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Freiburg bejubelt "Leck-mich-am-Arsch"-Mentalität

SC Freiburg gelingt sensationelle Aufholjagd in Köln
SC Freiburg gelingt sensationelle Aufholjagd in Köln
Foto: © getty, Dean Mouhtaropoulos
11. Dezember 2017, 11:10

Mit einer "Leck-mich-am-Arsch"-Mentalität hatte der SC Freiburg eine der bemerkenswertesten Aufholjagden der Bundesliga-Geschichte geschafft.

Doch die Wut über die aus Sicht der Breisgauer unsensible Ansetzung der Deutschen Fußball Liga überschattete die Freude über den denkwürdigen Sieg. Christian Streich wirkte jedenfalls so knurrig wie nach einer frustrierenden Niederlage. "Ich habe nicht mehr viel Kraft, mich zu freuen", sagte der Trainer nach dem 4:3-Sieg seines Teams beim Tabellenletzten 1. FC Köln nach 0:3-Rückstand.

Doch nicht nur die nervenaufreibenden 96 Minuten und die schwache erste halbe Stunde verdarben dem Fußball-Lehrer die Stimmung, sondern vor allem auch der Gedanke an die Ansetzung des nächsten Spiels. Denn nur 52 Stunden nach dem Schlusspfiff in Köln empfangen die Breisgauer am Dienstag (20:30 Uhr) Borussia Mönchengladbach.

"Ich sage nichts dazu, ich wackele nur leicht mit dem Kopf", sagte Streich. Und nach dem Hinweis, dass seit 1986 kein Bundesligist mehr zwei Liga-Spiele in solch knapper Folge bestreiten musste, rettete er sich in Ironie. "1986?", fragte er. "Okay, das ist ja auch erst 31 Jahre her. Da war ich 20. Aber wenn sie meinen, wir sollten kicken, dann kicken wir halt"

Sammer: "Ich wäre ausgerastet"

Sportdirektor Jochen Saier erklärte, man habe sowohl im Vorfeld als auch nach der Ansetzung mit der DFL kommuniziert: "Aber es gab wohl so große Gründe, dass es so angesetzt und nichts geändert wurde." Auf die Frage, ob das Ganze unglücklich sei, antwortete Saier: "Unglücklich ist milde formuliert."

Vom früheren Bayern-Sportdirektor und heutigen "Eurosport"-Experten Matthias Sammer bekam Saier wortstark Unterstützung. "Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, wäre ich ausgerastet", sagte Sammer. "Es ist fast schon ein bisschen ungerecht, fast schon irregulär."

Matchwinner Nils Petersen hofft derweil, dass die beeindruckende Aufholjagd in Köln die Freiburger körperlich beflügelt. "Es kann gut sein, dass wir am Montag unsere Beine kaum spüren und gegen Gladbach auf dem Zahnfleisch gehen", sagte der Stürmer, der zunächst das Anschlusstor zum 1:3 erzielte (39.) und mit zwei Elfmetern in der 90. Minute und der Nachspielzeit schließlich noch den Sieg sicherte: "Aber vielleicht werden wir die Schmerzen mit diesem Erfolg im Rücken auch gar nicht spüren."

Petersen mit drei Toren der Matchwinner

So oder so werden sie in Freiburg von diesem Spiel noch in vielen Jahren erzählen. "Alle haben gedacht, das Derby Dortmund gegen Schalke (Anmerkung: 4:4 nach 4:0-Führung für den BVB) wäre legendär. Aber das war auch nicht schlecht", sagte Petersen. "Keiner hat mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Auch wir nicht. Aber dann haben wir eine Leck-mich-am-Arsch-Mentalität reingeworfen."

Nicht einmal Streich hatte nach der katastrophalen ersten halben Stunde im Schneetreiben noch mit einem Erfolg seiner Mannschaft gerechnet. "Ich habe mich gefragt, wie die Mannschaft das aushält", sagte Streich nachher. Und stellte schließlich fest: "Offenbar besser als ich."

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