Der nächste Blackout in Rot entscheidet die WM, zwei Abschiede gehen gründlich in die Hose, der Kampf im Mittelfeld hat einen Sieger: Der Große Preis von Japan bot nicht die ganz große Spannung, lieferte dafür aber einige bemerkenswerte Randnotizen. Die Gewinner und Verlierer des Wochenendes:
Die Gewinner des Wochenendes:
Lewis Hamilton. Das siebte Double (Pole Position & Sieg) im 16. Rennen der Saison hat einmal mehr unterstrichen, dass Lewis Hamilton und sein Mercedes in diesem Jahr das beste Gesamtpaket haben. Der dreifache Weltmeister blieb in Suzuka vom Start weg ruhig und verteidigte seinen Spitzenplatz gegen den wie wild pushenden Max Verstappen ohne Probleme. Innerhalb weniger Runden arbeitete sich der Brite trotz Safety Car und Virtual Safety Car aus dem DRS-Fenster. Anschließend spulte er sein Programm gewohnt souverän runter.
Fahrfehler leistet sich Hamilton seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Dazu ist der W08 mit dem silbernen Stern ein Muster an Konstanz. Am Ende des Jahres wird der 32-Jährige seinen vierten WM-Titel holen. Fünf Siege in den letzten sieben Rennen haben den Weg zur Krone bereitet. Dass der Titel verdient ist, steht nicht erst seit Suzuka außer Frage, wurde dort aber erneut von der Nummer 44 unterstrichen.
Force India. Der Kampf um den Konstrukteurstitel "Best of the rest" ist endgültig entschieden. Nach den Plätzen sechs (Ocon) und sieben (Pérez) hat Force India in der Teamwertung satte 81 Punkte Vorsprung auf Williams. Zum 13. Mal im 16. Rennen landeten beide Piloten des indischen Rennstalls in den Punkten - eine Bilanz, die weder Ferrari noch Red Bull vorweisen können und die nur noch von Mercedes (15 von 16) getoppt wird.
Zwar war auch in Japan eine rigorose Stallregie vonnöten, um die beiden Fahrer nicht wieder auf direkten Konfrontationskurs zu schicken, das starke Ergebnis rechtfertigte die Order von der Boxenmauer aber.
Haas. Nach einem starken Premieren-Jahr in der Königsklasse versank das Haas-Team in dieser Saison oft im Niemandsland. Nicht so in Suzuka. Zum zweiten Mal nach Monaco schafften es beide Piloten in die Punkte und überholten in der Konstrukteurswertung Renault (43:42). Es könnten Zähler sein, die am Ende des Jahres viele Millionen Euro wert sind.
Sowohl Romain Grosjean als auch Kevin Magnussen machten im Rennen jeweils vier Plätze gut und verbesserten sich auf die Ränge acht und neun. Highlight war dabei das gnadenlose Überholmanöver des Dänen gegen Felipe Massa in der 42. Runde. Mit seiner Aktion öffnete Magnussen auch für Grosjean die Tür. So oft der 25-Jährige zuletzt (zu Recht) kritisiert wurde, in Suzuka war er hauptverantwortlich dafür, dass Haas zum zweiten Mal in seiner F1-Geschichte beide Autos in den Punkten platzierte.
Die Verlierer des Wochenendes:
Sebastian Vettel. Ganze vier Rennen hat es gedauert, bis aus vier Punkten Vorsprung 59 Zähler Rückstand wurden. Am Ende der Saison werden diese fünf Wochen die WM entschieden haben. Während Sebastian Vettel in Monza und Singapur noch eine Teilschuld am schlechten Abschneiden hatte, waren dem Heppenheimer in Malaysia und Japan die Hände gebunden. Die Scuderia hat im Herbst den Anschluss an Mercedes verloren und die große Chance auf den ersten Fahrertitel seit 2007 verspielt.
"Manchmal gehen Dinge halt kaputt", versuchte Vettel nach dem Rennen noch, sein Team in Schutz zu nehmen. Gelungen ist es ihm nicht. Weder Mercedes noch Red Bull haben in der heißen Phase der Saison mit der Zuverlässigkeit zu kämpfen, Ferrari schon. Am Ende des Jahres werden bei der Scuderia wohl einige Köpfe rollen. Teamchef Maurizio Arrivabene ist einer der Kandidaten, die im Winter wahrscheinlich gehen müssen. Für Sebastian Vettel ist das kein Trost. Seinen fünften WM-Titel wird der 30-Jährige frühestens 2018 gewinnen.
Carlos Sainz. Ein selbst verschuldeter Abflug im ersten Training, ein Anfängerfehler und das Aus in Runde eins im Rennen: Die Laufbahn von Carlo Sainz bei Toro Rosso hätte nicht schlimmer enden können. Der Spanier stand in Suzuka von Freitag bis Sonntag neben sich und leistete sich Fehler, die man so nicht von ihm kennt. Sein 56. Rennwochenende für die Stiere war eines seiner schwächsten.
"Enttäuscht", "frustriert" und "traurig" waren die Verantwortlichen über das Abschneiden in Japan. Es war das Ende einer Ehe, die geprägt war von Höhen und Tiefen. Dass die Beziehung nicht auf einem Höhepunkt endete, hatte Carlos Sainz einzig und allein selbst zu verantworten.
Jolyon Palmer. Nach 37 Rennen endete die Formel-1-Karriere von Jolyon Palmer in Japan so, wie sie 2016 in Australien begann: mit einem Platz außerhalb der Punkte. Lediglich zwei Mal fuhr der Brite bei seinen 35 Starts Zählbares ein. Neun Ausfälle, wenig überzeugende Auftritte im Qualifying und schwache Rennen sorgen nun dafür, dass Palmer sich nach einem neuen Job umsehen muss.
In Suzuka betrieb der 26-Jährige keine Werbung in eigener Sache. Punkte waren für ihn - anders als für Nico Hülkenberg - nie in Reichweite, der zwölfte Platz am Ende ein Resultat, an das sich niemand erinnern wird. Ein Schicksal, das auch den Formel-1-Fahrer Jolyon Palmer ereilen wird.


