Nach dem Sieg gegen Meister Brose Bamberg thront Alba Berlin weiter an der Tabellenspitze der Bundesliga - zehn Jahre nach dem letzten Meistertitel. Damit hätte vor der Saison wohl niemand gerechnet.
Basketball und Berlin - das hat Tradition, aber es ist auch eine Leidensgeschichte. Kein Meistertitel seit 2008 für den Hauptstadt-Klub, Brose Bamberg und Bayern München liefen den stolzen Albatrossen den Rang ab. Bis jetzt. Plötzlich steht Alba Berlin an der Tabellenspitze der Bundesliga, schlug am Sonntag gar den aktuellen Champion aus Franken. Berlin ist endgültig zurück auf der Basketball-Landkarte.
"Jeder von uns hat es als persönliches Ziel genommen, hier in Bamberg zu gewinnen. Wir waren zwischendurch zehn, zwölf Punkte hinten und haben einfach weitergezockt", sagte Albas Nationalspieler Niels Giffey bei "telekomsport.de" nach dem 77:75 (33:42)-Sieg in Bamberg. Die vergangenen sechs Spiele hat Berlin alle gewonnen. Bamberg, immerhin zuletzt dreimal in Folge Meister, dümpelt auf Platz neun vor sich hin.
Der neue Alba-Trainer Aito Garcia Reneses, in der Szene als Talente-Guru geschätzt, sieht den Grund für den Achtungserfolg gegen den Favoriten - den ersten Sieg in Franken seit 2013 - nüchtern. "Es ist schwierig, in Bamberg zu spielen, und noch schwieriger, hier zu gewinnen", sagte Reneses: "Bamberg hatte diese Woche zwei Euroleague-Spiele auf dem Buckel und war daher vielleicht etwas müde. Wir versuchen uns nun von Spiel zu Spiel zu steigern."
Trinchieri schont Stammspieler
Tatsächlich fuhr Bamberg nach den internationalen Duellen in Malaga und zu Hause gegen Vitoria am Mittwoch und Freitag auf der letzten Rille. Zum Ärger von Trainer Andrea Trinchieri. "Wenn die Liga nicht in der Lage ist, für die Gesundheit der Spieler zu sorgen, muss ich es eben tun", sagte der Italiener. Er schonte gegen Berlin Augustine Rubit und Daniel Hackett, zwei der wichtigsten Spieler, und zahlte den Preis.
Und das, obwohl Berlin lange nicht ins Spiel gefunden hatte. Erst fünf Minuten vor dem Ende ging Alba das erste Mal in Führung. Trotz der chronisch guten Verteidigung leistete sich Reneses Team zu viele Ballverluste im Aufbau, ehe es über den Kampf ins Spiel fand. "Sie sind immer drangeblieben, haben hart gespielt und sogar ein bisschen schmutzig", sagte Bambergs Neuzugang Dorell Wright, mit den Miami Heat 2006 NBA-Champion.
Dass Alba wieder ein echter Meisterschaftsanwärter zu sein scheint, ist vor allem Reneses Verdienst. Er kam vor der Saison nach Berlin und schlug sofort ein. Früher förderte der 70-jährige Spanier heutige NBA-Stars wie Pau Gasol (San Antonio Spurs) oder Ricky Rubio (Utah Jazz) und sammelte bislang 20 Klub-Titel in Europa. Gut möglich, dass bald ein weiterer hinzukommt.























