn Trainer Christian Streich gilt nicht nur wegen seines abgeschlossenen Germanistik-Studiums als äußert belesen und blickt gerne mal über den Tellerrand hinaus, spricht gesellschafts-kritische Themen teilweise auch in der Kabine an. Auf der anderen Seite ist Petersen für den Sport-Club ein Glücksfall.

Das bewies der Torjäger erst am Sonntag wieder, als er seinen Klub im Kellerkrimi beim 1. FC Köln mit drei Toren auf die Siegerstraße schoss. Dabei hatte Petersen Nervenstärke bewiesen, als er zunächst in der 90. und dann in der 95. Minute jeweils vom Elfmeterpunkt traf und so den Endstand markierte.

"Große Drucksituation"

"Das war eine große Drucksituation. Am Ende steht man natürlich da und sagt, dass man die zwei reinmachen muss", sagte Petersen. Vor allem der erste Strafstoß habe ihm aber viel Konzentration abverlangt.

Die Kaltschnäuzigkeit vom Punkt ist umso bemerkenswerter, da Petersen seit dem Sommer 2016 ein kleines Trauma zu bewältigen hatte.

Im olympischen Finale hatte der gebürtige Harzer gegen Gastgeber Brasilien den entscheidenden Elfmeter verschossen - die Aufarbeitung gelang ihm im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf.

"Ich habe oft von der Szene geträumt. Ich bin aber nicht schwitzend aus dem Traum hochgeschreckt", berichtete Petersen. Heute könne er mit der Erfahrung auch deshalb so gut umgehen, "weil es kein einziges negatives Wort aus dem Olympiateam gab."

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