Auf dem Weg zu seinem fünften WM-Titel kann Sebastian Vettel seinem Dauerrivalen Lewis Hamilton das Heimspiel verderben. Ein Triumph in Silverstone hätte für den Ferrari-Star besonderen Wert.
Ein Sieg in Lewis Hamiltons "Wohnzimmer" würde Sebastian Vettel zwar ein Stück näher an seinen fünften WM-Titel bringen, doch darum alleine geht es dem Ferrari-Star in Silverstone nicht. "Für mich ist die größere Motivation, dass es das Zuhause des Motorsports ist", sagte der Formel-1-Spitzenreiter: "Das ist wichtiger als der Fakt, dass es Mercedes oder Lewis wehtun könnte."
Acht Jahre ist es her, dass Vettel in Mittelengland eine der begehrtesten Trophäen des Motorsports in die Luft streckte und sein Name auf dem Sockel eingraviert wurde. Während die Grand-Prix-Sieger normalerweise den originalen Pokal mit nach Hause nehmen dürfen, verbleibt die berühmte goldene Trophäe in Silverstone. Nur wenige Minuten dürfen sie die Sieger auf dem Podium in den Händen halten, mit nach Hause nehmen können sie nur eine Nachbildung.
Vettel mit Luft nach oben
"Ich will sie wieder haben", sagte Vettel vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag: "Sie ist sehr speziell, weil die Namen der großen Fahrer eingraviert sind." Michael Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost, Nigel Mansell - sie alle feierten in England Siege. Genau wie Lewis Hamilton, der von seinen vier Triumphen zuletzt drei in Serie einfuhr. "Für einen britischen Rennfahrer ist es ein Muss, hier zu gewinnen", meinte der 32-Jährige, der sich am Wochenende genau das vorgenommen hat.
Im Training am Freitag belegte Hamilton den zweiten Rang und musste sich seinem Teamkollegen Valtteri Bottas um nur 0,047 Sekunden geschlagen geben. Der Finne lag in beiden Sessions vorne und zeigte sich fünf Tage nach seinem Sieg in Österreich weiter in glänzender Form. Vettel wurde mit 0,460 Sekunden Rückstand Vierter und musste sich auch hinter seinem Stallrivalen Kimi Räikkönen einsortieren.
"Das ist eines der besten Rennen, das wir haben"
Vor dem zehnten von 20 Saisonläufen fokussiert sich trotzdem alles auf das Duell zwischen dem viermaligen Weltmeister Vettel und dem dreimaligen Champion Hamilton. Hatte Mercedes auf dem Kurs mit den schnellen Kurvenkombinationen in den vergangenen drei Jahren dank des starken Motors einen enormen Vorteil, bewegen sich die Silberpfeile und Ferrari nun auf Augenhöhe. "Die Strecke sollte uns entgegenkommen, gerade die Kurven", sagte Vettel: "Das ist eines der besten Rennen, das wir haben."
Der Hesse (171 Punkte) führt in der WM-Wertung mit 20 Zählern vor Hamilton (151), dicht dahinter folgt Bottas. Doch Vettel interessiert sich nicht für den aktuellen Punktestand. "Man sollte sich nicht so viele Gedanken machen. Ich konzentriere mich nur auf Siege, das ist das Ziel", sagte der 45-malige Grand-Prix-Sieger.
Hamilton erntet Kritik
Dabei könnte Vettel allerdings erneut Bottas in die Quere kommen. Der Nachfolger von Weltmeister Nico Rosberg bei den Silberpfeilen wird immer konstanter und glaubt selbst an seine Titelchance. "Ich habe ein gutes Momentum, aber es ist immer noch mein erstes Jahr mit dem Team", sagte der 27-Jährige: "Ich versuche, den Lauf an diesem Wochenende fortzusetzen."
Stallrivale Hamilton verpasste als jeweils Vierter zuletzt zweimal in Serie das Podium und verordnete sich deswegen selbst einen zweitägigen Kurzurlaub. Während alle anderen 19 Fahrer an einem Show-Event in London teilnahmen, fehlte ausgerechnet der Lokalmatador und erntete dafür viel Kritik. "Ich habe versucht, mich so gut wie möglich auf das Wochenende vorzubereiten, und habe entspannt. Das werden sehr intensive Tage", sagte Hamilton.

