Sebastian Vettel und Ferrari haben überraschend das freie Training zum Großen Preis von Malaysia dominiert und das am Freitag schwache Mercedes-Duo distanziert. Dem WM-Zweiten gelang vor dem 15. Saisonrennen die souveräne Tagesbestzeit, der Heppenheimer war in 1:31,261 Minuten sechs Zehntelsekunden schneller als sein Teamkollege Kimi Räikkönen (1:31,865) und stellte zudem auch noch einen neuen Streckenrekord auf.
WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton landete im Mercedes nur auf dem sechsten Rang, noch hinter dem Red-Bull-Duo Daniel Ricciardo (1:32,099) und Max Verstappen (1:32,109) sowie Fernando Alonso (1:32,564) im normalerweise deutlich unterlegenen McLaren.
"Es wäre schön, wenn das am Wochenende so bleibt", sagte Vettel nach der zweiten Session, "aber ich weiß ja nicht, was die anderen gemacht haben. Am Freitag kann man immer herumspielen und ein paar Dinge ausprobieren. Mercedes kommt bestimmt noch."
Hamiltons Rückstand auf Vettel betrug rund 1,4 Sekunden, auch sein Teamkollege Valtteri Bottas (1:32,720) hatte Probleme und landete hinter dem Engländer auf Rang sieben. Beide Silberpfeil-Piloten klagten über fehlenden Grip und leisteten sich jeweils einen Ausritt ins Kiesbett.
Renault-Pilot Nico Hülkenberg (1:33,060) landete auf dem neunten Rang, Pascal Wehrlein (1:35,246) wurde im unterlegenen Sauber Vorletzter.
Sorgenfalten bei Mercedes
Am Morgen hatte der berüchtigte Starkregen in Malaysia die Teams zunächst ausgebremst. Die Strecke stand teilweise unter Wasser, und die Rennleitung musste die Einheit um 30 Minuten verkürzen. Letztlich verbrachten die Fahrer kaum Zeit auf der nassen Strecke, echte Aufschlüsse über das Leistungsvermögen konnten erst im zweiten Training gewonnen werden.
Die Strecke trocknete bei Temperaturen von über 30 Grad schnell ab, und die nun folgenden Erkenntnisse hatten es in sich. Schon bei der Suche nach dem Setup auf den ersten Runden gab Mercedes kein gutes Bild ab, war recht langsam unterwegs - und dann leisteten sich Bottas und Hamilton innerhalb weniger Minuten jeweils einen Ausritt ins Kiesbett, der Finne beschädigte dabei sogar seinen Unterboden.
Am Kommandostand zog Toto Wolff die Stirn in Falten, der Mercedes-Motorsportchef schien Böses zu ahnen. Denn beide Fahrer klagten über fehlenden Grip, standen auf der Suche nach dem richtigen Setup lange an der Box, während die Konkurrenz schon das Qualifying simulierte.
Gullideckel sorgt für Grosjean-Crash
Und besonders Vettel beeindruckte dabei. Sowohl auf den "Mercedes-Abschnitten" eins und drei mit den langen Geraden als auch im kurvigen Mittelsektor war der Heppenheimer deutlich schneller als die Silberpfeile unterwegs. Auf Mercedes wartet bis zum Qualifying am Samstag nun jede Menge Arbeit. Noch komplizierter wurde die Lage, weil sich auch für Longrun-Tests relativ wenig Gelegenheit bot.
Denn die zweite Session war ebenfalls verkürzt und wurde rund 20 Minuten vor dem Ende abgebrochen: Ein Gullideckel hatte sich gelöst und den Hinterreifen von Romain Grosjean im Haas aufgeschlitzt. Der Franzose prallte mit seinem Boliden heftig in die Streckenbegrenzung, blieb aber unverletzt. Mercedes und Hamilton, in der WM mit 28 Punkten Vorsprung auf Vettel, müssen am Samstag nun schnell eine Lösung finden.
"Ich habe nichts gesehen und auf einmal habe ich einen großen Treffer am rechten Hinterrad gespürt. Aber mir geht es gut", erklärte der Franzose nach seinem ungewollten und unverschuldeten Ausflug ins Kiesbett.
In der WM-Wertung führt Hamilton, der die vergangenen drei Saisonrennen allesamt gewann, mit 28 Punkten Vorsprung auf Vettel. Nach dem Grand Prix in Malaysia stehen noch fünf weitere Rennen auf dem Programm.


