Man sieht sich immer zweimal im Leben - oder im DEL-Finale: Wie im Vorjahr machen Red Bull München und die Grizzlys Wolfsburg die Meisterschaft unter sich aus. Am Sonntag (ab 16:45 im sport.de-Liveticker) startet die Finalserie im Münchner Olympia-Eissportzentrum. sport.de analysiert die Chancen der Kontrahenten vor dem erneuten Duell und wagt eine Prognose.
Der Weg ins Finale
Die Red Bulls beendete die reguläre Saison auf Platz eins und ließ auch in den Playoffs nichts anbrennen. Auf den Sweep gegen Bremerhaven folgte ein teils umkämpftes, aber letztlich souveränes 4:1 über Berlin.
Die Grizzlys hingegen mussten fast über die volle Distanz gehen. Der Hauptrundenfünfte zwang im Viertelfinale die Kölner Haie in Spiel sieben in die Knie und musste auch gegen Nürnberg sechsmal ran. Insgesamt standen die Niedersachsen fast vier Stunden länger auf dem Eis.
Personal und Taktik
Der amtierende Meister ist auch in finanzieller Hinsicht Branchenprimus und durch alle Reihen mit Stars besetzt. Vor dem besten Goalie der Saison Danny aus den Birken (1,25 Gegentore im Schnitt) arbeitet mit Konrad Abeltshauser der "DEL-Verteidiger des Jahres".
Das Prunkstück des Münchner Spiels aber ist die Offensive. Mit Stürmern wie Michael Wolf, Keith Aucoin, Dominik Kahun, Brooks Macek, Jon Matsumoto oder Frank Mauer ist der EHC jederzeit in der Lage, die Scheibe ins gegnerische Netz zu befördern.
Allerdings treffen die Bayern auf eine starke Defense. Grizzlys-Goalie Felix Brückmann stellte in der Saison mit 315 Minuten ohne Gegentor einen DEL-Rekord auf. Er konnte in den Playoffs schon drei Shutouts verbuchen.
Die starken Werte verdankt er natürlich auch der Defensivarbeit des ganzen Teams. Die Grizzlys ackern nach Scheibenverlusten so intensiv nach hinten wie kein zweites Team in der höchsten deutschen Spielklasse.
Pünktlich zum Finale könnten zwei Wolfsburger ihr Playoff-Debüt feiern. Kris Foucault ist nach Verletzungspause zurück und will gleich angreifen. "Ich bin da, wenn ich gebraucht werde", ließ der Kanadier verlauten.
Auch Sturmkollege Alexander Weiß steht Coach Pavel Gross erstmals in der laufenden Postseason zur Verfügung.
Die Trainer
Der Deutsch-Tscheche Gross hat mit seinem Team schon jetzt Großes geleistet. Zum fünften Mal in Folge hat Gross ein Team mit mittelmäßigem Etat ins Halbfinale geführt, zum dritten Mal gar bis ins Endspiel. Der 48-Jährige gilt als gewiefter Taktiker und ist laut Keeper Brückmann geradezu "besessen von diesem Sport".
Gross gibt die Favoritenrolle natürlich ab. "Wir spielen gegen die beste Mannschaft der Liga“ lobte der 48-Jährige den Gegner, fügte aber auch an, dass es keine Geschenke geben wird. "Aber auch wir haben eine gute Mannschaft – wir werden uns nicht verstecken.“
Auf der Gegenseite steht mit Don Jackson ein Erfolgsgarant an der Bande. Fünfmal gewann der US-Amerikaner die Meisterschaft mit den Eisbären, im Vorjahr erstmals mit München.
Der "stille Don" gab auch vor diesem Endspiel keine großen Töne von sich. Doch wer Jackson kennt, der weiß, dass alles andere als Platz eins für den 60-Jährigen nicht in Frage kommt.
Die Statistik
Ein wichtiger Faktor werden die Special-Teams sein – und da hat München einen klaren Vorteil. Die Red Bulls treffen fast in jedem vierten Powerplay (23,7% Erfolgsquote) und lassen in Unterzahl so gut wie gar nichts zu (92,3% Penalty-Killing). Damit sind die Bayern den Grizzlys jeweils weit voraus.
Beide Teams gelten als diszipliniert und stehen in der Fairnesstabelle weit oben. Nur einer ist beim EHC immer für eine Überraschung gut. Münchens "Aggressive Leader" Steve Pinizzotto kann die Partien fast im Alleingang gewinnen.
Auf der anderen Seite kann der "Pinner" mit unnötigen und überharten Aktionen aber auch das ganze Team nach unten ziehen.
Die Prognose:
Die Grizzlys sind im Vergleich zum Vorjahr sowohl reifer als auch schlagkräftiger geworden. Die Niedersachsen werden den Red Bulls einen harten Kampf liefern. Sechs Spiele sind mindestens drin, vielleicht gibt es sogar einen Decider.
Letztlich wird sich die individuelle Klasse der Münchner aber knapp durchsetzen. Die neue Eishockey-Macht aus dem Süden sichert sich den zweiten Titel in Folge.
Lennart Wegner




















