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7:1 - und alle sprechen über eine Dose

Heute vor 50 Jahren: Der Büchsenwurf vom Bökelberg

Gladbach-Mythos: Der Büchsenwurf vom Bökelberg
Gladbach-Mythos: Der Büchsenwurf vom Bökelberg
Foto: © imago sportfotodienst
20. Oktober 2021, 12:22
sport.de
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Am 20. Oktober 1971 schoss Borussia Mönchengladbach im Achtelfinal-Hinspiel des Landesmeister-Pokals Inter Mailand mit 7:1 aus dem Bökelbergstadion. Doch eine Cola-Dose machte die vielleicht beste fußballerische Leistung der Gladbacher Vereinsgeschichte zunichte.

Borussia Mönchengladbach führt im Europapokal der Landesmeister vor 28.000 Zuschauern überlegen mit 2:1 gegen Inter Mailand. In der 29. Spielminute kochen die Emotionen im Bökelbergstadion hoch.

Im Vorfeld eines Einwurfs kommt es an der Seitenlinie zur Rangelei zwischen Gladbachs Luggi Müller und Inter-Star Roberto Boninsegna. Das Publikum geht komplett aus dem Sattel.

Plötzlich fliegt eine Getränkedose von den Rängen in Richtung Boninsegna. Der Italiener sinkt zu Boden. Minutenlang wälzt er sich auf dem Rasen. Die Betreuer der Mailänder behandeln den Stürmer zunächst auf dem Platz. Schließlich tragen sie Boninsegna in die Gästekabine. Dort verschanzt sich der amtierende Torschützenkönig der Serie A. Das Spiel steht vor dem Abbruch.

Nur unter Protest nimmt Inter nach einigen Minuten Unterbrechung die Partie wieder auf. Gegen nun völlig überforderte Italiener spielt sich die Elf vom Niederrhein in einen Rausch. Fünf weitere Treffer schenken Günter Netzer, Jupp Heynckes und Co. dem italienischen Meister ein. Einer der höchsten Siege der Gladbacher Europapokalgeschichte schien perfekt zu sein.

UEFA annulliert das 7:1

Nach der Partie schlug der Dosen-Eklat hohe Wellen. Inter legte bei der UEFA Widerspruch gegen die Spielwertung ein - mit Erfolg. Die Disziplinarkommission entschied, das 7:1 zu annullieren. Das Spiel musste auf neutralem Platz wiederholt werden.

Zunächst gewannen die Nerrazurri ihr Heimspiel in Mailand mit 4:2. Das Wiederholungsspiel im Berliner Olympiastadion endete dann torlos. Damit schied die Borussia aus dem Wettbewerb aus.

Zeugenaussagen widersprechen sich

Bis heute umstritten bleibt, ob Boninsegna wirklich von der Blechdose ausgeknockt wurde. Dem "Opfer" zufolge sei die Dose voll gewesen und habe ihn am Kopf getroffen. "Der Büchsenwurf war wie ein K.o.-Schlag für mich. Ich war für 15 bis 20 Sekunden bewusstlos", sagte Boninsegna später dem "WDR".

Gegenspieler Müller bewertete die Situation ganz anders. "Plötzlich kam eine Büchse geflogen und traf Boninsegna an der Schulter", erinnerte sich der Verteidiger. "Ich habe gegen die auf dem Rasen liegende Dose getreten, dabei gemerkt, dass sie leer war." Erst auf Zuruf der Mitspieler habe sich Boninsegna fallen lassen. Als er wieder aufstehen wollte, hätten die Inter-Betreuer ihren Schützling wieder auf den Boden gedrückt und vom Platz getragen.

Schiedsrichter Jef Dorpmans gab dem Gladbacher Recht. "Ich habe immer geglaubt, dass Boninsegna die Verletzung nur gespielt hat", verriet der Niederländer gegenüber "FohlenTV". "Mein Linienrichter hat gesehen, dass die Dose geöffnet war, und dass die Cola im Flug aus der Dose spritzte, sodass sie beim Aufprall halb leer war."

Auch die Polizei tappt im Dunkeln

Die Aufklärung des Falles erwies sich auch für die Mönchengladbacher Polizei als schwierig. Den Werfer konnte die Polizei nicht ermitteln. Ein noch im Stadion festgenommener Verdächtiger erwies sich als unschuldig. Laut Polizeibericht und einigen Zeugenaussagen könnte sogar ein italienischen Fan als Täter in Frage kommen.

Abgesehen von den Gladbacher Toren gibt es keine Fernsehbilder von der Partie. Dass nur die Zuschauer im Stadion die Szene gesehen haben, hatte mit Sicherheit großen Anteil an der Legendenbildung um den Büchsenwurf.

Mittlerweile steht die berühmte Cola-Dose im Gladbacher Vereinsmuseum, Boninsegna hat als Schauspieler in einem Terence-Hill-Film mitgewirkt und das 7:1 ist tief in der Vereinsidentität der Borussia verankert.

Sebastian Ernst

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