Der Große Preis von Aserbaidschan 2017 hat gezeigt, dass auch die moderne Formel 1 manchmal unberechenbar sein kann.
Ein möglicher Sieg von Force India scheitert nur an einer teaminternen Kollision, ein Titelanwärter fährt dem anderen ins Auto, am Ende steht mit Lance Stroll ein Fahrer auf dem Podest, den keiner auf der Rechnung hatte. Stoff, aus dem die Liberty-Träume sind. Und sie passt zur Vision des neuen Formel-1-Bosses Chase Carey. Seine simple Formel: Mehr Action, mehr Underdog-Siege.
"Drama auf der Strecke, das wollen wir doch alle irgendwie. Jetzt in Baku hatten wir auch mal einen neuen Sieger. Das war gut - und es kann nur noch besser werden", sagt der US-Amerikaner im Gespräch bei "ServusTV". Seine Vision: Ein Mehrkampf bis zur Zielflagge. "Sechs Autos kämpfen bis zum letzten Meter um den Sieg - das brauchen wir wieder. So muss der Wettbewerb auf der Strecke werden", findet er.
Und nicht nur das: Auch die Ergebnisse sollen weniger vorhersagbar werden. "Jetzt in Baku hatten wir auch mal einen neuen Sieger. Das war gut - und es kann nur noch besser werden", zeigt Carey auf. Doch obschon Daniel Ricciardo seinen ersten Sieg der Saison holte, blieb der Triumph in Händen eines der drei Elite-Teams der vergangenen Jahre. Seit Einführung des Hybrid-Reglements zur Saison 2014 haben nur Mercedes (55 Mal), Ferrari und Red Bull (jeweils sechsmal) Rennen gewinnen können.
Angst vor zu viel "Amerikanisierung"
Zu wenig Abwechslung, wie der neue Formel-1-Chef findet: "Da muss mehr Wettbewerb rein. Auch ein Underdog muss mal die Chance auf den Sieg haben. Das macht es spannend. Wir haben eine tolle Sportart, aber wir können es besser und spannender präsentieren. Das ist unser Ziel. Baku war ein Rennen, das deswegen so viel Spaß gemacht hat, weil so viel Unvorhersehbares passiert ist. Wir wollen mehr davon sehen." Die Underdog-Forderung hatte er bereits schon einmal formuliert.
Nicht wenige Fans fürchten sich jedoch vor zu viel "Amerikanisierung" der Formel 1. In der IndyCar-Serie werden durch das Schließen der Boxengasse bei Gelbphasen immer wieder mal Zufallssieger produziert. Das widerspricht jedoch der DNA der Formel 1. Allerdings ist Carey für das Sportliche nicht direkt verantwortlich - diese Rolle hat Ross Brawn eingenommen.
Der Schnauzbartträger hat daher auch fürs Erste andere Prioritäten: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Piloten ganz vorn präsentiert werden. Dafür brauchen wir tollen Wettbewerb auf der Strecke." Er selbst habe nur einen kleinen Teil an der Geschichte der Formel 1, gibt sich Chase Carey demütig. "Meine Aufgabe ist aber auch, zu schauen, wo wir denn hin wollen." Und dieser Weg lautet: Mehr Action und mehr Unwägbarkeiten.

