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Bolt geht, sein Vermächtnis bleibt

Usain Bolt hat Rekorde für die Ewigkeit hinterlassen
Usain Bolt hat Rekorde für die Ewigkeit hinterlassen
Foto: © getty, Alexander Hassenstein
14. August 2017, 13:31

Usain Bolt hat sich nach seinem WM-Drama mit einer Ehrenrunde verabschiedet, der Jamaikaner hinterlässt eine riesige Lücke.

Für die letzten 400 Meter als Leichtathlet benötigte Usain Bolt eine Viertelstunde, und er genoss jede Sekunde davon. Auf seiner Ehrenrunde durch das Londoner Olympiastadion machte der schnellste Mensch der Geschichte ganz langsam, hielt bei Freunden hier und Fans da, ging in die Knie, streichelte die 100-Meter-Marke, tätschelte jene bei 200. Andächtig und feierlich wie bei einer Messe schauten, lauschten und sangen 60.000 Menschen. Sie wussten: In diesem Sport endete gerade ein Zeitalter.

"Ich habe mich von den Fans verabschiedet, von meinen Strecken. Ich habe mich einfach von allem verabschiedet", sagte der - neben Bob Marley freilich - berühmteste Jamaikaner der Geschichte, als er im Bauch der Arena noch einmal Hof hielt: "Ich glaube, ich habe fast geweint."

Der Abschied in London - sportlich war er missglückt. Mit dem dritten Platz über 100 m. Mit dem Schreckensmoment seiner Verletzung als Staffel-Schlussläufer, der wohl als dramatischster Krampf der Sportgeschichte in die Annalen eingehen wird. All das war für Bolt kein Grund zur Gram. "Alles geschieht aus einem bestimmten Grund, so sehe ich das Leben", sagte er: "Und ihr kennt mich! Ich will jetzt Spaß haben! Feiern, etwas trinken. Und morgen sehen wir dann weiter."

Bolt vergleicht sich mit Ali

Nun ist sie also beendet, die Ära Usain Bolt. Nach acht Olympiasiegen, elf Weltmeistertiteln. Nach Rennen, die längst zum sporthistorischen Kanon gehören. Die bitteren Niederlagen der vergangenen Tage in London werden seinen Mythos nicht beschädigen.

"Eine Meisterschaft wird nicht ändern, was ich erreicht habe. Muhammad Ali hat auch seinen letzten Kampf verloren und blieb der Größte", sagte Bolt. Dass er selbst nicht wie einst Ali auf dem Höhepunkt abgetreten sei, nach Olympia 2016 keinen Schlusstrich gezogen habe, bedaure er nicht: "Das ist okay. Meine Fans wollten mich noch ein Jahr sehen. Ihnen habe ich noch einmal eine Show geboten - egal, wie sie geendet hat."

Bolt hinterlässt als Vermächtnis, "dass mit harter Arbeit alles möglich ist, wenn man niemals in Grenzen denkt". Er hinterlässt zwei Weltrekorde, 9,58 Sekunden über 100 und 19,19 Sekunden über 200 m, die Jahrzehnte überdauern, zum Weltkulturgut werden können. Und er hinterlässt eine riesige Lücke.

Bolz will Fußball spielen 

Auch nach Bolt wird es große Leichtathleten geben, es gibt sie schon jetzt, einen Wayde van Niekerk, einen Christian Taylor, ja, auch eine Caster Semenya. Niemand aber hat die Aura eines Bolt. Wie sehr er fehlen wird, werden die kommenden Weltmeisterschaften zeigen. 2019 geht es vom Londoner Trubel in die katarische Wüste nach Doha.

Was die weitere Zukunft für Bolt bringt, weiß er nicht. "Ich habe immer gesagt, dass ich Fußball spielen will", sein Oberschenkel lasse das aber gerade nicht zu. Der Leichtathletik wolle er irgendwann wieder verbunden sein - nur ein Comeback auf der Bahn schließe er kategorisch aus.

Ganz am Ende wandte er sich im hoffnungslos überfüllten Presseraum an die Heerscharen von Journalisten. "Viele von euch haben mich auf dem gesamten Weg begleitet", sagte Bolt, "ihr habt böse Dinge über mich geschrieben, aber ohne euch wäre ich nicht hier. Und dafür danke ich euch." Standing Ovations. Abgang Bolt. Vorhang. Keine Zugabe, niemals.

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