Im Duell Ferrari gegen Mercedes steht es nach den ersten beiden Freien Trainings der Formel 1 zum Grand Prix von Bahrain 1:0 für die Italiener.
Lewis Hamilton und Valtteri Bottas hatten am Freitag bei den beiden Trainingssitzungen auf dem Bahrain International Circuit in Sakhir gegenüber Sebastian Vettel das Nachsehen, der mit 1:31.130 Minuten die Bestzeit des Tages fuhr. Bottas landete mit mit einem Rückstand von 0,041 Sekunden auf Rang zwei, Hamilton wurde mit 0,284 Sekunden Rückstand Fünfter.
Allerdings ist seine schnellste Rundenzeit nicht ganz aussagekräftig, denn seinen Versuch auf frischen supersoften Reifen musste Hamilton gleich zweimal abbrechen. Beim ersten Mal war dafür kein offensichtlicher Grund erkennbar, beim zweiten Mal lief er auf Nico Hülkenberg auf und musste dem Renault des Deutschen ausweichen. Dieser Zwischenfall wird nach dem Training von den Sportkommissaren untersucht.
Für Diskussionen dürfte auch ein Zwischenfall gegen Mitte des zweiten Trainings sorgen. In der Anfahrt zu Kurve 13 löste sich am Auto von Bottas der T-Flügel und landete auf der Strecke. Max Verstappen (Red Bull) konnte dem Flügel kurz danach nicht ausweichen und fuhr darüber. Dabei wurde der Unterboden seines Autos so stark beschädigt, dass er getauscht werden musste.
Starke Longruns von Hamilton und Bottas
Während Vettel auf eine Runde schneller als die Mercedes-Piloten war, darf insbesondere Hamilton mit Blick auf das Rennen zuversichtlich sein. Denn bei den Longruns mit supersoften Reifen war er am Freitag der Schnellste. Bei einem ersten Versuch mit Pneus, die am Ende 18 Runden gelaufen waren, fuhr er im Durchschnitt eine Zeit von 1:36,7 Minuten, später gelang ihm mit soften Reifen ein Schnitt von 1:36,5 Minuten. Zum Vergleich: Vettel und Kimi Räikkönen kamen bei ihren Longruns im Durchschnitt nicht unter einen Wert von 1:37 Minuten.
Für Hamilton war es unter dem Strich ein "recht normaler Freitag", an dem im ersten Freien Training bei Temperaturen von knapp an die 40 Grad Celsius die Bedingungen für Mensch und Technik sehr hart war. "Im zweiten Freien Training habe ich das Auto besser verstanden. Es war sehr eng, Ferrari war an der Spitze, und auch unter Rennbedingungen scheinen sie einige Zehntel schneller zu sein", widerspricht Hamilton dem objektiven Eindruck der Rundenzeiten. "Deshalb erwarte ich morgen und am Sonntag ein klasse Duell. Wir werden so hart wie möglich arbeiten, um die Lücke zu schließen."
Auch Bottas zeigte bei seinen Longruns eine beeindruckende Leistung und fuhr mit supersoften Reifen 23 Runden, wobei seine Rundenzeiten nicht über 1:38 Minuten anstiegen. Das deutet nicht nur darauf hin, dass im Rennen mit Mercedes zu rechnen ist, sondern signalisiert auch, dass am Sonntag mit einem Einstopp-Rennen zu rechnen ist. So sprach der Finne dann auch von einem insgesamt recht guten Tag. "Wir haben im zweiten Training bei den kurzen und langen Versuchen gute Daten gewonnen, und das Gefühl für das Auto war auch okay", sagt Bottas.
Kurzer Disput zwischen Hamilton und Renningenieur
"Wir können uns noch steigern, aber das war ein positiver Start. Ich bin mir sicher, dass wir morgen viel schneller sein werden. Der Trend scheint sich hier fortzusetzen: Es ist sehr eng gegen Ferrari. Aber Red Bull sieht hier auch gut aus und das gesamte Feld ist recht eng zusammen, besonders die Top 6. Es scheint so, als ob jedes noch so kleine Detail und alles, was wir heute noch am Set-up feintunen können, sich im Qualifying und Rennen entscheidend auswirken könnte", so der Finne weiter.
Kuriose Randnotiz: Gut 20 Minuten nach dem Beginn des zweiten freien Trainings kam es zwischen Hamilton und seinem Renningenieur Peter Bonnington zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit. Bonnington hatte Hamilton am Boxenfunk aufgefordert, auf dem Boxenstoppplatz mit durchdrehenden Hinterrädern Gummi zu legen. Das hielt Hamilton aber nicht für nötig: "Der Platz hat eine Menge Grip, das wäre Zeitverschwendung", antwortete er.
"Trotz der Hitze konnten wir uns das Auto am Vormittag auf der heißen Strecke gut ansehen. Im zweiten Training haben wir dann unser normales Programm absolviert", fasst Technikchef James Allison den Tag zusammen. "Die Bedingungen waren dabei sehr viel ähnlicher zu denen, die wir für das Qualifying und das Rennen erwarten. Wir können, denke ich, schon jetzt sehen, dass es auch dieses Wochenende wieder sehr eng zwischen Ferrari und uns wird. An so einem Wochenende kann der kleinste Fehler über das Endergebnis entscheiden. Es ist super aufregend, Teil dieses Duells zu sein, das zwischen diesen beiden großartigen Teams so eng und hart umkämpft ist. Ich hoffe, dass wir alles zusammenbekommen und als Sieger daraus hervorgehen.

