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Mythos Galibier: Das Tour-Highlight "im Himmel"

Legendär: Die Etappe zum Col du Galibier
Legendär: Die Etappe zum Col du Galibier
Foto: © getty, Bryn Lennon
19. Juli 2017, 07:06
sport.de
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Die 17. Etappe der Tour de France garantiert am Mittwochnachmittag Radsport-Spektakel erster Güte! Es geht hinauf zum Col du Galibier, einem der legendärsten Pässe überhaupt in der 114-jährigen Tourgeschichte. 

Schon vor über 100 Jahren quälten sich die ersten Radfahrer über den 2642 Meter hohen Alpenpass und wurden Zeuge einer ganz besonderen Bergwelt. Jetzt meldet sich der legendäre Riese nach einem Tunnel-Umbau und sechs Jahren Pause endlich zurück im Tour-Programm. In der Schlusswoche ist der Galibier das absolute Highlight der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. 

Eine Fahrt in den Himmel

"Der Galibier ist der schönste Anstieg der Tour, er ist unvergleichbar", schwärmt Ex-Profi Andy Schleck und erinnert mit seinen Worten an den letzten Tour-Besuch 2011.

Als der Luxemburger den Riesen damals per Solofahrt hinaufflog, machte der langjährige CSC-Fahrer oben angekommen eine ganz besondere Gipfel-Erfahrung: "Du fährst höher und höher und irgendwann denkst du: Gleich bin ich im Himmel", beschreibt Schleck seine damalige Gefühlslage.

Mehr als nur ein Gipfel

Jeder kennt die Tour-Giganten L'Alpe d'Huez und Ventoux mit ihren unvergleichlichen Anstiegen und Steigungen. Doch der Galabier ist nicht nur ein Aufstieg zu einer tristen Ski-Anlage oder das Ende einer wüstenartigen Felsspitze. Wer den Galibier passiert, sieht eine der wundervollsten Bergpassagen, die die Welt für Radsportler zu bieten hat. Nicht von ungefähr kämpfen sich jedes Jahr Tausende über das Bergmassiv und eifern ihren Tour-Helden mit dem eigenen Drahtesel nach.

"Hast du es geschafft, erreichst du eine winzige Straße. Es gibt nicht mal ausreichend Platz für Barrieren oder den Zielstrich. Diese Szenerie und Höhe ist einzigartig", bezeichnete Schleck die Landschaft, die einen auf der Départmentstraße D902 erwartet.

Der Werbestar

Wie speziell dieser Gebirgspass ist, verdeutlichen auch die Marketing-Abteilungen diverser Firmen: PR-Agenturen, DJs und Manufakturen benennen sich nach dem Alpen-Riesen.

Selbst Bugatti liebt den Mythos. Der Autobauer entwickelte eine Sport-Limousine mit 1000 PS und taufte ihn - Galibier. Es versteht sich von selbst, dass der Luxusschlitten natürlich auch gleich die stärkste Limo der Welt ist. Der Galibier fordert eben Stärke, Eleganz und Anmut.

Wer sein Fahrrad liebt, schiebt

Die Tour-Veranstalter erkannten die Naturschönheit schon vor über 100 Jahren. Bereits 1911, bei der neunten Austragung der Frankreich-Rundfahrt, wurde der Galibier ins Programm aufgenommen.

Für das Auge ist der Ritt ein Erlebnis, für den Körper eine Qual. Wie knüppelhart der Aufstieg auf den Galibier sein kann, zeigt die Anzahl jener, die damals den Scheitelpunkt erreichten, ohne vom Fahrrad abzusteigen: drei.

Vor sechs Jahren feierte der Col du Galibier bei der 98. Auflage der Grand Boucle sein großes Jubiläum. Zum 100-Jährigen wurde der "Olymp des Radsports" gleich zweimal in den Etappenplan aufgenommen. Am Ende der Tour wurde der Galibier bei der 18. Etappe in Form einer Bergankunft angefahren, bei der Andy Schleck für einen Tag ins Gelbe Trikot fuhr. Tags drauf wurde die Frankreich-Rundfahrt hoch nach L'Alpe d'Huez entschieden, nachdem der Galibier noch einmal überquert wurde. 

Ullrich-"Hungerast" und Pantani-Denkmal

Damals wie heute gilt: Wer als erster auf dem Plateau eincheckt, ist ein Held. Legenden wie Eddy Merckx und Lucien Van Impe triumphierten auf dem Schicksalsberg und der verstorbene Marco Pantani erhielt sein eigenes Denkmal. Er flog den Galibier im legendären Regenrennen 1998 hinauf und legte bei der Etappe, die nach dem Galibier noch nach Les Deux Alpes führte, den Grundstein für seinen Gesamtsieg sechs Tage später.

Jan Ullrichs "Hungerast", der ihm an diesem Tag neun Minuten Rückstand und den Verlust des Gelben Trikots einbrockte, ging in die deutsche Radsportgeschichte ein.

Wer sich in diesem Jahr in die Siegerliste schreibt, bekommt zu Lob und Legendentum auch noch Zählbares.

Der Galibier ist bei seiner Rückkehr der höchste Berg der Tour 2017 und belohnt den besten Kletterer mit der 5000-Euro-Prämie in Gedenken an den Tour-Mitbegründer Henry Desgranges.

Norman Droste

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