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Keller-Aus: Unions Abkehr vom Kult-Image

Jens Keller muss sich eine neue Aufgabe suchen
Jens Keller muss sich eine neue Aufgabe suchen
Foto: © getty, Alexander Scheuber
05. Dezember 2017, 15:01

Der Rauswurf von Trainer Jens Keller verdeutlicht die großen Ambitionen von Union Berlin. Die Mechanismen des Geschäfts greifen auch beim Kult-Klub aus Köpenick.

Am Tag nach dem großen Knall legte sich Stille über das Vereinsgelände von Union Berlin. Im kalten Nieselregen verzichtete Neu-Coach André Hofschneider auf eine Trainingseinheit und hielt sich dabei an den Wochenplan, den noch sein am Montag überraschend gefeuerter Vorgänger Jens Keller ausgearbeitet hatte.

Spätestens ab Mittwoch, wenn Hofschneider den Tabellenvierten der 2. Fußball-Bundesliga erstmals betreut und auf das richtungweisende Ostderby gegen Dynamo Dresden vorbereitet, gehört Kellers Wirken an der Alten Försterei jedoch endgültig der Vergangenheit an.

Die Gründe für Kellers Scheitern sind vielfältig. Es soll im Verhältnis zwischen Team und Trainer zu Problemen gekommen sein, so ließ er Union-Urgestein Steven Skrzybski zuletzt oftmals draußen. Auch in der Personalie Felix Kroos bewies der Coach kein glückliches Händchen.

Der Aufstieg hat oberste Priorität

Die Verantwortlichen um den mächtigen Präsidenten Dirk Zingler bemängelten nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg fehlende Kontinuität, sahen wohl aber vor allem das oberste Ziel in Gefahr: Den Aufstieg in die Bundesliga.

Kult und Kommerz liegen auch in Köpenick dicht beieinander. Von der Geschäftsstelle im kleinen urigen Forsthaus sind es nur Schritte bis zur schmuckvoll modernisierten Haupttribüne des Stadions an der Alten Försterei, dessen Zuschauerkapazität in den kommenden Jahren auf knapp 37.000 erhöht werden soll. Hier, so der Wunsch, soll möglichst schon ab der kommenden Saison Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 eingeheizt werden.

Überzogene Erwartungshaltung?

Union Berlin genießt einen ähnlichen Kultfaktor wie der FC St. Pauli, präsentierte sich in der Causa Keller jedoch anders als in der Vergangenheit allzu gewöhnlich. Die Hamburger hielten in der Vorsaison auch in Abstiegsnot zu Trainer Ewald Lienen, Keller musste trotz 26 Punkten nach 16 Spielen gehen.

Vor allem daran stören sich Kritiker. "Man kann da nur den Kopf schütteln", sagte Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, dem Onlineportal "t-online.de" und bemängelte die "überzogene Erwartungshaltung" bei Union, unbedingt um den Aufstieg mitspielen zu müssen: "Da muss dann ein Trainer zwangsläufig ins Gras beißen."

Keller winkt Köln

Keller, der "geschockt" auf seine Freistellung reagierte, könnte derweil als Gewinner aus der Trennung hervorgehen. Der 47-Jährige gilt als Kandidat für die Nachfolge des entlassenen Peter Stöger beim Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln, angeblich gab es bereits vor einiger Zeit Kontakt zwischen Verein und Trainer; da sagte Keller allerdings noch ab, weil er unbedingt bei Eisern Union bleiben wollte

"Ich könnte mir schon vorstellen, dass darüber gesprochen wird, denn so viele geeignete Trainer sind nicht auf dem Markt", sagte auch der ehemalige Bremer Manager Thomas Eichin bei "Sky90". Der Ex-Profi ist seit August Geschäftsführer der Beraterfirma SAM Sports, die Keller vertritt.

Keller bestritt als Aktiver zwischen 2000 und 2002 55 Bundesligaspiele für die Kölner. Als Ex-Coach von Schalke 04 bringt er auch Erstliga-Erfahrung mit. Für Union Berlin ist der Aufstieg in die Bundesliga noch weit entfernt. Für Keller sind Spiele gegen Bayern, Dortmund und Schalke dagegen offenbar ganz nah.

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